Reiseinformationen - Erkrankt: Husten


Husten

Bildquelle: Werner Schönherr


Einführung
Husten ist ein natürlicher Mechanismus, der hilft, die Lunge von Schleim und Fremdkörpern zu reinigen. Bei Kindern gelten bis zu zehn Hustenstöße am Tag als normal. Jeder auffällige oder länger anhaltende Husten bedarf der ärztlichen Klärung. Zahlreiche Ursachen kommen in Frage. Treten Hustensymptome im Zusammenhang mit einer Reise auf, so ist das Spektrum möglicher Ursachen noch vielfältiger.

Hustenreiz in unterschiedlichen “Etagen”
Der Hustenreiz kann an ganz unterschiedlichen Abschnitten der Atemwege entstehen. Zunächst kann bereits eine Entzündung im Bereich des Rachens und Kehlkopfs zu Hustenreiz führen. Entzündungen unterhalb des Kehldeckels finden sich beim Pseudokrupp mit typischem anfallsartig auftretenden bellenden Husten. Ist der Kehldeckel selbst betroffen, findet sich besonders starker Schluckschmerz und kloßige Sprache. Es sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden, da Atemnot auftreten kann.

Die Luftröhre verzweigt sich bei ihrem Weg in Richtung Lunge in zahlreiche Bronchien. Entzündungen der Bronchien (Bronchitis) sind sehr häufig. Es findet sich meist Husten in Verbindung mit allgemeinen Infektsymptomen wie Schnupfen, Kopfschmerzen und Mattigkeit. Bei einer krampfartigen Verengung der Bronchien treten asthmatische Beschwerden mit Atemnot und z.T. auch Hustenanfällen auf. Die Ausatmung ist stärker erschwert als die Einatmung. Dadurch kommt es zu einer Ansammlung der Luft in der Lunge. Bei Kindern steht häufig die Hustensymptomatik im Vordergrund, weswegen die Diagnose “Asthma” dann oft verspätet gestellt wird. Greift eine Entzündung der Bronchien auf das eigentliche Lungengewebe über, so kann sich eine Lungenentzündung (Pneumonie) entwickeln. Ursache sind häufig Bakterien, es finden sich z.T. schwere Krankheitssymptome mit hohem Fieber und starkem Krankheitsgefühl. Oft können bereits beim Abhören (zum Beispiel, wenn Partner oder Eltern das Ohr auf die Brust des Patienten legen) auffällige Rasselgeräusche beim Atmen festgestellt werden. Die Lunge selber wird durch eine Schleimhaut umschlossen, das Brustfell (die Pleura). Als Besonderheit einer Entzündung der Pleura findet sich neben Husten und z.T. auch Fieber vor allem ein atemabhängiger Schmerz.

Häufige Ursachen bei Reisenden
Ein plötzlich auftretender Husten ist oft ein Zeichen für einen Infekt der oberen Luftwege. Ein Risiko für Bronchialinfekte besteht keineswegs nur bei uns im nasskalten Winterwetter sondern durchaus auch in den heißen Tropen. Vor allem ein häufiger Wechsel zwischen stark klimatisierten Räumen und hohen Temperaturen im Freien begünstigen Atemwegsinfekte. Kinder mit (allergischem) Asthma, Pseudokrupp, chronischen Entzündungen der Nasennebenhöhlen sind besonders anfällig für zusätzliche Reizungen.
Auch bei Reisen in die Andenregionen Südamerikas müssen Reisende mit einer Belastung der Atemwege rechnen; die kalte trockene sauerstoffarme Hochgebirgsluft begünstigt das Auftreten von Bronchialinfekten. Andererseits können auch die heißen staubführenden Wüstenwinde Afrikas (z.B. Harmattan im Bereich der Westsahara) die Atemwege so stark reizen, dass die Infektanfälligkeit steigt. Aufenthalte in Großstädten - vor allem in den Megastädten Südamerikas, Afrikas und Asiens - führen aufgrund von Luftverschmutzung (Smog, Feinstaub) ebenfalls zu einer Belastung der Atemwege.

