Reiseinformationen - Medikamente: Antibiotika-Verordnungen


Antibiotika werden auch bei banalen Gesundheitsstörungen verschrieben.

Die Gründe dafür können sein:

Es ist möglich, dass hoch-wirksame Substanzen häufig mit dem Ziel verordnet werden, um durch Täuschung des Patienten eine nicht-spezifische Wirkung auszulösen (Hróbjartsson 2003). Bei milden Verläufen von Atemwegsinfektionen bieten solche Antibiotikabehandlungen, gegenüber Medikamenten, die nichts enthalten, keinen Vorteil  (Hazir 2011).  

Dagegen richten die unnötigen Verordnungen Schaden an:

Weltweit nehmen Antibiotikaresistenzen bei Bakterien zu. Insbesondere ein neues "mobiles" Resistenzgen (Plasmid), das Darmbakterien untereinander austauschen können, bereitet große Sorge. Bakterien, die dieses aus Neu-Dehli stammende Reistenz-Gen tragen sind gegen nahezu alle Antibiotikagruppen resistent.

Vermeidung unnötiger Verschreibungen

Frankreich führte im Jahr 2002 eine Kampagne zur Reduzierung unnötiger Antibiotikaverordnungen ein. Ziel war es die Verschreibungen innerhalb von fünf Jahren um 25 Prozent zu reduzieren. Die Ergebnisse zeigten eine deutliche Verringerung (26,5 Prozent) von unnötigen Antibiotika-Verschreibungen, insbesondere bei Kindern. Jedoch ist Frankreich zehn Jahre nach der Intervention immer noch eines der Länder mit dem höchsten Konsum von Antibiotika in Europa. Zwischen den Jahren 2008 und 2009 kam es wieder zu einem  Anstieg der Verordnungen um durchschnittlich vier Prozent (höher in den Wintermonaten).

Auch in Deutschland liegen Antibiotika-Verschreibungsraten nach wissenschaftlichen Standards zu hoch (Stock 2008). Ein nicht erheblicher Teil der unnötigen Antibiotika-Verordnungenscheint mit ungenügender Arzt-Patienten-Kommunikation assoziiert zu sein. Im Rahmen einer Interventionsstudie („CHANGE") wurde versucht, die Antibiotika-Verordnungen von Hausärzten bei akutem Husten durch eine Intervention zu senken. Noch ein Jahr nach der Intervention konnte eine Verminderung der Antibiotikaverordnungen von rund 40% in der Interventionsgruppe beobachtet werden.

Pseudo-Plazeboverordnungen sind nicht gerechtfertigt

Ob etwas nicht-spezifisch oder spezifisch wirkt, hängt von der Art subjektiver Beobachtung und Anwendung ab: Ein „spezifisches“ Antibiotikum wirkt bei Schnupfen nicht-spezifisch. Die Erkenntnis der Physik, jede wissenschaftliche Beobachtung sei abhängig vom Beobachter, betrifft auch die Medizin.

Die Bundesärztekammer nimmt nicht-spezifische, indirekte Wirkungen (und ihre ggf. unerwarteten, komplexen Folgen) bei ärztlichen Interventionen oder pharmakologischen Therapien in ihrer Bedeutung ernst (Dt. Ärzteblatt 2010). Die Arbeitsgruppe der Ärztekammer glaubt eine Pseudo-Plazeboanwendung könne unter bestimmten Voraussetzungen vertretbar sein. Andere Wissenschaftler halten das für unnötig und unprofessionell (Hróbjartsson 2008).

Eine Täuschung von Patienten widerspricht dem ärztlichem Ethos. Da jede medizinische Intervention hinsichtlich ihrer Vorteile und ihrer Risiken überprüft werden sollte, muss es einen nachweisbaren Nutzen nicht-spezifischer und ggf. spezifischer Wirkungen zum Wohl des Patienten geben, was sich z.B. an der Einsparung von Folgekosten messen läßt. Angesichts von Trends zur Kommerzialisierung im Gesundheitswesens werden Konzepte zu einer besseren Kontrolle und Qualitätssicherung immer wichtiger.

Weitere Informationen

Quellen:

 

HEF, MG, 17.10.2012



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