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Diphtherie
Erreger:
Corynebacterium diphtheriae (grampositive, nicht sporenbildende, unbewegliche Stäbchen), Toxinproduktion nur nach Aufnahme eines toxigenen Bacteriophagen.
Verbreitung:
Diphtherie-Fälle werden weltweit beobachtet. Die meisten Erkrankungen treten in gemäßigten Klimazonen mit einem saisonalen Morbiditätsgipfel im Herbst und Winter auf. Die Inzidenz und das Muster des Auftretens haben sich in den letzten 50 – 75 Jahren verändert. In den westlichen Industrieländern ist die Zahl der Erkrankungen erheblich zurückgegangen, allerdings war dort eine zunehmende Empfänglichkeit in der erwachsenen Bevölkerung aufgrund zunehmender Immunitätslücken bei Impfmüdigkeit feststellbar. In der GUS kam es in der ersten Hälfte der neunziger Jahre zu ausgedehnten Epidemien, die sich durch umfangreiche Impfaktionen seit 1995 zurückentwickelten (1995: insgesamt rund 50 000 Erkrankungsfälle, 1999: 730 Erkrankungsfälle). In Teilen der Dritten Welt ist die Diphtherie trotz eines auch dort beobachteten Rückganges noch immer endemisch (z.B. Thailand, Indien, Indonesien, Philippinen, Brasilien, Nigeria).
Infektionsweg:
Die Übertragung erfolgt aerogen durch Tröpcheninfektion, bei der Hautdiphtherie durch Schmierinfektion. Der Mensch ist das einzige Reservoir.
Inkubationszeit:
2 – 5 Tage
Symptomatik:
Die Krankheit beginnt meist allmählich mit Halsschmerzen, Fieber, Schluckbeschwerden. Später kommt es zu Heiserkeit, Stridor, Gaumensegellähmungen, Lymphknotenschwellungen. Es entsteht eine Tonsillitis / Pharyngitis mit charakteristischen grauweißen Pseudomembranen, die oft die Tonsillen überschreiten und sich auf Gaumen und Uvula, gegebenenfalls auch bis zum Kehlhkopf ausbreiten (Gefahr der Obstruktion der Atemwege mit Ersticken). Bei dem Versuch, die Membranen zu entfernen, kommt es meist zu Blutungen. Bei einem Teil der Patienten kommt es nach ca. 1 Woche zur Entfieberung und Ablösung der Membranen. Neben der lokalen Infektion kann es jedoch zu jeder Zeit der Erkrankung und auch noch Wochen später zu einer toxischen Allgemeinerkrankung mit oft schwerer Myokarditis, Nierenschädigung sowie Beteiligung der peripheren Nerven (Lähmungserscheinungen) kommen. Die Nasendiphtherie bei Kleinkindern, gekennzeichnet von meist einseitigen Exkoriationen und Nasensekretfluß, verläuft meist gutartig. Die Läsionen einer Hautdiphtherie ähneln häufig einer Impetigo. Die Letalität der unbehandelten Erkrankung liegt bei ca. 20%. Der Tod kann durch Atemwegsobstruktion oder Herzversagen eintreten.
Diagnostik:
Wegweisend ist der klinische Befund. Der Erregernachweis sollte aus Abstrichen der verdächtigen Läsionen angestrebt werden (Gramfärbung).
Differentialdiagnose:
Angina, infektiöse Mononukleose, Impetigo (Abgrenzung zu Hautdiphtherie).
Therapie:
Antitoxin, Penicillin oder Erythromycin, symptomatisch. Bei klinischem Verdacht sollte die Therapie umgehend begonnen werden.
Prophylaxe, Immunität:
Die Prophylaxe besteht in einer aktiven Grundimmunisierung mit Toxoidimpfstoff und Auffrischimpfungen alle 10 Jahre entsprechend den Impfempfehlungen der STIKO. Die Impfung mit dem Toxoidimpfstoff schützt vor systemischer Toxinwirkung, jedoch nicht vor der eigentlichen Lokalinfektion. Bei Krankheitsausbruch sind Einzelunterbringung des Patienten und Schutzmaßnahmen für Kontaktpersonen angezeigt. Die durchgemachte Erkrankung hinterläßt nicht immer eine verläßliche Immunität.
Gesetzliche Regelungen:
Nach §6, Abs.1IfSG besteht Meldepflicht für Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod. Weiterhin besteht nach §7, Abs.1 .IfSG Meldepflicht für den direkten oder indirekten Erregernachweis. Nach §12, Abs. 1 IfSG besteht Meldepflicht an die zuständige oberste Landesgesundheitsbehörde und an das RKI.
MG, 19.06.2009