Fachinformationen - MRSA, Typ "USA300"


MRSA (Multi-Resistenter-Staphylococcus-Aureus), Typ "USA300"

Staphylococcus aureus sind kugelförmige und unbewegliche Bakterien, die fast überall in der Natur vorkommen. Die Bakterien gehören zur Hautflora eines jeden Menschen und besiedeln die oberen Atemwege (Nase), Leistenregion, Rachen, im Dammbereich und sie kommen gelegentlich auch in Wunden, im Urin und Blut vor, ohne bei Gesunden Krankheitserscheinungen auszulösen.

Staphylokokken, die Resistenzen gegen Antibiotika der neuesten Generation entwickelt haben werden MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus oder auch Multi-Resistenter-Staphylococcus-Aureus) oder ORSA (Oxacillin-resistenter Staphylococcus aureus) genannt. Zunehmend von Bedeutung sind heute auch "extended-spectrum-beta- lactamase" bildende gramnegative Stäbchenbakterien (ESBL-Bildner). Bakterien, die Resistenzen entwickelt haben, können für die Betroffenen eine Gefahr darstellen, jedoch führt eine Besiedlung mit resistenten Bakterien nicht häufiger zu Infektionen als bei ihren antibiotikaempfindlichen Verwandten.

MRSA kommen in Einrichtung der stationären Pflege, wie in Krankenhäusern, Altenheimen und Sanatorien vor, da dort häufig Antibiotika verwendet werden und die Bakterien dann gegen diese resistent werden.

Besonders gefährdete Personen sind:

Gesunde Menschen werden nur selten mit MRSA besiedelt.

Symptome einer MRSA-Infektion können sein:

Übertragung:
Die Weitergabe der Keime über die Hände ist der entscheidende Übertragungsweg. MRSA wird nicht durch die Luft auf andere Personen übertragen. Eine Übertragung durch Tröpfchen bei engerem Umgang mit besiedelten Personen ist jedoch möglich.

Maßnahmen:
Wird eine erkrankte oder besiedelte Person in einem Krankenhaus oder in einem Altersheim entdeckt, müssen besondere Hygienemaßnahmen eingehalten werden, um die Bakterien nicht zu anderen Personen weiter zu tragen:

Empfehlung für Patienten auf der Reise oder in Deutschland:
Nach dem Kontakt mit Ärzten, Patienten oder dem Pflegepersonal: Hände waschen!

Besonderheiten des seltenen Erregers caMRSA „USA300“
In den USA wurde ab 2002 in Gruppen männlicher Homosexueller eine Variante des eiterbildenden Bakteriums Staphylococcus aureus registriert, das sich als resistent gegen eine Vielzahl von Antibiotika erwies. Staphylokokken sind normalerweise Teil der natürlichen Keimbesiedlung der Haut. Außerhalb von Krankenhäusern wird Staphylococcus aureus meist durch enge familiäre Kontakte oder sexuell übertragen. Bei dem in den USA nachgewiesenen Erreger fand sich eine Unempfindlichkeit gegen das ansonsten hochwirksame Antibiotikum Methicillin. Eine sorgfältige molekularbiologische Untersuchung des Bakteriums führte zu dessen Klassifizierung als caMRSA (engl. community acquired methicillin resistant Staphylococcus aureus) Typ „USA300“.

Symptome

Der caMRSA „USA300“ Erreger besitzt zusätzliche Eigenschaften, die ein aggressiveres Wachstum im Gewebe begünstigen. Daher werden neben Hautinfektionen auch schwere Infektionen der Lunge und der tieferen Muskelschichten beobachtet. Das Bakterium verursacht ein rasches Absterben (Nekrose) des befallenen Gewebes. Ähnlich schwere Krankheitsverläufe finden sich immer wieder auch im Zusammenhang mit anderen multirestenten Erregern wie E. coli, Enterokokken und Pseudomonas aeruginosa. So verstarb ein erst 20 jähriges Topmodel in Brasilien im Januar 2009  nach anfänglichen Symptomen eines Harnwegsinfektes an den Folgen einer disseminierten Infektion mit multiresistentem Pseudomonas aeruginosa.

Ausbreitung

Während der Erreger anfangs nur bei homosexuellen Männern in Kalifornien gefunden wurde, wurde in einer Studie von Februar 2008 eine Ausbreitung des Bakteriums bis hin zur Ostküste der Vereinigten Staaten festgestellt. Inzwischen wird der Erreger bei 50% der durch Staphylococcus areus hervorgerufenen Haut- und Weichteilinfektionen in den USA nachgewiesen. Generell muss bei MRSA mit einer globalen Verbreitung gerechnet werden. Dies war bei ähnlichen Erregervarianten in der Vergangenheit bereits öfters zu beobachten.

Vorkommen in Deutschland
Erstmals wurde der aktuell beobachtete caMRSA-Stamm auch in Deutschland nachgewiesen. Bei dem betroffenen Patienten handelte es sich um einen homosexuellen Mann aus Köln, der aufgrund einer im Oberbauchbereich lokalisierten gutartigen aber infizierten Talgdrüsengeschwulst (Atherom) behandelt wurde. Der Patient war gleichzeitig HIV-positiv und litt unter dem Vollbild AIDS. Bakteriologische Tests des caMRSA-Erregers ergaben erwartungsgemäß ein breites Spektrum an Antibiotika-Resistenzen. Daraufhin wurde eine Therapie mit dem Breitbandantibiotikum Doxycyclin eingeleitet. Innerhalb von 14 Tagen kam es zur kompletten Ausheilung des Atheroms. Im Anschluss an die Ausheilung erfolgten Kontrolluntersuchungen (Nasenabstriche etc.) bei denen ebenfalls kein Erreger mehr nachgewiesen werden konnte. Inzwischen wurden auch Fälle in Österreich, Dänemark, Italien, Schweiz, Großbritannien, Australien, Japan und Kolumbien nachgewiesen.

Fazit
Bei den Geschlechtskrankheiten Syphilis und Lymphogranuloma venereum wurde in den letzten Jahren eine schnelle Ausbreitung bei homosexuell aktiven Männern innerhalb Europas beobachtet. Bei caMRSA „USA300“ könnte Ähnliches geschehen. Daher sollte bei der Versorgung tiefer Haut-/Weichteilinfektionen in chirurgischen und dermatologischen Praxen stets auch eine mikrobiologische Basisdiagnostik durchgeführt werden. Dies gilt umso mehr für die Wundversorgung in HIV-Ambulanzen. Wird multiresistenter Staphylococcus areus nachgewiesen, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen caMRSA. Eine weitergehende Typisierung der Erreger mittels moderner molekularbiologischer Methoden (Multiplex-PCR) ist in solchen Fällen sinnvoll. Der Einsatz zahlreicher Antibiotika (z.B. Moxifloxacin) bei Haut/Weichteilinfektionen ohne vorangegangene mikrobiologische Diagnostik ist eher kritisch zu sehen. Das Risiko bei Alltagskontakten ist bei Personen mit intakter Immunabwehr sehr gering. Unter Beachtung einfacher Hygienemaßnahmen (Hände waschen) kann auch ein Risiko in der Krankenbetreuung gering gehalten werden.

Quelle und Links (incl. Empfehlungen bei Besiedelung)

 

MG, 02.08.2012



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