Fachinformationen - Therapie: Strahlenbelastung


Iatrogene Strahlendosis

Als iatrogen (Altgriechisch: vom Arzt erzeugt) werden Krankheitsbilder bezeichnet, die durch ärztliche Maßnahmen verursacht wurden. Und zwar unabhängig davon, ob sie nach Stand der ärztlichen Kunst vermeidbar oder unvermeidbar waren. Jede Wirkung ärztlichen Handelns, insbesondere auch die Heilung, ist iatrogen.

Die Anwendung von Strahlen kann sowohl aus diagnostischen als auch therapeutischen Gründen sinnvoll sein.

Eine übersichtlicher Vergleich der Strahlendosen unterschiedlicher Untersuchungen wurde im British Medical Journal veröffentlicht (Davies 2011). Danach liegen die Strahlendosen einer Mammographie, eines Hirn-CT oder einer CT-Angiographie jeweils um die Faktoren 20, 100 und 800  höher als bei einer Übersichtsaufnahme der Lunge.

Das Risiko der Entwicklung von Krebs sei bei diesen Beträgen iatrogener Strahlung relativ klein: die Autoren schätzen, dass in Großbritannien dadurch 800 Krebserkrankungen pro Jahr bei Männern und 1.300 bei Frauen verursacht werden.

Für Patienten, die wiederholte radiologische Untersuchung benötigen und für schwangere Frauen und Kinder, können die Risiken erheblich erhöht sein. Diese Risiken sind kaum erforscht. Die Autoren fordern, dass die einzelne und angesammelten Strahlungsdosen für jeden Patienten in einer Einrichtung berechnet und dokumentiert werden, und dass unnötige Untersuchungen vermieden werden sollten. Sie schätzen, dass z.Z. etwa 30% der CT Untersuchungen unnötig seien. Alternativ könnten in vielen Fällen Techniken mit fehlender oder ggf. nur schwacher Strahlung genutzt werden (Ultraschall, Magnet Resonanz Scan, Verfahren mit geringer Belichtungszeit).

Ärzte müssen ihre Patienten offen aufklären, auch auf die Gefahr hin, dass diese dann einer vorgeschlagenen Untersuchung nicht mehr zustimmen. Den meisten Patienten sind die Strahlendosen, die sie durch unterschiedliche Röntgenuntersuchungen angesammelt haben (kumulative Dosis), nicht bekannt. Es wäre daher sinnvoll, Patienten, die häufiger Untersuchungen ausgesetzt sind, mit einem Strahlenpass auszustatten (Broadley 2011). Schwierige Entscheidungen, z.B. "hohe kumulative Dosis und Dringlichkeit der Untersuchnung", sollten in einem multidisziplinär zusammengesetzen Team und mit dem Patienten besprochen werden.

Hinweis für Reisende

Wenn Sorgen bestehen, ob die radioaktive Belastung durch die Umwelt (wie z.Z. in Nord-Japan) hoch sein könnte, sollten zusätzliche Strahlendosen möglichst gering gehalten werden, sofern das möglich ist.

Oft ist eine ausreichende Aufklärung von Patienten zum Beispiel bei Sprachschwierigkeiten nicht realisierbar. Oder es bestehen Zweifel an der Qualität der medizinischen Einrichtung. In solchen Fällen sollte - sofern keine Lebensgefahr besteht - vor radiologischen Untersuchungen unbedingt eine ärztliche Zweitmeinung eingeholt werden. Die meisten Reiseversicherer verfügen über ein 24-Stunden Beratungshotline, die in solchen Situationen in Anspruch genommen werden sollte.

Jodtabletten für Reisende in der Umgebung von Reaktorstörfällen?

Quantitative Daten zu den Folgen langer Niedrigdosisbestrahlung während der Schwangerschaft und bei klienen Kindern  fehlen und die betroffenen Frauen sind in großer Sorge. Psychischer Stress allein hat, vielfach nachgewiesen, nachteilige Auswirkungen auf den Schwangerschaftsverlauf und die Gesundheit von Ungebornenen und Neugeborenen. Die Betroffenen und auch deren Ärzte fühlen sich angesichts verlässlicher meist Daten hilflos. (Takahashi 2011)

Reisende (insb. Schwangere und Kleinkinder) sollten Regionen, die von radioaktiven Emissionen betroffen werden können, meiden.

Strahlenschutz und Kernenergie

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Literatur

RMZ, 03.08.2012



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