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Fachinformationen - Tuberkulose


Tuberkulose

Bildquelle: Kottmeier


Erreger:

Mycobacterium tuberculosis (aerobe, unbewegliche, langsam wachsende, stäbchenförmige, säurefeste Bakterien)

Verbreitung:
Die Tuberkulose ist weltweit verbreitet. Nach Schätzungen der WHO gab es im Jahr 2008 9,37 Millionen Neuerkrankungsfälle, insgesamt sind weltweit rund 2 Milliarden Menschen mit dem Erreger infiziert. Etwa 1.3 Millionen Menschen sterben jährlich an der Tuberkulose. In Deutschland erkrankten 2009 4.432 Personen, die Sterblichkeitsrate lag bei 5,4%. Im globalen Maßstab sind vor allem die afrikanischen Länder südlich der Sahara, SO-Asien, einige lateinamerikanische Staaten und zunehmend die Nachfolgestaaten der Sowjetunion besonders betroffen. Begünstigend für die Ausbreitung der Tuberkulose wirken eine schlechte medizinische Versorgung, Überbevölkerung unter Bedingungen von Armut, Krieg, Migration sowie die Ausbreitung  Fortschreiten der HIV-Infektion. Personen aus sozial benachteiligten Gruppen der Gesellschaft sowie Personen mit einer Schwächung des Immunsystems (u.a. HIV-Infizierte) unterliegen einem höheren Tuberkulose-Infektions- und Erkrankungsrisiko. Der alarmierende Anstieg der Tuberkuloseerkrankungen und des Anteils resistenter Erreger in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion ist aufgrund der geographischen Nähe und der Migration aus diesen Regionen auch für Deutschland bedeutsam. Bedingt durch die weltweite Mobilität können jedoch hochgradig multiresistente Erreger (sog. XDR-Stämme) leicht auch in weit entfernte Regionen importiert werden. Seit 2008 wird immer wieder von XDR-Tuberkulose vor allem im südlichen Afrika sowie in Südamerika berichtet. Im Januar 2012 wurde erstmals von einem Tuberkuloseerreger in Indien berichtet, der gegen nahezu alle verfügbaren Medikamente resistent sei:

Infektionsweg:
Die Infektion erfolgt fast immer aerogen durch Aerosole, die insbesondere beim Husten und Niesen freigesetzt werden. Unter einer infektiösen Lungentuberkulose (offene Tuberkulose) versteht man Erkrankungen, bei denen der Krankheitsherd Anschluß an die Luftwege hat. Ob es zur Infektion kommt, hängt von der Häufigkeit und Intensität des Kontakts, der Menge und Virulenz der inhalierten Erreger und der Disposition der exponierten Person ab. Von extrapulmonalen Tuberkulosen (Lymphknoten, Urogenitalsystem, Knochen, Gelenke, Verdauungsorgane) geht nur dann ein Infektionsrisiko aus, wenn der Krankheitsherd durch Fisteln einen Kontakt nach außen erhält. Eine Übertragung durch nicht pasteurisierte Milch infizierter Rinder ist prinzipiell möglich, jedoch in Mitteleuropa nicht mehr von Bedeutung, da der Rinderbestand weitgehend tuberkulosefrei ist.

Inkubationszeit:
Wochen bis viele Monate

Bildquelle: BNI / BW

Symptomatik:
Die Möglichkeit, mit der sich eine Tuberkulose bei gegebener Exposition entwickelt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig (u.a. Virulenz der Erreger, Alter, Abwehrlage des Infizierten, Infektionsdosis). Die Tuberkulose manifestiert sich bei etwa 80% der Erkrankten als Lungentuberkulose, kann aber jedes Organ befallen. Dementsprechend vielgestaltig präsentiert sich diese Erkrankung. Die initiale Symptomatik ist uncharakteristisch, mögliche Allgemeinsymptome sind Abgeschlagenheit, Gewichtsabnahme, leichtes Fieber, vermehrtes Schwitzen. Appetitmangel, Müdigkeit, allgemeine Schwäche. Respiratorische Beschwerden können in Form von Husten, Thoraxschmerzen und Atemnot auftreten. Bei ungünstiger Abwehrlage (z.B. Nikotinabusus, Unterernährung, Immunschwäche, immunsuppressive Therapie, prädisponierende Krankheiten wie Diabetes mellitus, Vorerkrankungen der Lunge) kann es neben der lymphogenen Ausbreitung zusätzlich durch eine primäre Generalisation zu einem Befall weiterer Organe kommen. Die Hauptkomplikationen einer primären Generalisation sind die Miliartuberkulose und die tuberkulöse Meningitis. Weiterhin kann sich durch hämatogene Aussaat und Reaktivierung eines Organherdes eine Knochen-, Gelenk-, oder Urogenitaltuberkulose entwickeln.

Diagnostik:
Der Nachweis einer Infektion ohne Erkrankung erfolgt durch den Tuberkulintest. Der eigentliche Erregernachweis erfolgt in der Regel aus Sputum, ist aber auch aus Magensaft, Urin, Pleuraexsudat, Liquor, anderen Punktions- oder Biopsieproben möglich (Ziehl-Neelsen-Färbung, kultureller Nachweis, PCR). Weiterhin spielt die Röntgendiagnostik in der Erkennung und Verlaufsbeurteilung der Lungentuberkulose eine wichtige Rolle. Eine neue diagnostische Möglichkeit stellen Interferon-Gamma-Release-Assays (IGRAs) dar. Die IGRAs haben den Vorteil, dass das Testergebnis nicht durch eine frühere BCG-Impfung verfälscht wird. Abgesehen davon entspricht die diagnostische Aussagekraft der IGRAs dem Tuberkulintest.

Therapie:
Die Behandlung erfolgt durch eine standardisierte Kombinationstherapie mit Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid,Ethambutol. Weitere Erstrangmedikamente sind Streptomycin und Protionamid.

Prophylaxe/ Immunität:
Entscheidend für eine effektive Prophylaxe ist die rasche Entdeckung erkrankter und infektiöser Patienten und eine schnell einsetzende effiziente Therapie Die BCG-Impfung wird in Deutschland seit 1998 nicht mehr empfohlen (Gründe: begrenzte Wirksamkeit bei rückläufiger Tuberkuloseinzidenz, relative Häufung von Impfkomplikationen).

Gesetzliche Regelungen:
Nach §6, Abs.1 IfSG besteht Meldepflicht für Erkrankung und Tod. Weiterhin besteht nach §7, Abs.1 IfSG Meldepflicht für den direkten Erregernachweis.

Risiko für Reisende

Weiterführende Literatur

Weitere Artikel

 

MG, 19.10.2012