Fachinformationen - Transgene Organismen (GMOs)


Gentechnisch veränderte Organismen (GMO)

Wird das Erbgut eines Lebewesens auf eine Weise verändert, wie es auf natürlichem Weg (Fortpflanzung, spontane genetische Veränderungen oder natürlicher Austausch von Erbinformation) nicht geschieht, so spricht man von „Genetically modified organisms“ (GMO).

Die Erwartungen, die mit der Entwicklung von GMO verbunden sind, betreffen vor allem drei Aspekte

Nur wenige GMO haben tatsächlich eine Marktreife erreicht. Ursachen:

Stärke aus genverändertem Mais und Lezithin aus genverändertem Soja werden kommerziell vermarktet. Hohe Zuwachsraten finden sich auch beim Verkauf gentechnisch veränderten Saatguts. Besonders die USA und Argentinien, zunehmend auch Brasilien, haben ihre Landwirtschaft entsprechend umgestellt, etwa 80% der Agrarfläche beider Länder wird mit GMO-Saatgut bewirtschaftet. Ungefähr 32 Mio. Tonnen der jährlich produzierten Nahrungsmittel basieren auf genetisch-veränderten Pflanzen. Bei den etwa sechs Mio. Farmen, die im Jahr 2002 GMO-Saatgut verwendeten, handelt es sich jedoch überwiegend um kleine, wirtschaftlich schwache Betriebe.

Die Medizinethikerin Kristina Hug erörterte in ihrer 2008 erschienen Arbeit die Vor- und Nachteile von GMO in den verschiedenen Anwendungsbereichen:

Produktion „essbarer Impfstoffe“ und Medikamente

Tatsächlich ist es möglich, wirksame Impfstoffbestandteile (Antigene) so abzuändern, dass sie über den Verdauungstrakt eine Schutzwirkung entfalten, also nicht mittels einer Spritze verabreicht werden brauchen. Zum anderen können genetisch veränderte Organismen erzeugt werden, die genau dieses unempfindliche Impfantigen in ihrem Innern synthetisieren. So wäre die Entwicklung einer „Impfbanane“ oder von „Impfmilch“ keine Utopie. Es existiert bereits eine genetisch-veränderte Kartoffel, die eine geringe Menge Choleratoxin enthält und als essbarer Impfstoff verwendet werden könnte. Eine kommerzielle Nutzung dürfte bis auf Weiteres jedoch nicht auf der Agenda stehen. Vor- und Nachteile „essbarer Impfstoffe“ kann man sich wie folgt vorstellen.

Vorteile

Nachteile

Verbesserung der Qualität regionaler Nahrungsmittel

Pflanzen, die gezielt genetisch an die Boden- und Klimabedingungen von Entwicklungsländern angepasst würden, könnten die Qualität regionaler Produkte verbessern. Jedoch variieren die Bodenbedingungen allein schon auf dem afrikanischen Kontinent erheblich, so dass eine „maßgeschneiderte Lösung“ wenig wahrscheinlich ist. Nicht nur Qualitätsverbesserungen sondern auch Verschlechterungen wären bei der Einführung von GMO-Pflanzen möglich. So könnte es auf bestimmten Böden zu einer unvorteilhafte Veränderung des Gehalts an Nährstoffen, Vitaminen, Spurenelementen, Antioxidantien kommen. Insgesamt könnte bei Verdrängung regionaler Arten die Abhängigkeit von exportiertem Saatgut erheblich zunehmen. Auch der "Zwang" regelmäßig auf teurere "GMO-Update-Versionen" umrüsten zu müssen, könnte Landwirten in Zukunft genauso vertraut werden wie Computer-Nutzern.

Einsparung von Pestiziden

Pflanzen können durch gentechnische Maßnahmen weniger anfällig für Schädlinge werden. Hierdurch ließe sich eine Einsparung an Pestiziden erzielen. Damit könnten Kosten gespart und die Umwelt geschont werden. Dies kann jedoch selbst im besten Fall nur eine graduelle Einsparung sein. Auch lässt sich nicht vorhersagen, ob die Pflanzen hierdurch anfälliger für andere Schädlinge oder Erkrankungen werden. Auch eine Anpassung vorhandener Schädlinge an die genmanipulierten Pflanzen wäre denkbar, ein Wettrüsten ähnlich wie bei unseren Antivirus-Computerprogrammen. Die Schädlinge gewöhnen sich an die veränderten Pflanzen, darauf hin müssten die gentechnischen Veränderungen wieder "upgedated" werden.

