Reiseinformationen - Leishmaniose


Leishmaniase

Grundlagen
Leishmaniase ist eine parasitäre Erkrankung, die durch kleine Mücken übertragen wird.

Sandmücken
Sand- oder Schmetterlingsmücken sind sehr klein (2 mm), sandfarben und auf der Haut oft kaum zu erkennen. Sie kommen in subtropischen und tropischen Gebieten (und in allen Ländern des Mittelmeerraumes) vor. Sandmücken leben meist in direkter Umgebung von Ansiedlungen mit Tierhaltung (Hunde, Katzen, Kühe) oder in den Bauten von Nagetieren. Die Verbreitungszonen der Mücken weiten sich aus. Sandmücken können Parasiten (Leishmanien) auf (Haus)-Tiere und Menschen übertragen. Die Erkrankung betrifft die Haut und ggf. auch innere Organe (s.u.). Länder mit den hohen Erkrankungszahlen sind Bangladesh, Bolivien, Brasilien, Indien, Iran, Nepal, Peru, Saudi Arabien, Syrien, Sudan.
 
Wie gefährdet sind Reisende?
Das Infektionsrisiko Reisender ist nicht systematisch untersucht. Gefährdet an Leishmaniase zu erkranken sind vor allem Personen, die unter sehr einfachen Bedingungen leben oder auf dem Erdboden unter freiem Himmel schlafen. Die Übertragungsgebiete sind abseits der Touristengebiete. Die meisten Touristen halten sich kaum längere Zeit in der Nähe von Armutsvierteln auf. Die Flugweite der Überträgermücken ist gering. Die meisten Stiche werden in den Abendstunden erworben.

Reisende, die mit HIV infiziert sind
Für Reisende, die HIV infiziert sind, stellt eine Leishmaniaseerkrankung eine besondere Gefährdung dar. Beide Infektionen verstärken sich gegenseitig in der Beeinträchtigung des Immunsystems. AIDS und andere das Immunsystem schwächende Krankheiten erhöhen das Risiko einer schweren Verlaufsform.

Wie können sich Reisende schützen?
In gefährdeten Gebieten nicht unter freiem Himmel am Erdboden schlafen. Den wichtigsten Schutz vor Mückenstichen bieten geeignete Kleidung, Lotionen zur Mückenabwehr und engmaschige Moskitonetze.

Bei Hautgeschwüren nach der Reise zum Arzt!
Ein Furunkel oder eine andere auffällige Hauterkrankung kann bis zu einem Jahr nach einer Fernreise (oder auch nach einer Reise im Mittelmeerraum) ein Anzeichen einer Leishmaniase sein und deshalb von einem Hautarzt und / oder einem Tropenmediziner begutachtet werden. Die Erkrankung ist bei rechtzeitiger Behandlung heilbar.

Was tun mit Leishmanien infizierten Haustieren?
Hunde können sich leicht mit Leishmanien infizieren. Von einem Geschwür eines Hundes geht in Deutschland kein Übertragungsrisiko aus, da die Überträgermücke fehlt. Die Erkrankung kommt jedoch nicht von selbst zum Stillstand. Das Tier muss entweder eingeschläfert oder (was sehr teuer ist) behandelt werden.

Ausführlichere Informationen zur Erkrankung:
Die häufigste Form der Leishmaniase ist eine Hauterkrankung („kutane Leishmaniase“). Sie tritt an normalerweise unbedeckten Körperteilen (Beine, Arme, Gesicht, Nacken) auf und führt zu geschwürigen Veränderungen. Unbehandelt sind komplizierte, chronische Verlaufsformen möglich. Die Erkrankung entwickelt sich etwa zwei Wochen bis ein Jahr nach einer Übertragung.

Leishmaniase ist in erster Linie in ländlichen Regionen verbreitet. Durch das Anwachsen sozial und hygienisch unterversorgter Vororte von Mega-Städten dringt die Erkrankung auch in urbane Gebiete vor. Begünstigt wird die Übertragung dort, wo viele Menschen auf engstem Raum unter schlechten Bedingungen zusammenleben und die Überträgermücken sich ungehindert vermehren können.

In Lateinamerika ist z.B. die Region Manaus (Amazonien) betroffen. Die Stadt ist in den letzten 20 Jahren immer mehr in den Regenwald hineingewachsen und das Erregerreservoir (fleischfressende Tiere) und Menschen sind immer näher zusammengerückt. In den vergangenen 12 Jahren verzeichnet der Nordosten Brasiliens eine 10-fache Zunahme der Leishmaniase. Betroffen ist auch die Mega-Stadt Sao Paulo. Der Trend ist auch in verschiedenen städtischen Gebieten Kolumbiens und Venezuelas zu sehen.

Am Arabischen Golf dehnen sich Erkrankungsherde weiter in ländliche und ehemals unbewohnte Gebiete aus. In Asien sind die größten Herde in städtischen Armenvierteln, z.B. Kabul, Shiraz, Mosul, Aleppo etc., überall dort, wo offene Abwasserkanäle, unzureichende oder fehlende Müllbeseitigung, mangelhafte Sanitäranlagen und einfachste Behausungen vorkommen. In diesen Biotopen vermehren sich die Überträgermücken meist ungehindert. Besonders dort wo Haustiere (z.B. Kühe) nahe menschlicher Behausungen gehalten werden und die Sandfliegen im Dung beste Lebensbedingungen vorfinden, steigen die Erkrankungszahlen. Grenzüberschreitende Migration von zahlreichen infizierten Menschen (Flucht, Saisonarbeit) kann zu Ausbrüchen führen.

Eine zweite Verlaufsform mit einer Erkrankung innerer Organe ("viszerale Leishmaniase", "Kala Azar", "schwarzes Fieber") kann wenige Tage bis Jahre nach einer Infektion auftreten. Sie tritt wesentlich seltener auf, verläuft aber schwer.

Leishmaniose (ergänzend)

MG, 20.10.2014



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