Fachinformationen - Gift: Maßnahmen bei Verletzungen
Maßnahmen bei Verletzungen durch Gifttiere
Wenn an Ihrem Urlaubsziel giftige Schlangen, Spinnen oder Skorpione vorkommen, sollten Sie ihre Schuhe vor dem Anziehen ausschütteln und nicht unter Steine und in Erdhöhlen fassen. Halten Sie auch dann Abstand zu möglicherweise giftigen Tieren, wenn sie anscheinend tot sind. Selbst wenn sie es tatsächlich sind, funktioniert ihr Giftapparat oft noch nach dem Tod. Versuchen sie nicht, das Tier zu fangen oder zu reizen, zum Beispiel einen Skorpion, damit er sein schwanzähnliches Hinterteil aufstellt. Prägen Sie dies bitte auch Kindern ein, die durch ihre natürliche Neugier besonders gefährdet sind.

Crotalus atrox, Bildquelle: www.venomous.com
Beim Campen im Freien ist besondere Vorsicht geboten. Schlagen Sie Ihr Zelt in übersichtlichem Gelände auf und nicht in Höhleneingängen oder neben Steinhaufen. Gehen Sie nicht barfuss aus dem Zelt und sammeln Sie Ihr Feuerholz noch vor Einbruch der Dunkelheit, um Gefahren besser erkennen zu können. Da viele Gifttiere nachtaktiv sind, sollten Sie nachts mit einer Taschenlampe den Weg ausleuchten. Sollten Sie ein krabbelndes Tier auf Ihrem Körper spüren, schlagen sie nicht drauf, sondern wischen Sie es schnell vom Körper weg.
Das Mitführen von Schlangengift-Antiseren macht für Reisende keinen Sinn, da diese nur spezifisch für bestimmte Schlangenarten geeignet sind und ihre Anwendung wegen allergischer Reaktionen sehr gefährlich sein kann. Die Gabe von Serumpräparaten ist deshalb erfahrenen medizinischen Einrichtungen vorbehalten.
Im Falle einer Vergiftung ist es entscheidend, dass schnelle Hilfe geleistet wird. Geeignete Maßnahmen bei einer schweren Vergiftung durch Tiergifte sind:
- Bringen Sie die betroffene Person in Sicherheit und stellen Sie die geschädigten Gliedmaßen ruhig. Bekämpfen Sie die eigene Panik und wirken Sie beruhigend auf das Opfer ein. Je aufgeregter der Betroffene ist, desto schneller breitet sich das Gift im Körper aus.
- Nehmen Sie der Person alles ab, was bei einer Schwellung zu Einschnürungen führen könnte (Armbänder, enge Kleidung).
- Ist die oder der Verletzte bei Bewusstsein, sollten die Beine leicht (ca. 15%) hochgelegt werden (Schocklage). Bei Bewusstlosigkeit bringen Sie die Person in eine stabile Seitenlage und sorgen dafür, dass die Atemwege frei bleiben (Kopf leicht überstrecken).
- Rufen Sie schnellstmöglich einen Arzt oder einen Transport zum das nächstem Krankenhaus.
- Versuchen Sie, das Gifttier zu identifizieren, da dies sehr wichtig für die weitere Behandlung ist. Kann es gefahrlos getötet werden oder ist bereits tot, sichern Sie es ohne es anzufassen. Dann kann es von Fachleuten identifiziert werden.
- Bei Atem- oder Herzstillstand können Sie ggf. (!) Leben retten, aber nur wenn Sie in der Lage sind, eine Beatmung und Herzmassage durchzuführen (Erste-Hilfe-Kurs!)
Gefährlich sind heroische Interventionen durch Ungeübte, die Situationen "verschlimmbessern":
- Auf gar keinen Fall dürfen Sie die Biss- oder Stichstelle aussaugen, -drücken oder -schneiden, auch wenn dies in noch so vielen Filmen dargestellt wird. Es führt nur zu zusätzlichen Gefäßverletzungen und verhindert nicht die Ausbreitung des Giftes, da sich dieses über das Lymph-System schnell ausbreitet und die Schwellung den Stichkanal in kurzer Zeit verschließt.
- Die verbreitete Überzeugung, man müsse den betroffenen Arm oder das Bein abbinden, ist ebenfalls falsch. Das Abbinden ist nur bei akuter Verblutungsgefahr durch eine verletzte Arterie ein geeignetes Mittel. In allen anderen Fällen führt es lediglich zu einer Verschlechterung des Zustandes (Schmerzen durch den Blutstau, Absterben der Gliedmaßen, Überschwemmen des Körpers mit den Giften beim Lösen der Stauung).
- Die Behandlung der Wunde mit Salben, Auflagen jeglicher Art, extremer Kühlung oder Ausbrennen oder gar das Amputieren von Gliedmaßen führen allesamt nicht zu einer Gesundheitsverbesserung des Opfers sondern zu einer zusätzlichen Schädigung!
- Bis auf eine vorsichtige Säuberung von grobem Schmutz oder Giftresten sollte die Wunde in Ruhe gelassen werden.
Die oben genannten Maßnahmen gelten allgemein für alle schweren Vergiftungen. Die speziellen Behandlungen und Symptome sind abhängig davon, welches Gift in welcher Konzentration und Menge in den Körper gelangt ist, sprich: welches Gifttier die Verletzung verursacht hat.
RMZ, 04.02.2009