Fachinformationen - Bluttransfusionen
Blut, Blutprodukte, Injektionen
Das Risiko der Übertragung von HIV und anderen Infektionen durch das Gesundheitswesen in Reiseländern ist höher als in Europa, aber nicht generell einschätzbar. Bluttransfusionen bringen generell erhebliche Risiken mit sich:
- Wenn das Blut des Spenders mit dem des Empfängers unverträglich ist, kann es zu starken Abstoßungsreaktionen kommen. Blutbanken kontrollieren die Blutgruppen von Spendern und Empfängern sehr genau, dennoch sind auch bei sorgfältigem Vorgehen Unverträglichkeitsrisiken nie völlig auszuschließen.
- Der Kreislauf, insbesondere bei kleinen Kindern oder bei Patienten mit geschwächtem Herz, kann durch ein großes Volumen an Fremdeiweiß, das nicht sofort ausgeschieden wird, überlastet werden oder gar versagen.
- Durch Blutzellen oder das sie umgebende Serum können Krankheitserreger übertragen werden. Es gehört zum Standard einer europäischen Blutbank, Spender sorgfältig auszuwählen und zusätzlich hinsichtlich der wesentlichen Infektionskrankheiten wie HIV Tests durchzuführen. Ein Spender kann sich aber in der Anfangsphase einer Infektion befinden, bei der Tests noch negativ ausfallen, oder seltene oder bisher noch unbekannte Erreger in sich tragen.
Die genannten Risiken sind in Entwicklungsländern deutlich ausgeprägter, weil
- international verbindliche Standards medizinischer Qualität oft nicht zur Anwendung kommen
- ein Mangel an Spendern besteht, so dass sich die Auswahl weniger kritisch gestaltet
- das Risiko von Infektionen bei Spendern (HIV, Hepatitis B/C/D/G, Malaria, tropische Viren u.a.) deutlich höher liegt als in Europa. (In vielen Ländern geht weiterhin eine große Zahl der HIV(AIDS)-Infektionen auf unsaubere medizinisches Material und Bluttransfusionen zurück).
Die meisten Viren, auch HIV, werden bei einfachen Sterilisationen oder längerer Luftexposition zerstört. Bakterien sind meist stabiler. Einige Viren sind ebenfalls widerstandsfähig, z.B. Hepatitis-Viren (B/C/D/G). Hepatitis B ist in Südostasien und Afrika sehr verbreitet, und ist sehr viel umweltresistenter als HIV: Es kann an der Luft länger überleben. Hepatitis C wird fast nur durch Blutkontakte übertragen.
Bluttransfusionen sind sehr effektiv hinsichtlich der Übertragung von Infektionen, aber auch einfache Injektionen, wie Tetanus-Impfungen in Afrika oder medizinische Eingriffe in Indien u.a. können erhebliche HIV-Übertragungsrisken mit sich bringen (siehe umfangreiche Literaturliste). Dies ist zwar seit 1990 bekannt, die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis werden aber weiterhin leidenschaftlich diskutiert, da sie für nationale und internationale Organisationen erhebliche ökonomische und politische Auswirkungen mit sich brächten, um
- den Gesundheitssektor zu sanieren,
- dort, wo sich „Gesundheits“- als „Krankheitsposten“ erweisen, diese auch zu schließen,
- Impfkampagnen nur durchzuführen, wenn die Qualität von Personal und Material tatsächlich gesichert ist, und
- in jedem Fall Patienten darin zu schulen, Qualität und Risiken im Gesundheitsmarkt erkennen und unterscheiden zu lernen.
Wie häufig Personen in Entwicklungsländern durch unsauberes medizinisches Material infiziert werden, ist bisher nicht sicher untersucht. Bisherige Studien gehen von einem besonders hohen Anteil in Afrika aus, und es wird daher gefordert Untersuchungen zur Art der Infektionsursachen (tracing) zu finanzieren. (Gisselquist 2009)
Hinweise für Reisende
Wenn Behandlungen lebensgefährlicher Verletzungen unaufschiebbar sind, muss man mit dem vorlieb nehmen, was es gibt. Auch eine Kopfplatzwunde muss vernünftig versorgt werden. Aber Kopfplatzwunden mit glatten Rändern können auch mit speziellen Klebestreifen, sog. "Steri-Strips" versorgt werden. Das Ergebnis ist oft sogar besser als eine Naht. Solche Strips kann man mitnehmen, die Entscheidung ob genäht oder geklebt wird, muss aber ein Arzt, ggf. in der nächsten größeren Stadt, treffen.
Zur Stabilisierung von Herz- und Kreislauffunktion sind Transfusionen nicht zwingend erforderlich, wenn alternative Blutersatzmittel verfügbar sind. Ist dies der Fall, kann bei Schwerverletzten ein Transport in die nächstgelegene, qualitätsgesicherte Klinik erwogen werden.
Blut und Blutprodukte sollten also im Zweifel nicht zur Anwendung kommen, und ggf. nur dann, wenn eine akute Lebensgefahr besteht. Wenn ein Patient es sich überlegen kann, ob er eine Transfusion benötigt oder nicht, braucht er in der Regel keine, oder umgekehrt, wenn er nicht gefragt werden kann, weil er im Koma liegt, kann sie bei qualifizierten Ärzten zur Lebensrettung notwendig sein, aber dann auch unabhängig von den o.g. Risiken.
Die Mitnahme von Spritzen und Injektionsnadeln macht wenig Sinn und bereitet unter Umständen Ärger, da Drogenmissbrauch unterstellt werden kann.
In Ländern mit unzureichender medizinischer Versorgung ist es ratsam, dem Gesundheitswesen besonders kritisch und zurückhaltend gegenüberzutreten. Wenn aber die Notwendigkeit einer medizinischen Behandlung keinen Zeitverzug zulässt (Malariaverdacht, Biss eines möglicherweise Tollwut-infizierten Tieres), sollte die Reise unverzüglich in Richtung der nächsten größeren Stadt geändert werden. Im Zweifel kann man sich an Botschaften wenden, die in der Regel über eine Liste ihrer Referenzärzte verfügen.
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Web
HEF, 14.07.2010