Fachinformationen - Mensch und Natur


Mensch und Natur

 Bildquelle: Werner Schönherr

Wir leben in Ökosystemen, die auf verschiedene Art und Weise genutzt werden: Acker- und Gartenbau, Forstwirtschaft, Weidewirtschaft, urbane Gebiete, Tourismus und Wissenschaft, oder die einfach so belassen werden, wie sie sind. Der Mensch ist ein Ökosystem und Teil übergeordneter Ökosysteme.

Gesunde Ökosysteme nutzen einander gegenseitig, so können beispielsweise Feuchtgebiete und Mangrovenwälder gegen Sturmflutschäden bei Wirbelstürmen schützen. Feuchtgebiete fungieren zudem als natürliche Wasserfilter zur Verbesserung der Trinkwasserqualität. Wenn Ökosysteme und Naturkreisläufe zusammenbrechen, hat das gesundheitliche Folgen für andere Ökosysteme. 

Arzneimittelrückstände:

Aktuelle Daten aus Forschungsprojekten und der Gewässerüberwachung ergeben, dass Arzneimittelrückstände in deutschen Gewässern mittlerweile immer häufiger nachgewiesen werden.

Die im Auftrag des Umweltamtes durchgeführte Literaturstudie untersucht die Auswirkungen von Arzneimittel auf die Umwelt.  Demnach finden sich in Gewässern hormonell wirkenden Verbindungen, wie Östrogenen aus Antibabypillen oder für Tiermast verwendete Kunsthormone oder Rückstände des rezeptfrei, weitverbreiteten Schmerzmittels „Diclofenac“, das Nierenschäden in Fischen hervorrufen kann.  Das UBA empfiehlt daher, ein Umweltmonitoring für Arzneimittel einzuführen, mit dem Ziel diesen bereits im Zulassungsprozess für Medikamente zu verankern. Dadurch kann der Schutz der Umwelt gestärkt und die Versorgung der Patienten umweltverträglicher gestaltet werden.

Täglich gelangen mehrere Tonnen an Arzneimittelwirkstoffen mit dem Abwasser von Haushalten und medizinischen Einrichtungen in die Umwelt. Dazu gehören auch über den Urin ausgeschiedene Zytostatika oder diagnostisch eingesetzte radioaktive Substanzen.  Kläranlagen können hier keinen rückstandslosen Abbau gewährleisten. Nach Meinung des Umweltbundesamtes werden das Vorkommen und die Auswirkungen von Arzneimitteln in der Umwelt unterschätzt. Gesellschaftliche Faktoren wie der demografische Wandel, können dafür sorgen, dass die Konzentration von Humanarzneimitteln in der Umwelt noch weiter zunehmen
Auch die europäische Kommission sieht eine gezielte Überprüfung der Gewässer auf Chemikalien vor. Zu den 33 bereits gelisteten Substanzen (darunter einige Arzneiwirkstoffe) sollen die Mitgliedstaaten Messnetze einrichten (UBA 2012)

Bildquelle: Werner Schönherr

Ökosysteme beeinflussen sich gegenseitig und wirken sich auf die Lebensqualität der Menschen aus:

Allerdings kann Biodiversität (Artenvielfalt) verloren gehen bzw. die Funktion der Ökosysteme kann Schaden erleiden, z.B. bei Umweltzerstörungen, übermäßiger Ausbeutung von Arten oder der Einführung von fremden Arten sowie Desertifikation (Wüstenbildung).

Ein Beispiel dafür sind die vom Aussterben bedrohten Geier in Südostasien. Über Rinderkadaver, welche die indischen Bauern traditionell für Aasfresser liegen lassen, nahmen die Geier Wirkstoffe aus Präparaten von entzündungs- und schmerzhemmenden Medikamenten auf, welche die Kühe dort oft erhielten. Dies führte bei den Geiern zu Nierenversagen und Tod. Durch das Aussterben der Geier verrotteten nun hunderttausend Kühe in der Sonne – bester Nährboden für den Milzbranderreger. Dazu kam das Ansteigen der Tollwutgefahr, weil sich streunende Hunde bei dem reichlichen Futterangebot stark vermehrten. Eine Beziehung zur Lebensraumzerstörung ist auch bei Krankheitserregern zu finden, die aus der Natur kommen und den Menschen betreffen. Zwei Drittel der sogenannten neuen Infektionskrankheiten, werden von Erregern verursacht, die eigentlich nur von Tier zu Tier weitergegeben werden.

