Reiseinformationen - Angstbotschaft Teil 1


Teil 1/2 (Teil 2)

Das Auslösung von Angst ist eine der wirksamsten Maßnamhen, um menschliches Verhalten zu beeinflussen.

Marketing bestimmter Produkte scheint besonders wirksam zu sein, wenn zuerst Angst ausgelöst wird. Der Verunsicherung durch eine Schreckensmeldung folgt dann das Angebot einer Lösung, deren Kauf das unangenehme Gefühl sicher beseitigen wird. Auch bei der gesundheitsbezogenen Beeinflussung von Verhalten (Prävention), wird häufig Angstauslösung als Mittel eingesetzt, um starke Gefühle hervorzurufen: zum Beispiel bei Kampagnen zur Verkehrssicherheit, zur Drogenprävention oder bei der Aufklärung über sexuell übertragbare Erkrankungen.

Was ist Angst?

Ein Gefühl!

Und was ist ein Gefühl ... ?

Säugetiere streben nach einem Gefühl von "Sicherheit", das es ihnen ermöglicht, geborgen und frei von Fressfeinden mit ihren Artgenossen zu kommunizieren oder ihren Nachwuchs zu stillen. Ein friedvoll vertrautes Piepsen, kuschelige Wärme und das Anlehnen an feste Höhlenwände vermitteln einer Mausfamilie den Glauben, dass eine Katze diese Ruhe nicht stören werde. Das Bedürfnis an diese Planbarkeit der eigenen winzigen Welt glauben zu können, ist Säugetieren fast ebenso wichtig wie Wasser, Nahrung oder Luft..

"Sicherheit" bedeutet ihnen dabei keinesfalls, dass es tatsächlich sicher ist, sondern eine Vorstellung, dass die nahe Zukunft wenig Risiken bieten werde, und dass der Erfüllung anderer Bedürfnisse wenig im Wege zu stehen scheint. Damit sich eine solche Vorstellung entwickeln kann, muss zunächst Vertrauen entstehen, in die eigene Leistungsfähigkeit oder in die Kraft der Mama, des großen Bruders oder des Alphatieres. Die Herstellung solcher innerer Zustände ist nötig, um beliebige Handlungsmuster in geeignete vorgeprägte Bahnen zu lenken. Gefühle erinnern deshalb an Macros, die anderen Eingabmöglichkeiten einer Software einen passenden Handlungsrahmen aufzwingen. (Dörner 2002, Stephan 2004)

Das Sicherheitsgefühl entsteht, wenn alle Informationen, die auf ein Wesen einströmen, zueinander passen und das günstige Gesamtbild ergeben: "Es wird gut sein!" Informationen werden also nicht nur eingefüllt, sondern bearbeitet, bewertet und mit Erinnerungen an Erfahrungen verglichen, bevor das Gesamtbild des Gefühls auftaucht. Babies können das noch nicht, sie brauchen einiges an Training bis sie damit beginnen zu "fremdeln" .

Ändert sich der innere Zustand der Sicherheitsvermutung, weil neue und noch völlig unklare Informationen dazu nicht passen, zum Beispiel, wenn ein Gärtner seinen Spaten in der Nähe der Behausung in den Boden rammt, dann ist es mit der Ruhe der Mausfamilie dahin. Das Hirn wird mit einem neuen Macro überflutet: Angst. Was ist das?

Die Unterbrechung des Handlungsablaufes erfolgt schneller als Bewusstsein analysieren kann. Der Körper wird vorbeugend in Alarmbereitschaft versetzt, damit möglichst viele Handlungsoptionen möglich sind. Und das Weitere ergibt sich, je nachdem wie schnell sich die neuen Informationen zu einem Gesamtbild einordnen lassen und wie kompetent für den Umgang mit einer neuen Situation sich ein geängstigtes Tier oder ein Mensch fühlt. Für den Wanderer könnte das Angstsignal ein Wegweiser sein, um sich etwas Neuem, Unbekannten vorsichtig zu nähern und es genauer zu untersuchen. Angst führt also im idealen Fall zum langsamen Aufbau eines neuen Sicherheitsgefühls in dem Neugier, Exploration und Kompetenzerwerb möglich ist. Oder die Informationen bleiben verwirrend und die eigenen Fähigkeiten werden schnell in Zweifel gezogen, dann nichts wie weg oder so tun als sei man stark.

Angst-Information

Bewusst eingesetzte Angst aus Gründen der Vorbeugung oder des Marketing konfrontiert Menschen mit den negativen Konsequenzen ihres gegenwärtigen Verhaltens oder zeigt ihnen Risiken, die sie bisher nicht wahrgenommen hatten. Damit wird zunächst zweierlei erreicht:

Angst löst die Stressreaktion aus, bei der das Gehirn mit Botenstoffen überschwemmt wird, die ein Lernen, die Verknüpfung neuer Informationen zu neuen sinnvollen Zusammenhängen, verhindern: "Jetzt muss eine Lösung her, sofort".  Deshalb können Kinder, die Angst vor einem schlechten Ergebnis haben in solchen Situationen nichts lernen, schon gar nichts Neues verstehen oder länger behalten. Sie wollen und müssen zunächst wieder in eine Situation kommen, die ihnen Sicherheit vermittelt. Das kann prinzipiell in zwei Richtungen geschehen:

Genau das geschieht bei Angstbotschaften, deren Auswirkungen im Straßenverkehr untersucht wurden (SWOV 2010):

In den Niederlanden wird daher zur Vermeidung von Verkehrsunfällen mit Botschaften gearbeitet, die andere Gefühle ansprechen, um langfristiges Lernen anzuregen:

 

Teil 2

 

HEF, MG, 17.10.2012



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