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Reiseinformationen - Augenerkrankungen


Augen

Die Augen sind ein nach außen gerichteter Teil des Gehirns. Der Sehsinn wird von vielen als unser wichtigster empfunden. Deshalb müssen die Augen auf Reisen besonders geschützt werden vor:

Vor der Reise

Quelle: corriere.it

Kontaktlinsenträger sollten wissen, dass das Risiko für Infektionen oder mechanische Schädigung der Augen auf Reisen erhöht ist. Bereits die sehr trockene Luft in der Flugzeugkabine bedeutet eine Augenbelastung für Linsenträger. Die Kontaktlinsen sollten daher während des Fluges entfernt werden. Die Klimaumstellung bei Fernreisen, die Tendenz zu längeren Tragezeiten, seltenere Reinigung der Linsen, Mangel an Reinigungslösung führen oft dazu, dass Kontaktlinsen während des Urlaubs weniger gut toleriert werden. Im schlimmsten Fall kann eine schwere Amöben-Keratitis auftreten, die bis zur Erblindung führen kann. In jedem Fall ist es wichtig, ausreichend Reinigungslösung, mehrere Behälter zur Lagerung der Linsen sowie auch mindestens eine Ersatzbrille mitzuführen.

Eine Möglichkeit das Risiko von Augenreizungen während des Urlaubs zu verringern ist das Tragen einer geeigneten Sonnenbrille. Vor allem Aufenthalte auf dem Wasser, im Hochgebirge oder im Schnee gehen leicht mit einer erheblichen Belastung der Augen einher (verstärkte Lichtreflexion). Wichtig ist vor allem ein vollständiger UV-Schutz ("100% UV-Schutz bis 400 Nanometer"). In Zweifelsfällen lässt sich die Qualität der vorhandenen Gläser im Fachhandel testen.

Im Falle chronischer Krankheiten wie dem "Chronischen Glaukom", der diabetesbedingten Netzhautschädigung oder chronischen Entzündungen der Augen sollte vor längeren Reisen unbedingt ein Augenarzt konsultiert werden. Hier ist die Frage der Flugtauglichkeit zu klären. Auch kann sich der Patient darüber informieren, welche Bedingungen im Reiseland gemieden werden sollten. Für einige Erkrankungen (z.B. Thrombose in der Zentralvene des Auges oder Netzhautablösung) kann bereits der geringe Druckabfall in der Flugzeugkabine zu Komplikationen führen. Besonders bei drohender Gefahr einer Netzhautablösung ist die Flugreisefähigkeit sehr kritisch zu beurteilen, da im Urlaubsort oft keine Spezialisten für den erforderlichen Eingriff zur Verfügung stehen und sich gleichzeitig ein Krankenrücktransport mit dem Flugzeug wegen des schädlichen Druckabfalls verbietet.

Umweltbedingungen wie trockene staubbelastete Luft in bestimmten Wüstenregionen können bei bestehender Vorerkrankung (z.B. "Trockenes Auge" sog. Sicca-Syndrom) zu zusätzlichen Reizungen der Binde- und Hornhaut führen. Tropische Temperaturen mit hoher Luftfeuchtigkeit sind wiederum Patienten weniger zuträglich, die unter einem chronisch erhöhten Augeninnendruck (Chronisches Glaukom) leiden. Stark kurzsichtige Personen müssen darüber informiert werden, dass bei hitzebedingter Austrocknung ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer Netzhautablösung bestehen kann.