 Bildquelle: Irina Klein

 

Zerstörung von Korallenriffen bedroht Artenvielfalt:

Korallenriffe bilden die Kinderstube junger Fische, indem sie diese mit Nahrung versorgen und Schutz vor Angreifern bieten. Allerdings kommt es zur Zeit durch Überfischung, Klimawandel, Verschmutzung und andere Gründe zu einem rapiden Absterben der Korallen und folglich zu einer enormen Bedrohung der Artenvielfalt der Meere. Seit 1970 ist der Anteil korallenbedeckter Riffe der Karibik von 50% auf 8% gesunken.

Bis zum heutigen Zeitpunkt sind viel zu wenig Gebiete unter Naturschutz gestellt und somit vor äußeren Einflüssen geschützt. Bemühungen, diesen Prozess zu fördern, sind sehr aufwendig und laufen zu langsam voran. Nicht nur die Tiere, sondern auch viele Menschen sind von diesen natürlichen Ressourcen abhängig, die ihnen Nahrung, frisches Wasser und Einkommen durch Tourismus bieten sowie die Auswirkungen von Umweltkatastrophen verringern. (The Guardian Weekly, Harvey, 2012)

 

Bildquelle: Werner Schönherr


Naturschutz heute

Naturschutzexperten fordern daher mehr Gewicht auf die Pflege von Ökosystemen zu legen. Auch Regierungen und Nichtregierungsorganisationen setzen sich mehr und mehr dafür ein. Das Regionalbüro der WHO in Europa hat eine Untersuchung zum ökologischen Risikogefälle in Europa abgeschlossen. Anhand von 14 Indikatoren wurden die umweltbezogenen Risiken in allen Länder der europäischen Region eingeschätzt. Alle Länder weisen ökologische Risiken auf, die in einigen Gebieten sehr viel deutlicher in Erscheinung treten als in anderen. Der Report dient der Politikberatung, damit jedes Land seine eigene, zwingend notwendige Strategie entwickeln kann.

Lange Zeit galt Naturschutz als gegen die menschlichen Interessen gerichtet. Wenn man das Konzept der Hotspots betrachtet ist dies auch nachvollziehbar. Bei diesem Konzept konzentrierte man sich auf bedrohlich zerstörte Gebiete mit besonders vielen nur dort heimischen Landpflanzenarten. In Folge wurden Reservate/ Nationalparks errichtet. Die Menschen sollten die entsprechenden Gebiete verlassen, wurden oft zwangsumgesiedelt und verloren ihre Lebensgrundlage.

Bei dem Konzept Ökosystemdienste jedoch, wird analysiert inwiefern die Menschen von den einzelnen Ökosystemen abhängen. Es sollen stark bedrohte Gebiete erkannt werden, deren weitere Zerstörung die Lebensbedingungen der Anwohner schwer beeinträchtigen würde. Es werden Pläne zum Schutz der gefährdeten Ökosysteme erstellt. Dieses Konzept stellt keine Lasten für die Bevölkerung dar. Es trägt zur gesundheitlichen und ökonomischen Sicherheit bei. Unter der Bevölkerung findet es somit eine breitere Akzeptanz.

So kann z.B. auch bei touristischer Nutzung ein erfolgreicher Naturschutz ansetzen. Potenziale und Gefahren sind hier gleichermaßen zu finden. Über Einnahmequellen durch den Tourismus können von der Zerstörung bedrohte Gebiete geschützt werden und der Schutz geschädigter Ökosysteme kann zugleich der Bevölkerung zugute kommen. So kann beispielsweise die Bevölkerung in Punta Tomba (Argentinien) mit seinen Pinguinstränden vom Tourismus leben. Die Pinguine ziehen im Jahr ca. 70.000 Touristen an.

Mensch und Natur sind demnach nicht zwangsläufig Gegner, sondern aufeinander angewiesen.

Bildquelle: Werner Schönherr

Jeder trägt die Verantwortung dieses Recht sicherzustellen. Die Verantwortung zum Handeln liegt bei Individuen und Unternehmen. Regierungen haben die Aufgabe, das strategische und institutionelle Rahmenkonzept zu erstellen, innerhalb dessen verschiedenste Maßnahmen stattfinden können.

Globale Ziele sind:

Menschliche Bedürfnisse sollten idealerweise

 Quellen

 

Weitere Artikel

 

KS, SH, IK, 23.10.2012



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