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Fachinformationen - Choleraimpfung


Cholera-Impfung und ETEC


Choleraimpfung
Für Personen mit direktem Kontakt zu Choleraerkrankten (z.B. Nothelfer) steht ein wirksamer Schluck-Impfstoff (Dukoral®) zur Verfügung, der bei Kindern in Endemiegebieten eine Wirksamkeit von 85% zeigte. Bei Massenimpfungen in Entwicklungsländern erwies sich die Schluckimpfung bei den betroffenen Bevölkerungsgruppen als erfolgreich.

Der Cholera-Injektionsimpfstoff wird in Deutschland wegen geringer Wirksamkeit und einer eher mäßigen Verträglichkeit nicht mehr verwendet.

Untersuchungen zur Schutzwirkung der Choleraimpfung bei Reisenden sind nicht möglich, da deren Risiko zu erkranken für statistische Auswertungen zu gering ist. Nach den internationalen Gesundheitsrichtlinien sollte kein Land eine Choleraimpfung für die Einreise verlangen. Sollte eine Impfpflicht bei der Einreise (z.B. bei Frachtschiffreisen) geltend gemacht werden, ist dies nicht medizinisch begründet.

ETEC

Die Cholera-Impfung wird in Europa gelegentlich auch Reisenden verabreicht, um diese vor einer anderen Durchfallursache zu schützen. Enterotoxische Escherichia coli (ETEC) zählen in der Tat zu den häufigsten Erregern von wässrigen Diarrhöen in vielen Reiseländern (etwa 5-18 Millionen Erkrankungsfälle pro Jahr). ETEC kann in etwa 30-50% der Fälle bei Reisedurchfällen nachgewiesen werden, die Mehrzahl dieser Erkrankungen gehen mit Krämpfen und Gewichtsverlust einher, heilen jedoch nach ein bis fünf Tagen in der Regel ohne Behandlung ab. Gefährdet für schwerere Krankheitsverläufe sind sehr kleine Kinder und geschwächte oder ältere Menschen. Die wichtigste Behandlungsmaßnahme bei solchen Durchfällen ist der Ersatz des Flüssigkeits- und Salzverlustes. Die Europäische Arzneimittelbehörde kommt  in ihrem Prüfbericht zu dem Schluss, dass Studien, die die Wirksamkeit der Impfung gegen ETEC nachweisen sollen, dies nicht schlüssig tun:
 


Nach der Einschätzung von Experten lassen sich durch die Choleraschluckimpfung nur etwa 7-12% aller Reisedurchfälle vermeiden. In einer neueren Studie (Telefonbefragung) fanden sich Durchfallerkrankungen bei Geimpften seltener als bei Ungeimpften (23% vs. 40%). Unklar ist jedoch, ob diejenigen Reisenden, die sich für die Impfung entschieden hatten, nicht generell ein vorsichtigeres Verhalten gezeigt haben. Da es sich um eine nachträgliche telefonische Befragung handelte und die Zuteilung des Impfstoffs nicht nach dem Zufallsprinzip (randomisiert) erfolgte, bleiben weitere Studien über den Nutzen des Choleraimpfstoffs zur Vermeidung des Reisedurchfalls abzuwarten.

Die Deutsche Tropenmedizinische Gesellschaft empfiehlt die Anwendung der Cholera-Impfung auf Personen zu beschränken:
 


Dies käme vor allem infrage bei Patienten mit nicht ausreichender Magensäurebildung (z.B. nach Magenresektion) und Personen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Stellungnahmen weiterer Institutionen, die allerdings die Indikation der Impfung für einem möglichen ETEC-Schutz nicht erwähnen, finden Sie hier:

Ergänzende Informationen:

 Quellen:

Weitere Artikel:

MG, SH, 31.07.2012