Reiseinformationen - Malaria allgemein (Risiko)


Malariarisiko

Die Malaria kommt in subtropischen und tropischen Regionen von über 100 Ländern vor, in denen 40% der Weltbevölkerung leben. In 27 dieser Länder steht Malaria vor der Ausrottung. In vier afrikanischen Ländern ( Eritrea, Ruanda, Sao Tomé und Principe, Sambia) und in einer Region Tansanias (Sansibar) konnte die Malariaübertragungsrate 2009 auf 50% abgesenkt werden. Weiterhin gingen die Malariaübertragungen deutlich zurück in Botswana, Kapverden, Namibia, Südafrika, Swaziland. Auch außerhalb Afrikas ging die Malariaerkrnakungsrate zwischen 2000 und 2008 in 29 der 59 betroffenen Länder um 50% zurück.

Ursache für den Rückgang sind Malariapräventionsprogramme (Aufklärung, Bettnetze) und eine Intensivierung des Pestizideinsatzes (u.a. auch DDT).  
Der World Malaria Report 2011 schätzt für das Jahr 2010 weltweit 216 Mio. Fälle, davon 81% in Afrika. Bei 91% der weltweiten Malariaerkrankungen lag eine Infektion mit Plasmodium falciparum , dem Erreger der Malaria tropica, vor. Schätzungsweise sind 2010 etwa 655.000 Menschen durch Malaria ums Leben gekommen


Risiko für Reisende

Für viele Regionen liegen oft keine genauen Informationen über die tatsächliche Höhe des Risikos vor. Die Infektionsgefahr hängt zudem von Unterbringung, Verhalten und Art der Umgebung ab. Ein Beschäftigter im diplomatischen Dienst in einem rundum vor Mücken geschützten und klimatisierten Haus hat im Zweifelsfall ein geringeres Malariarisiko als ein Kind, das unter einfachen Bedingungen in einem abgelegenen Dorf lebt und sich meist im Freien oder in ungeschützten Räumen aufhält.

Der Medizinische Dienst des US-amerikanischen Foreign Office verfügt über umfangreiche Daten zum Gesundheitszustand der weltweit im diplomatischen Dienst Tätigen. In einer  Untersuchung wurden die zwischen 1988 und 2004 registrierten 781 Fälle von Malaria bei US-Botschaftsangehörigen ausgewertet (Rathnam s.u.)
Mit 85% der Erkrankungen fanden sich die meisten Fälle in Afrika; 48% aller Patienten gaben an, keine medikamentöse Prophylaxe durchgeführt zu haben. Von 684 Fällen mit mikroskopisch nachgewiesener Malaria fand sich bei 82,6% der Erreger der relativ gefährlicheren Malaria tropica.  Die gewonnenen Daten erlauben keine individuelle Einschätzung des Risikos einzelner Reisender, aber eine grobe Einschätzung des Malariarisikos bei Personen mit gehobenem Lebensstandard in bestimmten geographischen Regionen. Details wie die genauen Standorte sowie Unterschiede hinsichtlich der Verteilung der Botschaftsangehörigen auf die verschiedenen Gebiete blieben dabei unberücksichtig


Bei Aufenthalten in Regionen Ost-, West- und Zentralafrikas muss auch bei guter und weitgehend “mückensicherer” Unterbringung mit einem Malariarisiko gerechnet werden. Im Einzelnen kann die Malariagefahr im Zuge jahreszeitlicher Unterschiede (Regenzeit/Trockenzeit) schwanken. Daher wird bei entsprechenden Aufenthalten in der Regel neben konsequentem Mückenschutz auch eine medikamentöse Malariaprophylaxe empfohlen.

Wissenschaftler des Pasteur Instituts in Paris entdeckten im westafrikanischen Burkina Faso einen neuen Moskitotyp. Vorausgegangen waren vier Jahre intensiver Arbeit. Unzählige Moskitolarven, die aus Gewässern in der Nähe von Dörfern gewonnen worden waren, wurden biologisch klassifiziert. Das neu entdeckte Insekt gehört zur Gruppe der Anopheles gambiae, also zu jener Gruppe von Mücken, die die bedeutendsten Malariaüberträger in Afrika sind. Die neuen Moskitos unterscheiden sich jedoch vom Rest der Familie darin, dass sie - unter Laborbedingungen - den Malariaerreger leichter aufnehmen als andere Moskitos, wenn sie einen Infizierten gestochen haben. Ob die Mücken auch in freier Wildbahn genauso empfänglich für den Malariaparasiten sind wie im Labor, bleibt abzuwarten. Die Mücken-Spezies findet sich nicht in direkter Nähe der Häuser, sondern in der Umgebung der Dörfer. Dies ist auch der Grund, warum die Unterart so lange unentdeckt geblieben ist. Die Forscher hatten größtenteils die Moskitopopulationen in unmittelbarer Nähe der Häuser untersucht. Um Malaria wirkungsvoll eindämmen zu können, ist es wichtig, die Eigenschaften der unterschiedlichen Überträgermücken zu kennen. Ansonsten sind Misserfolge vorprogrammiert, beispielsweise hat der massive Einsatz von Insektiziden in der unmittelbaren Umgebung der Häuser, nur einen geringen Effekt auf die Erkrankungsrate der Dorfbevölkerung, wenn der Hauptüberträger seine Brutstätten „vor den Toren“ besitzt. Im Gegensatz zu einem massiven häuslichen Pestizideinsatz ist die Verwendung von Moskitonetzen sinnvoll, da die neu entdeckten Moskitos zwar ihre Brutstätten an anderer Stelle haben, sie abends und nachts jedoch in die Dörfer hinein fliegen. Transgene Mücken


In den Regionen Süd- und Südostasiens liegt das Malariarisiko unter Bedingungen eines gehobenen westlichen Lebensstandards um Größenordnungen niedriger als unter vergleichbaren Bedingungen im tropischen Afrika. Außerdem findet sich ein deutlich geringerer Anteil an der potenziell lebensgefährlichen Malaria tropica. Andererseits sind die üblicherweise zur Prophylaxe und (Notfall)therapie verwendeten Malariamedikamente bei den anderen Malariaformen (besonders bei Malaria tertiana) weniger effektiv; hier ist meist eine abschließende Behandlung mit dem Medikament Primaquin erforderlich, um den Erreger vollständig aus dem Körper zu beseitigen.

Auch können längere Inkubationszeiten und unklare Krankheitszeichen die Diagnostik einer Malaria tertiana erschweren. Ferner bestätigen die aktuellen Daten, diejenigen Ergebnisse früherer Untersuchungen, die zeigen, dass in weiten Teilen Südamerikas ein nur äußerst geringes Malariarisiko besteht. Hier, wie auch in weiten Teilen Südostasiens, muss vor allem in städtischen Gebieten eher mit einem Denguefieber gerechnet werden als mit einer Malariaerkrankung.

Fazit
Vor jeder Reise in die Tropen oder Subtropen kann eine ärztliche Beratung helfen, sich auf angemessene Weise zu schützen und dabei sowohl übertriebene Maßnahmen (Tabletteneinnahme in malariafreien Gebieten) als auch unnötige Risiken (Bereisen von Gebieten mit hohem Risiko ohne Schutz) zu vermeiden.


Quellen


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MG, HEF, 30.11.2012



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