Während der Reise
Eine der häufigsten akuten Augenerkrankungen mit denen Reisende während eines Auslandsaufenthaltes konfrontiert werden ist die Bindehautentzündung (Konjunktivitis). Als Ursachen kommen u.a. mechanische Reizungen (Wind, Staub), Allergien sowie auch verschiedene virale und bakterielle Krankheitserreger in Frage. Bei allergisch bedingter Bindehautentzündung kann es nach Reiseantritt sogar rasch zu einer Besserung der Beschwerden kommen. Im Falle einer bakteriellen Infektion sind die Symptome hingegen oft besonders ausgeprägt. Neben der geröteten Bindehaut finden sich dann oft auch Lidschwellung und Sekretbildung mit typischerweise "verklebten" Augenlidern am Morgen. Es ist mit einer Krankheitsdauer von drei bis sieben Tagen zu rechnen. Bei sehr belastender Symptomatik oder Andauern der Beschwerden sollte der Augenarzt konsultiert werden. Der Heilungsverlauf kann durch antibiotikahaltige Augentropfen (ohne Kortison!!!) beschleunigt werden. Wichtig ist, auf Sauberkeit und Hygiene zu achten: Säubern der Augen und regelmäßiges Händewaschen. Entzündungen der unterhalb der Bindehaut liegenden Hornhaut (Cornea) sind meist wesentlich schmerzhafter und müssen ärztlich überwacht und behandelt werden. Auch andere akute Beschwerden können Warnzeichen für eine schwerere Augenerkrankung sein. Bei den folgenden Symptomen sollte stets unverzüglich ein Augenarzt aufgesucht werden: starke Schmerzen (z.B. bei Tränengangsentzündung, Entzündung der mittleren Augenhaut oder akutem Glaukom), plötzlicher Einschränkung der Sehkraft (z.B. bei Glaskörperblutung) oder Einschränkungen des Gesichtsfeldes (z.B. bei akuter Netzhautablösung).

Was tun bei Augenverletzungen am Urlaubsort?
Neben der Belastung durch UV-Licht kann es relativ schnell auch einmal zu mechanischen Verletzungen der Hornhaut kommen. Ursachen hierfür sind vielfältig, zum Beispiel finden sich relativ häufig oberflächliche Erosionen der Hornhaut durch Sandkörner, dünne Äste, Insekten. Nach einer Verletzung besteht das Risiko einer nachträglichen Infektion durch Bakterien oder anderen Krankheitserregern. Es sollte immer ein Augenarzt aufgesucht werden, der eine Perforation (Durchdringung) der Hornhaut sicher ausschließt; ggf. kann ein Rücktransport erforderlich sein. Das Auge sollte geschont werden (Augenbinde), außerdem können pflegende Salben (z.B. Bepanthen®) und/oder antibiotische Salben angewendet werden.

Erkrankungen nach der Reise
Bei entzündlichen Augenerkrankungen nach der Reise muss ein Augenarzt aufgesucht werden, der einen möglichen Zusammenhang mit der Reise klären kann. Zunehmend häufig findet sich hingegen die sehr schmerzhafte hämorrhagische (blutige) Bindehautentzündung, vor allem bei Afrika- und Asienreisenden. Die Erreger (Adenoviren) werden meist durch Schmierinfektion übertragen. Die Inkubationszeit ist äußerst kurz, mitunter nur wenige Stunden. Daher setzt sie Symptomatik meist bereits während der Reise ein. Augenbeschwerden nach einer Reise können aber auch völlig unvermutete Ursachen haben: Zwei bis drei Wochen nach Infektionen mit Durchfallerregern (Campylobacter, Shigellen), Chlamydien oder anderen Erregern werden gelegentlich überschießende Immunreaktionen beobachtet, die sich im Bereich der Augen (Konjunktivitis) und/oder Gelenke manifestieren. Meist reicht in diesen Fällen eine symptomatische Therapie. Ebenfalls als Immunreaktion wird bei Erkrankungen durch Würmer und Einzeller (z.B. Lamblien) gelegentlich eine Entzündung der mittleren Augenhaut (Uveitis) beobachtet. Eine klassische Augenerkrankung der Tropen ist das Trachom. Es handelt sich um eine bakterielle Bindehautentzündung, die sich in weiten Teilen Afrikas, des Mittleren Ostens und Indiens findet. Betroffen sind vor allem Kinder, die unter schwierigen hygienischen Verhältnissen aufwachsen. Gelangt der Erreger Chlamydia trachomatis in das Auge, so kann eine nicht heilende Entzündung der Bindehaut resultieren. Reisende mit sehr engen Kontakten zur einheimischen Bevölkerung haben ein größeres Risiko als Pauschaltouristen. Insgesamt kommt das Trachom bei westlichen Reisenden äußerst selten vor. Trotzdem sollte bei schwer heilenden Konjuktividen nach Afrika- oder Orientaufenthalten stets auch an das Trachom gedacht werden. Ein direkter Befall des Auges durch Fadenwürmer tritt gelegentlich bei der Onchozerkose (Flussblindheit) auf, kommt aber selbst bei Langzeitaufenthalten im tropischen Afrika (> 10 Jahre) nur extrem selten vor.

RMZ, 03.02.2009