Reiseinformationen - Tuberkuloserisiko und Reise


Tuberkulose in Reiseländern

Weltweit leiden wahrscheinlich mehr als zwei Mrd. Menschen an Tuberkulose. Jedes Jahr gehen schätzungsweise 1,7 Mio. Todesfälle auf das Konto dieser Krankheit, bei jährlich mehr als 9 Mio. Neuinfektionen. Besonders hohe Infektionsraten werden in Afrika und Südostasien gefunden.

Eine Zunahme von Tuberkulosefällen und Verschlechterung der Wirksamkeit von Tuberkulosemedikamenten (Erregerresistenzen) findet sich oft im Gefolge einer HIV-Epidemie und/oder desolaten sozialen Bedingungen. Tuberkulose steht seit jeher im Zusammenhang mit Armut, Unterernährung, Suchtverhalten (Alkohol), Verstädterung, Unterbringung vieler Menschen auf engem Raum und fehlendem Zugang zu einer angemessenen medizinischen Versorgung.

Die Gesundheitssysteme vieler Länder sind überfordert damit, die vorhandenen Tuberkulosefälle richtig zu diagnostizieren, zu isolieren und zu behandeln. Tuberkulosekranke werden oft falsch oder unzureichend behandelt, was einer Resistenzentwicklung Vorschub leistet. Eine wirksame Eindämmung der Tuberkulose geht weit über die bloße Versorgung mit Medikamenten hinaus. Gleichzeitig sind in verschiedenen Bereichen Anstrengungen nötig:

Für Reisende ist das Tuberkuloserisiko gering, es kann jedoch schwanken, abhängig vom Reisestil und von der Dauer des Aufenthaltes in einer Umgebung mit hohem Infektionsrisiko (Beispiel: Betreuungseinrichtungen, Umgang mit HIV-Patienten, Obdachlosenversorgung)

 

Länder
In den folgenden Staaten findet sich eine Häufigkeit von mehr als 100 Tuberkulosefällen auf 100.000 Einwohner pro Jahr:

Langzeitaufenthalte
Bei Aufenthalten zwischen drei und zwölf Monaten beschrieben Cobelens und Kollegen 3,5 Infektionen (Kontakt mit dem Erreger, „Konversion“) auf 1.000 Reisende/Monat. Werden Personen mit beruflichem Risiko (z.B. Arbeit oder Praktika in Krankenhäusern) heraus gerechnet, so liegt die Rate immer noch bei 2,8 auf 1.000 Reisende/Monat, bzw. bei 0,6 Fälle aktiver Tuberkulose auf 1.000 Reisende pro Monat. In einer anderen Untersuchung wurden medizinische Daten von US Peace Corps Mitarbeitern ausgewertet. Hier fanden sich geringere Infektionsraten als bei Cobelens, die jedoch immer noch deutlich über den Infektionsraten innerhalb der USA lagen.

Besuch von Freunden und Verwandten
Etwa 25 bis 40% der Reisenden aus Industrieländern, die sich in den Tropen oder Subtropen aufhalten, besuchen ihre Familie oder Freunde. Im Vorfeld solcher Reisen finden seltener reisemedizinische Beratungen statt. Während der Reise kommt es in der Regel zu intensiven Kontakten mit der einheimischen Bevölkerung, oft auch in ländlichen Regionen. Werden Familie oder Freunde besucht, so handelt es sich meist um längere Reisen als bei rein touristischen Aufenthalten. Da hier mehrere Risikofaktoren zusammenkommen, verwundert es nicht, dass Reisende, die ihre Familie in Entwicklungsländern besuchen, etwa 60 mal häufiger von einer aktiven Tuberkulose betroffen sind als Reisende mit rein touristischen Aufenthalten. Auch die Teilnahme an großen religiösen Festen oder kulturellen Veranstaltungen kann das Tuberkuloserisiko erhöhen. So fand sich in Stichproben unter Verwendung eines QuantiFERON(R)-Assays bei 10% der Mekka-Pilger (Hajj) eine latente Tuberkulose. Vor allem bei sehr engen und längeren Kontakten (> 8 Stunden) mit Patienten, die an einer offenen Tuberkulose leiden, besteht ein erhöhtes Ansteckungsrisiko.

Alter
Bei Kontakt mit dem Erreger sind es vor allem Säuglinge und Kleinkinder im Alter unter 4 Jahre bei denen manifeste Erkrankungen beobachtet werden. Ein zweiter Häufigkeitsgipfel findet sich erst im jungen Erwachsenenalter zwischen 20 und 30 Jahren. Bei Personen in hohem Lebensalter ist ebenfalls von einem erhöhten Risiko auszugehen.

Risikofaktoren

Faktoren, die das Risiko für die Entwicklung einer aktiven Tuberkulose erhöhen sind:

Ein weiterer wichtiger Risikofaktor ist eine bestehende HIV-Infektion. Bei über 20% der HIV-Positiven, die innerhalb von drei Monaten während eines Tropenaufenthaltes Fieber entwickelten, konnte eine Tuberkulose nachgewiesen werden.

Schutzmaßnahmen
Spezielle Schutzmaßnahmen sind im Allgemeinen nicht erforderlich. Liegen Risikofaktoren vor oder besteht aufgrund des Reisestils ein erhöhtes Risiko, so sollten die folgenden Punkte beachtet werden:

Reisende, die Tuberkulosemedikamente einnehmen, sollten eine Bescheinigung in englischer Sprache mitführen, dass bei ihnen keine behandlungsbedürftige Tuberkulose vorliegt, bzw. kein Ansteckungsrisiko mehr besteht. Nicht mehr in Deutschland durchgeführt wird die BCG-Impfung gegen Tuberkulose, der Nutzen der Impfung für den einzelnen Reisenden ist sehr begrenzt (effektiver Schutz schwankt zwischen 0 und 80%!). Sie wird auch deshalb nicht mehr angewandt, da sie die Früherkennung einer TB erschweren würde. In Entwicklungsländern wird die BCG-Impfung häufig noch durchgeführt. Da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, ist eine Anwendung bei Immungeschwächten nicht angezeigt.

Fazit
In den meisten Fällen kann das Tuberkuloserisiko auf Reisen vernachlässigt werden. Thematisisert werden sollte Tuberkulose allerdings, sobald ein erhöhtes Risiko aufgrund des individuellen Reisestils und/oder aufgrund vorliegender Grunderkrankungen absehbar ist. Bei einem unklaren Infektgeschehen nach Tropenaufenthalt sollte auch Tuberkulose als mögliche Ursache berücksichtigt werden.

Weiter

Quellen

Weiterführende Literatur

 

MG, HEF, 09.07.2013



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