Reiseinformationen - Lindanvergiftungen in Nigeria (2011)


Aus dem Osten Nigerias wurden im März 2011 mehr als 300 Todesfälle gemeldet. Was man zuerst für eine Cholera-Epidemie hielt, könnte eine Massenvergiftung mit organischen Chlorverbindungen sein. In erheblichen Mengen könnte „Gammalin 20“ ins Flusswasser gelangt sein, das die Bevölkerung als Trinkwasser nutzt. Das Insektizid, welches als wirksamen Bestandteil Lindan (gamma-Hexachlorcyclohexan) enthält, kann illegal für den Fischfang eingesetzt werden. Zahlreiche Flussläufe im Norden des östlichen Bundesstaates Adamawa sind betroffen, vor allem die Gebiete Michika, Madagali, Mubi Nord, Mubi Süd und Maiha. Inzwischen haben die dortigen Gesundheitsbehörden begonnen, die Bevölkerung mit Wasser zu versorgen.

Bei Lindan handelt es sich um eine weiße Substanz mit moderigem Geruch, die an der Luft allmählich verdunstet. Eine Vergiftung mit Lindan ist über die folgenden Wege möglich, über

Lindan blockiert den Neurotransmitter GABA, ist also u.a. ein Neurotoxin.

Eine Vergiftung geht mit folgenden Gesundheitsproblemen einher

Eine Aufnahme von 28 g Lindan kann beim Erwachsenen zum Tode führen. Bei Kindern ist eventuell bereits ein Bruchteil dieser Menge tödlich.  Anders als das berüchtigte Insektizid DDT wird Lindan weniger lang im Fettgewebe gespeichert, sondern schließlich mit dem Urin ausgeschieden. Die Ausscheidung erfolgt in erster Linie über die Nieren, aber in geringerem Maße auch über den Stuhl und die ausgeatmete Luft.

Es bleiben noch viele Fragen ungeklärt. Noch ist nämlich unklar, in wie weit die gemeldeten Todesfälle in Nigeria ausschließlich Lindan-bedingt sind, oder ob nicht vielleicht noch andere Ursachen vorliegen. Auch die Vergiftungsquelle ist noch nicht hinreichend geklärt. Um tödliche Vergiftungen auslösen zu können, müsste Lindan in gewaltigen Mengen in das Wasser gelangt sein. Fraglich ist, ob dies im Rahmen illegalen Fischfanges geschehen sein könnte.


Weitere Informationen:

 

MG, 08.08.2012



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