Reiseinformationen - Dengue Hämorrhagisches-Fieber
Dengue-Hämorrhagisches-Fieber: Wie hoch ist das Risiko für Reisende?
Allgemein
Das Denguevirus gehört zur Familie der Flaviviren. Damit ist es genetisch verwandt mit den Erregern des Gelbfiebers, der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und des West-Nil-Fiebers. Die Übertragung des Virus auf den Menschen erfolgt durch Moskitos. Meist durch Aedes aegypti, gelegentlich aber auch durch Aedes albopictus oder Aedes polynesiensis. Es existieren vier unterschiedliche Serotypen (DEN1-4) des Erregers. Eine durchgemachte Erkrankung schützt zwar vor erneuter Infektion mit dem gleichen Typ, nicht jedoch vor einer Zweitinfektion mit einem der verbleibenden drei Virusvarianten.
Neben plötzlich auftretendem Fieber finden sich häufig recht starke Muskel- und Gliederschmerzen. In den angelsächsischen Ländern ist daher die Bezeichnung „break-bone fever“ geläufig.
Klassisches Dengue-Fieber / Dengue-Hämorrhagisches-Fieber (DHF)
Obwohl das klassische Dengue-Fieber auch bei Touristen in zunehnmender Zahl diagnostiziert wird: 273 gemeldete Fälle in Deutschland (2008, RKI, veröffentlicht September 2009), werden nur sehr selten schwere oder gar gefährliche Krankheitsverläufe bei Reisenden beobachtet. Dennoch führen Meldungen über große Fallzahlen in bestimmten Ländern, zum Beispiel Brasilien mit mehr als 259.000 registrierten Erkrankungen mit 240 Todesfälim Jahr 2008 (Promed 04.02.2009), verständlicherweise oft zur Verunsicherung von Reisenden. Verstärkt wird die Unsicherheit durch die Tatsache, dass häufig auch über Todesfälle berichtet wird. Im Zusammenhang mit schweren Krankheitsverläufen und erhöhter Blutungsneigung findet sich ein Krankheitsbild, das als Dengue-Hämorrhagisches-Fieber (engl. Dengue Hemorrhagic Fever, DHF) bezeichnet wird (Hämorragie ist eine Blutungsneigung). Man unterscheidet einen weiteren Untertyp der Erkrankung, das „Dengue Shock Syndrome“ (DSS). Hier kommt es überwiegend zu einem „unblutigen“ Austritt von Serum in den Raum zwischen den Zellen hinein. Bei DSS handelt es sich um eine besonders schwere Verlaufsform des DHF.
Häufigkeit des DHF
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Dengue-Fieber zu einem DHF/DSS entwickelt, wird mit höchstens einem Prozent angegeben (Wilder-Smith 2005). Oft liegen die Zahlen noch wesentlich niedriger. Beispiel: Brasilien im Jahr 2007, auf eine halbe Million Fälle klassisches Dengue-Fieber kamen 1275 Fälle von DHF. Die Sterblichkeit des DHF liegt bei bis zu 10 (-20%) und kann im Fall von DSS sogar 40% betragen (Wilder-Smith 2005). Mit 136 registrierten Todesfällen lag die Sterblichkeitsrate des DHF in Brasilien bei 10,7%. (Promed 18.12.2007). Betroffen von der schweren Verlaufsform sind vor allem Kinder, die in Verbreitungsgebieten wohnen und sich jedes Jahr erneut infizieren.
Diagnostische Kriterien
Nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt ein DHF vor, wenn neben einer Fiebersymptomatik auch eine Thrombozytopenie mit weniger als 100.000 Blutplättchen pro mm 3 Blut vorliegt. Weitere Kriterien sind klinische Hinweise auf eine erhöhte Blutungsneigung in Verbindung mit Zeichen eines Plasmaverlustes über die Wände der Blutgefäße. Hierzu sollte mindestens einer der folgenden Befunde gehören: erhöhter Hämatokritwert (Erhöhung von mehr als 20% über dem Normbereich), Ergüsse in den serösen Höhlen (Pleuraerguss oder Aszites), erniedrigtes Serumprotein.
Risikofaktoren
Obwohl sich der Verlauf einer Denguevirus-Infektion im Einzelfall nicht vorhersagen lässt, existieren Anhaltspunkte, die zumindest eine grobe Einschätzung erlauben. Der wichtigste Risikofaktor für schwerere Krankheitsverläufe ist das Lebensalter. Bis zu 95% aller beobachteten DHF/DSS Fälle finden sich bei Kindern im Alter unter 15 Jahren. Die Befürchtungen vieler Fernreisender hinsichtlich einer Dengue-Zweitinfektion sind in der Regel unbegründet.
Allerdings finden sich bei Kindern im Alter von 3-4 Jahren im Falle einer Zweitinfektion mit dem DEN2-Virus deutlich erhöhte Sterblichkeitsraten (25/10.000). Kinder im Alter zwischen 3 und 14 Jahren haben ein 14,5-fach höheres Risiko bei einer Dengue-Zweitinfektion ums Leben zu kommen als Patienten in der Altersgruppe zwischen 15 und 39 Jahren. Erst in der Altergruppe ab 50 Jahre findet sich wieder ein leichter Anstieg der Sterblichkeit nach einer Zweitinfektion (Guzmán 2002). Auch immunologische/genetische Faktoren können den Krankheitsverlauf im Falle einer Zweitinfektion beeinflussen (Loke 2001).
Ein weiterer wichtiger Faktor zur individuellen Risiko-Einschätzung ist die aktuelle epidemiologische Situation im Reiseland. Neben der absoluten Anzahl der gemeldeten Fälle ist jedoch auch der prozentuale Anteil von DHF-Erkrankungen im Vergleich zur Gesamtfallzahl von Bedeutung. Dies erlaubt eine Einschätzung der Virulenz des aktuell verbreiteten Erregertyps.
Fazit
- In den meisten Fällen ist das Risiko an DHF zu erkranken für Reisende äußerst gering.
- Trotzdem sollte - vor allem im Hinblick auf mitreisende Kinder - eine sorgfältige und individuelle Risikoeinschätzung vorgenommen werden. Unbedingt sollte bei Reisen in Dengue-Endemiegebiete ganztägig sorgfältig auf Mückenschutz geachtet werden.
Literatur:
- Loke H, Bethell DB, Phuong CX, et al. Strong HLA class I-restricted T cell responses in dengue hemorrhagic fever: a double edged sword? J Infect Dis 2001; 184: 1369-73.
- Guzmán MG, Kouri G, Bravo J, Valdes L, Vazquez S, Halstead SB. Effect of age on outcome of secondary dengue 2 infections. Int J Infect Dis 2002; 6: 118.24.
- Wilder-Smith A, Schwartz E. Dengue in travellers. N Engl J Med 2005; 353: 924-32.
MG, 02.06.2010