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Reiseinformationen - Das Neue Coronavirus (MERS-CoV)


Das Neue Coronavirus

Seit dem SARS-Ausbruch hat die internationale Gemeinschaft der Virologen ein Auge auf die Familie der Coronaviren. Weitere unangenehme Überraschungen erschienen nicht ausgeschlossen.

Rund 10 Jahre später – am 13. Juni 2012 – wurde in Saudi-Arabien ein 60-jähriger Mann in das Krankenhaus der Hafenstadt Jeddah eingeliefert. Der Patient litt seit sieben Tagen an Husten, Fieber und Kurzatmigkeit. Elf Tage nach der Krankenhauseinweisung verstarb er an Lungen- und Nierenversagen. Am 20. September 2012 wurde das "Middle East respiratory syndrome coronavirus" (MERS-CoV) erstmals nachgewiesen.

Bald wurden weitere Erregernachweise gemeldet. 

 


Aktueller Stand

Seit September 2012 wurden weltweit mindestens 2.229 labordiagnostisch bestätigte Erkrankungen durch Erreger des "Middle East respiratory Syndromes", MERS, mit mindestens 791 Todesfällen registriert. Insgesamt 27 Länder sind bzw. waren betroffen. Die Erkrankungen traten auf vor allem in Saudi-Arabien sowie in Katar, Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, vereinzelt im Iran oder im Zusammenhang mit vorangegangenen Aufenthalten in diesen Ländern. Insgesamt Abnahme der Erkrankungsaktivität in Saudi-Arabien.


Ein Beitrag vom Juli  2016 im Ärztenetzwerk DocCheck beleuchtet das erhöhte Infektionsrisiko für andere Patienten und Klinikpersonal in solchen Krankenhäusern, deren Notaufnahmen nicht auf den Ernstfall vorbereitet sind.

In Saudi-Arabien durchgeführte Querschnittsuntersuchungen zeigten ein bei Kamelzüchtern und Arbeitern in Schlachtbetrieben 15- bzw. 23-fach häufigeres Auftreten von Antikörpern als bei der Normalbevölkerung. Dies deutet auf eine größere Verbreitung des Erregers hin als zunächst angenommen, jedoch auch darauf, dass der größte Teil der Infektionen asyptomatisch verläuft oder zumindest nur mit geringen, vorübergehenden Beschwerden verbunden ist. (Müller et al. 2015) Zumindest als Resservoir für den Erreger spielen Dromedare allem Anschein nach eine relevante Rolle, zumal die Tiere selbst meist keine auffälligen Krankheitszeichen entwickeln und angesichts der Tatsache, dass auch weiterhin kein Impfstoff zum Einsatz bei Dromedaren zur Verfügung steht. (ProMED 14.09.)



LESETIPPCountries agree next steps to combat global health threat by MERS-CoV (27.09.2017)



Krankheitszeichen
Ähnlich wie bei SARS stehen auf bei Infektionen mit MERS-CoV Fieber, Husten und Kurzatmigkeit im Vordergrund. Im weiteren Verlauf kann sich schnell eine schwere Lungenentzündung sowie ein Nierenversagen entwickeln. Es wäre auch vorstellbar, dass die Infektion häufig nur mit milden Atemwegssymptomen einhergeht, diese milden Verläufe aber unentdeckt bleiben. Inzwischen wurden bereits eine Reihe von asymptomatischen Infektionen registriert. Auffällig ist, dass bisher nur Infektionen bei Erwachsenen beobachtet wurden.

Übertragung
Weiterhin ist der Übertragungsweg des Erregers sowie die Ansteckungsquelle unklar. Ähnlich wie bei SARS könnte der Erreger von einem Tier auf den Menschen übergesprungen sein. Fledermäuse kämen als natürliches Reservoir in Betracht. Diese Hypothese wird gestützt durch die Tatsache, dass ein sehr ähnliches Coronavirus bereits früher schon in Fledermäusen nachgewiesen wurde. Inzwischen wurde der Erreger in Fledermäusen der Art Taphozous perforatus nachgewiesen. Selbst wenn Taphozous perforatus das Reservoir für den Erreger darstellt, muss die Ansteckung nicht direkt über Kontakt mit Fledermäusen erfolgt sein. Ähnlich wie bei SARS könnte die Ansteckung auch über ein anderes Tier erfolgen, das wie der Larvenroller als Zwischenwirt fungiert. Es wurden Infektionen mit dem Erreger auch bei Dromedaren nachgewiesen. In einem aktuellen Fall zeigte das Tier sogar Krankheitszeichen. (Cidrap 11.11.13, Cidrap 12.11.13) Neuere Studien stützen die Hypothese derzufolge Dromedare eine relevante Rolle bei der Übertragung des Erregers spielen. (Eurosurveillance 21.04.14, Müller et al. 2015) Eine direkte Übertragung von Mensch-zu-Mensch erscheint ebenfalls möglich zu sein, zumal Fallhäufungen innerhalb von Familien und im Umfeld von künstlich beatmeten Patienten beobachtet wurden. Wäre dies der Fall, so dürfte die Ansteckungsgefahr bei direktem Kontakt mit dem Patienten jedoch nur sehr gering sein. Am wahrscheinlichsten wäre eine Übertragung des Erregers durch Tröpfcheninfektion über sehr kurze Distanzen. (Cidrap 19.05.14) Neuere Erhebungen in Saudi-Arabien zeigten, dass mehr als 70% der aktuellen Übertragungen im Zuge der intensivmedizinischen Behandlung von Patienten zu verzeichnen waren. (Saudi MOH 04.11.14) In Expertenkreisen wird derzeit diskutiert, ob der Kontakt mit rohem Fleisch infizierter Dromedare, dessen Verzehr sowie das Trinken unpasteurisierter Dromedarmilch ebenfalls zu einer Ansteckung führen könnte. (ProMED 01.04., CDC) Die Inkubationszeit scheint bei drei bis zwölf (maximal 14,5) Tagen zu liegen. In den meisten Fällen treten die Symptome innerhalb von zehn Tagen nach Ansteckung auf.

Diagnostik
Das MERS-CoV kann in einer Nierenzellkultur angezüchtet werden. Der direkte Nachweis erfolgt mittels molekularbiologischer Diagnostik (RT-PCR). Auch Schnelltests sind möglich.

Fazit
Erreger aus der Familie der Coronaviren müssen sorgfältig beobachtet werden. Dies gilt besonders für Viren wie SARS-CoV und MERS-CoV, die auch direkt von Mensch-zu-Mensch übertragen werden können. Reisende in die entsprechenden Länder sollten auf das Vorkommen von MERS higewiesen werden. Von engeren Kontakte mit erkrankten Personen sowie von dem Essen unzureichend erhitzten Dromedarfleisches oder Trinken unpasteurisierter Dromedarmilch wird abgeraten. Die internationale Wissenschaftsgemeinde hat schnell und effektiv auf den aktuellen Ausbruch reagiert. Innerhalb von Wochen wurde ein Testsystem entwickelt, die Inkubationszeit ermittelt, eine Falldefinition erarbeitet und ein Meldesystem etabliert. Weitere Forschung ist erforderlich, u.a. zur Aufklärung des Erregerreservoirs, der Übertragungswege sowie gegebenenfalls zur Entwicklung eines Impfstoffes.


Quellen und weiterführende Informationen

 

MG, 17.08.2018