Anwendung von GMO in der Medizin

Durch genetische Veränderungen könnten Viren eine erhöhte Affinität gegenüber Krebszellen entwickeln, zum Beispiel dadurch, dass sie an bestimmten Rezeptoren andocken, die auf gesunden Zellen nicht zu finden sind. Die Unterschiede zwischen einer gesunden Zelle und einer Tumorzelle sind jedoch nur graduell. Wie bei den herkömmlichen Krebstherapien würde alles was eine Krebszelle schädigt ebenso (in hoffentlich geringerem Ausmaß) auch gesunde Körperzellen schädigen. Zusätzlich wäre genau wie bei konventioneller Chemotherapie mit einer Resistenzentwicklung zu rechnen. Die Population der Krebszellen, die den entsprechenden Rezeptor tragen, würde bei Erfolg der Therapie zunehmend ausgedünnt, was denjenigen Krebszellen, die weniger oder gar keine Rezeptoren tragen, bessere Wachstumsbedingungen erlaubt (Selektion resistenter Tumorzellen). Ein Eindringen der Viren in gesunde Körperzellen und deren Schädigung ließe sich ebenfalls nicht hundertprozentig ausschließen. Ob zumindest in Kombination mit Chemo- und Strahlentherapie ein Nutzen für den Patienten erzielt würde, ist aus heutiger Sicht ungewiss.

Bioremiditoren

Genetisch veränderte Organismen können genutzt werden, um chemische Rückstände oder biologische Abfälle abzubauen. Algen können „lernen“, giftige Schwermetalle aufzunehmen, der entstehende Algenteppich ließe sich dann – so die Vorstellung der Erfinder- abschöpfen und entsorgen. So wurde die gelbe Algen-Art Liriodendron tulipifera mit Einfügung des Enzyms Quecksilberreduktase befähigt, Quecksilber in relativ ungefährlicher Form zu speichern.

Risiken von GMO

Biologische Systeme können nicht einfach als die Summe ihrer Bestandteile verstanden werden, es handelt sich um eine Vielzahl von Prozessen innerhalb eines Ganzen. Das Ganze kann nicht gesehen werden ohne die Wechselwirkungen der einzelnen Teile miteinander zu verstehen. Von dieser Sichtweise her können bereits minimale Änderungen in der Erbsubstanz schweren Störungen im Gesamtsystem zur Folge haben. (Grisolia 2005). Relativ einfache Interventionen in komplexe Systeme können trotz angestrebter Problemlösung langfristig zu völlig unerwarteten neuen Problemen führen, deren Ausmaß das der ursprünglichen Probleme bei weiten überschreitet:

Kristina Hug fasst in ihrer Arbeit von 2008 die wichtigsten Risiken zusammen, die von GMO ausgehen könnten.

Mögliche Gesundheitrisiken

Die Einschätzung, ob langfristige, möglicherweise negative Auswirkungen mit der Anwendung von GMOs verbunden sein könnten, wird von den GMO-Herstellern meist negiert, ohne dass dies konsequent  untersucht worden wäre. (Séralini 2009) Das Risiko negativer Effekte durch einen horizontalen Genaustausch zwischen GMO und Körperzellen wird derzeit als sehr gering eingestuft (Keese 2008), was nicht heißt, dass es sich ausschließen ließe.

Risiken für die Umwelt

Zum Teil fehlen die Technologien, um den Weg von rekombinierten DNA-Molekülen in der Umwelt überhaupt nachverfolgen zu können. (Nielsen 2007)

Vergrößerung des sozialen Ungleichgewichts

Wichtig zur Einschätzung möglicher Nachteile der GMO-Technologie ist die Verfügbarkeit von Daten. (Craig 2007) Es muss reichlich und unabhängig von GMO-Herstellern geforscht und publiziert werden.
 
Fazit

Der Verkauf punktueller Antworten auf komplexe Probleme ist eine unerschöpfliche Einnahmequelle. Eines Tages könnten wir dann auf GMO angewiesen sein, die Probleme zu lösen, die es ohne sie nie gegeben hätte.

Literatur

Weiter

Link


 

MG, HEF, 08.08.2012



Drucken

Zur Website www.gesundes-reisen.de