Fachinformationen - Leishmaniose


Leishmaniose

Einführung
Die Leishmaniose ist eine parasitäre Infektion, die durch den Stich infizierter weiblicher Schmetterlingsmücken (Phlebotomus sp. und Lutzomyia sp.) übertragen wird. Hunde und Nagetiere sind häufige Erregerreservoirs. Die Erkrankung kommt weltweit in warmen Klimazonen, u.a. im Mittelmeerraum vor.

Erscheinungsformen der Erkrankung

Es sind drei verschiedene klinische Erscheinungsformen der Leishmaniose bekannt: eine kutane Form (nur die Haut betreffend), eine mukokutane Form (die Haut und Schleimhäute betreffend) und eine viszerale Form (die inneren Organe betreffend).
Bei der kutanen Leishmaniose entwickelt sich ein Hautgeschwür im Bereich der Stichstelle. Selten kommt es im Verlauf der Infektion zur Ausbildung von Satellitenherden oder zu einer Ausbreitung entlang der Lymphwege bis in die regionalen Lymphknoten. Eine Infektion kann ohne Erkrankungszeichen verlaufen oder nach ein bis zwölf Wochen zu einer initial knotigen Hautveränderung führen, im Verlauf bildet sich ein Geschwür aus. Dieses ist typischerweise schmerzlos und zeigt meist einen erhabenen Randwall. Die meisten Hautveränderugen heilen spontan unter der Ausbildung einer Narbe ab. In Süd- und Mittelamerika erworbene Infektionen verlaufen häufig aggressiver: Hier ist in der Regel eine medikamentöse Therapie erforderlich. Die mukokutane Form ist durch eine Schleimhautbeteiligung charakterisiert, in der Regel liegen vor dem Schleimhautbefall Hautläsionen vor. Im Verlauf kann es zu schweren Gewebezerstörungen im Nasen-Rachen-Bereich kommen. Eine medikamentöse Therapie ist unverzichtbar. Bei der viszeralen Verlaufsform kommt es drei bis sechs Monate nach dem Stichereignis zu Fieber, Müdigkeit, Schwäche, Blutarmut und einer Vergrößerung der Milz. Zusätzlich können Lymphknotenvergrößerungen und eine Lebervergrößerung auftreten. Es sind jedoch auch Erkrankungen nach mehrere Jahre nach einem Aufenthalt in einem Endemiegebiet beschrieben. Oft wird die richtige Diagnose erst nach längerer Erkrankungsdauer gestellt. Unbehandelt führen die meisten Erkrankungsfälle zum Tod. Eine Behandlung ist sehr langwierig, etwa 15% der Fälle verlaufen trotz Therapie tödlich. Patienten mit einem Immundefekt (angeboren, HIV-Infektion, durch Medikamente wie Cortison oder Chemotherapie) haben ein höheres Risiko an einer viszeralen Form der Leishmaniose zu erkranken: hier treten oft auch schwerere Verläufe auf.

Fälle in Deutschland
Importierte Krankheitsfälle sind in Deutschland selten, im Jahr 2009 wurden insgesamt 22 Fälle registriert. Hierbei handelte es sich in 16 Fällen um die kutane Verlaufsform. Bei 4 Erkrankungen lag eine viszerale Leishmaniose vor.  Die meisten Fälle treten bei Reisenden auf, die mehr als 4 Wochen unterwegs sind. Gelegentlich werden Erkrankungen bei im Ausland lebenden Deutschen und aus Endemiegebieten stammenden Personen gemeldet. Am häufigsten ist in diesen Fällen Südeuropa (besonders Spanien) als Infektionsort eruierbar. Fälle mit Beteiligung der Haut oder Schleimhaut werden meist aus Lateinamerika importiert. Bei Patienten mit viszeraler Verlaufsform liegt nicht selten eine HIV-Infektion als Grunderkrankung vor.

Therapie
Die kutane Leishmaniose wird entweder topisch mit Paromomycin/Methylbenzethoniumchlorid oder mittels periläsional applizierter Antimonpräparate behandelt. Auch Kryotherapie ist möglich. Die viszerale Manifestation wird mit liposomalem Amphotericin B behandelt. Als Mittel der zweiten Wahl gilt Miltefosin. Auch systemisch verabreichte fünfwertige Antimonpräparate haben weiterhin einen Stellenwert, zum Beispiel bei der Behandlung der mukokutanen Leishmaniose.

Prävention
Ein kommerziell verfügbarer Impfstoff gegen Leishmaniose existiert noch nicht, jedoch wird an entsprechenden Impfstoffen gearbeitet. Vorbeugende Maßnahmen bestehen in der Vermeidung von Stichen durch Schmetterlingsmücken. Diese sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Bei Aufenthalten im Freien sollte auf lange, am besten zusätzlich imprägnierte Kleidung geachtet werden. Zusätzlich sollten mückenabweisende Hautlotionen angewandt werden. Ein engmaschiges, imprägniertes Moskitonetz bietet einen Schutz während des Schlafes. Auch bei Übernachtungen im Schlafsack im Freien sollte unbedingt ein Moskitonetz verwendet werden, vor allem in der Nähe von Nagetierhöhlen.


Links

Leishmaniose (ergänzend)

Kala-Azar

Mückenschutz

Quellen und weiterführende Information

MG, 26.10.2015



Drucken

Zur Website www.gesundes-reisen.de