Fachinformationen - Höhenkrankheit
Bergtrekking und Höhenkrankheit

Bildquelle: www.outwardboundwilderness.org
Sobald gemächliches Wandern zum Bergwandern wird, ist körperliche Ausdauer erforderlich. Die Leistungsfähigkeit sinkt um etwa 10% pro 1.000 m. Wandern in mittleren Höhen (1.500-2.500 m) ist bereits eine Ausdauerbelastung.
Risiken (Verrenkungen, Unterkühlung) sind bei wetterabhängiger Routenplanung und optimaler Ausrüstung klein.
Häufige Unfallursachen sind:
- Mangel an Erfahrung
- Selbstüberschätzung
- Unzureichende Sicherung und schlechte Ausrüstung
Eine gute Vorbereitung ist wesentlich zur Unfallvorbeugung. Dazu gehören:
- Körperliches Training
- Sinnvolle Etappengestaltung
- Abstimmung der Länge der Tagestouren mit sinnvollen Pausen
- Verzicht auf überflüssiges Gepäck
Oft wird vergessen, dass schon einige direkte Reiseziele wie Mexico City, La Paz, Cuzco oder Lhasa bereits in großer Höhe liegen und zudem schadstoffbelastet sind. Allein der Ausstieg aus dem Flugzeug kann hier schon belastend sein, bevor ein Trekking überhaupt begonnen hat; zumal wenn einige Zeitzonen durchflogen wurden und der Jetlag jegliche Energie raubt. Sich darauf einzustellen gehört zu einer guten Reiseplanung, bei der vor allem eines nicht fehlen darf: Zeit und Geduld mit sich selbst.
In großen Höhen (2.500-5.300 m) sind dagegen Kenntnisse höhentaktischen Vorgehens nötig, und die Ausrüstung und Routenplanung sind besonders wichtig. Hier kann es leicht zu körperlichen Anpassungsproblemen kommen (schnelle Atmung, Pulssteigerung, Kopfschmerzen, Übelkeit, Atemnot) oder bei zu raschem Aufstieg auch zur Höhenkrankheit.
Über 5.300 m ist eine vollständige Anpassung nicht mehr möglich und bei längerem Aufenthalt besteht Lebensgefahr.
Empfehlungen für alle Reisenden
- Auch in moderaten Höhen sollten Belastungen geringer sein, als auf Meeresniveau. In der Regel sollte man sich auf 80-90% körperlicher Aktivität beschränken, die auf Meeresniveau möglich wäre.
- Vor jedem Aufstieg für erhöhte Anforderungen Fitness trainieren.
- Langsamer Anstieg in Stufen ab 2.500 m maximal 500 Höhenmeter pro Tag.
- Don't go too high too fast
- Die Schlafhöhe nur um 300m pro Tag steigern.
- Während des Trekking Alkohol- und Zigaretten-Konsum einstellen.
- Für ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen.
- Mehrere Nächte auf niedriger Schlafhöhe bleiben.
Weiterer Anstieg erst nach Gewöhnung.
Zurücksteigen auf eine niedrige Schlafhöhe. - Rascher Abstieg zur Schlafhöhe bis 2.000m pro Tag.
- Don't stay too high too long
Empfehlungen für Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen
- Patienten mit schweren Herzklappenfehlern, instabiler Angina Pectoris, Stress- und Angststörungen, unkontrollierten Rhythmusstörungen, Myokardinfarkt vor zwei Wochen, nach Brustraumoperationen vor vier Wochen sollten Höhenaufenthalte vermeiden, oder nur nach ärztlicher Rücksprache in Erwägung ziehen. Das gilt auch für Patienten bei denen bereits eine Höhenkrankheit aufgetreten ist.
- Patienten mit Koronaren Beschwerden in den vergangenen vierzehn Tagen sollten sich einem Belastungstest unter EKG-Kontrolle unterziehen.
- Wenn bei guten Trainingszustand Höhenaufenthalte erwogen werden, sollte, gemäß der genannten allgemeinen Regeln, besonders vorsichtig und langsam vorgegangen werden. Ärztliche Versorgung und insbesondere Sauerstoff und Infusionen sollten erreichbar sein.
- Patienten mit gut eingestellten Schrittmachern und bei gutem Trainingszustand sind in der Regel gegenüber gesunden Personen wenig eingeschränkt.
Trotz bester Vorbereitung sind während Hochgebirgsaufenthalten höhenbedingte Erkrankungen möglich. Auch hierüber sollte man sich am besten bereits vor der Buchung einer Reise informieren.
Heute definiert man drei verschiedene höhenbedingte Erkrankungen:
Akute-Bergkrankheit (Acute Mountain Sickness - AMS)
Die AMS kann nach raschem Aufstieg bereits in Höhen über 2.500 m auftreten. Im Vordergrund der Symptome stehen Kopfschmerzen, zusätzlich können auch Übelkeit, Erschöpfung, Schwindel oder Schlaflosigkeit auftreten.
Höhen-Hirnödem (High Altitude Cerebral Edema - HACE)
Das HACE stellt eine Verschlimmerung der AMS dar. Zusätzlich findet sich eine verminderte Konzentrationsfähigkeit und/oder Störungen in den Bewegungsabläufen.
Höhen-Lungenödem (High Altitude Pulmonary Edema - HAPE)
Ein HAPE kann in Höhen über 3.000 m auftreten. Es findet sich Schwäche und verschiedene Atemwegssymptome (z.B. Kurzatmigkeit, Husten oder Engegefühl in der Brust). Ein höhenbedingtes Lungenödem kann bei der ohnehin geringen Sauerstoffkonzentration der Höhenluft die Versorgung mit dem lebenswichtigen Sauerstoff noch weiter erschweren.
Die wichtigsten Risikofaktoren für das Auftreten von höhenassoziierten Erkrankungen sind:
- Alter: Personen jünger als 50 Jahre sind anfälliger als ältere.
- Geschlecht: Männer sind anfälliger als Frauen.
- Höhe des Lebensortes: Menschen, die unterhalb von 900 m ü.NN leben, sind anfälliger.
- Aufstiegsgeschwindigkeit: Zu schneller Aufstieg (mehr als 600 m/d oberhalb von 3.000 m ü.NN) ohne Akklimatisierung sowie körperliche Verausgabung fördern das Entstehen einer Höhenerkrankung.
Maßnahmen gegen Höhenkrankheit
AMS:
- Kein weiterer Aufstieg!
- Acetazolamid: 125 mg Tabletten 2 mal täglich bis zum Sistieren der Beschwerden. Hilft bei weiterem Aufstieg nicht gegen Verschlimmerung, verdeckt aber auch keine Symptome. „Wer unter Acetazolamid nicht krank ist, ist gesund!“ Das Medikament ist jedoch in Deutschland nicht als Mittel gegen Höhenkrankheit zugelassen. Dokumentiertes Aufklärungsgespräch mit Arzt empfohlen.
- Ginko biloba: erste Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse; 120 mg 2 Mal täglich, möglichst 5 Tage vor dem Aufstieg beginnen.
HACE:
- Sofortiger Abstieg, da Todesfälle nach wenigen Stunden eintreten können. Empfohlen wird auf die Höhe zurückzukehren in der zwei Tage zuvor gerastet wurde. Nicht auf Rettung warten! Es kam vor, dass Patienten beim Warten auf den Helikopter gestorben sind.
- Ist ein Abstieg nicht möglich:
- Sauerstoffgabe: 2-4 l/min oder simulierter Abstieg (tragbare Überdruckkammer).
- Acetazolamid: 250 mg Tabletten 2 Mal täglich
- Notärztliche Versorgung
HAPE:
- Sofortiger Abstieg, da Todesfälle nach wenigen Stunden auftreten können.
- Ist ein Abstieg nicht möglich:
- Sauerstoffgabe 4-6 l/min für 6h oder simulierter Abstieg (tragbare Überdruckkammer).
- Nifedipin: initial 10 mg sublingual (unter der Zunge) + 10 mg Tabletten, anschließend 10 mg alle 4h.
- Strickte Bettruhe (nicht Aufstehen!) + Sauerstoffgabe kann bei Patienten mit milder Form des HAPE angewendet werden.
- Salmeterol: 125 µg Inhalation 2 mal täglich als Prophylaxe. Nicht zur Therapie geeignet!
- Dexamethason zeigt keine Wirkung!
Links:
HEF, MG, 17.06.2010