Rauchen verstärkt Reizungen der Atemwege durch die geschilderten Ursachen und sollte daher auf der Reise möglichst eingeschränkt werden.

Bildquelle: Werner Schönherr

Sehr seltene Ursachen bei Reisenden
Auch im Hotelzimmer können Risiken lauern. Bei schlecht gewarteten Klimaanlagen oder Wasserleitungen ist besonders bei Älteren und Immungeschwächten Personen die Infektion mit Legionella pneumophila, dem Erreger der Legionärskrankheit möglich. Vor allem, wenn gleichzeitig Husten und Fieber auftreten, sollte noch am Urlaubsort unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden, um eine mögliche Lungenentzündung rechtzeitig diagnostizieren und behandeln zu lassen. Husten kann sich auch als ein seltenes Symptom einer Malaria finden. Daher gilt die allgemeine Empfehlung bei oder nach Aufenthalt in einem Malariagebiet: Stets eine Untersuchung auf Malaria durchführen lassen. Hustensymptome können auch bei bestimmten Wurmerkrankungen, zum Beispiel beim Spulwurmbefall auftreten. Auch bei der Bilharziose kann Husten als Symptom auftreten.

Als Ursache eines hartnäckigen Hustens und gehäufter schwerer Attacken findet sich gelegentlich in Deutschland aber auch bei Auslandsaufenthalten (vor allem bei vermehrten Kinderkontakten) der Keuchhusten. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass der durch Schutzimpfungen in der Kindheit erworbene Schutz im Erwachsenenalter zunehmend abnimmt und die Keuchhusten-Auffrischimpfung in Deutschland vergleichsweise selten durchgeführt wird. Bei hartnäckiger Hustensymptomatik nach Auslandsaufenthalten muss - besonders in Verbindung mit längeranhaltender Abgeschlagenheit, Nachtschweiß, erhöhten Temperaturen - stets auch an eine Tuberkulose gedacht werden.

Tipps für die Reiseapotheke
In allen unklaren Fällen von Husten sollte - auch bei Fehlen sonstiger Symptome wie Fieber - nicht zu lange gezögert werden, bis ein Arzt aufgesucht wird. Trotzdem kann bereits bei der Zusammenstellung der Reiseapotheke auch an mögliche Hustenbeschwerden gedacht werden. Maßnahmen richten sich vor allem danach, ob es sich um einen trockenen Husten oder einen Husten mit Auswurf handelt. Bei einem Husten mit Auswurf sollte der Hustenreiz nicht unterdrückt werden, da das Abhusten des Schleims die Heilung fördert. Hier kommen vor allem schleimlösende Arzneimittel in Frage. Für eine Wirkung dieser Medikamente ist es nötig ausreichend viel Flüssigkeit (zwei bis drei Liter) zu sich zu nehmen. Beispiele für schleimlösende Wirkstoffe: Acetylcystein, Ambroxol, Zubereitungen aus Efeu- oder Thymianblättern.

Beim trockenen Reizhusten können hustenstillende Medikamente angewendet werden, zum Beispiel mit den Wirkstoffen Pentoxyverin (für Kinder ab 1 Jahr), Dextromethophan oder Clobutinol.

Chronischer Husten
Jeder über drei bis vier Wochen anhaltende Husten bedarf der sorgfältigen diagnostischen Klärung. Hierbei müssen zahlreiche Faktoren berücksichtigt werden: begleitende Atemgeräusche, Lungenfunktion, Schmerzsymptomatik, Auswurf (Konsistenz, Farbe, enthaltene Bakterien) und Auffälligkeiten im Röntgenbild. Das Ausmaß der Diagnostik ist von der Schwere und Dauer des Krankheitsgeschehens abhängig und reicht von der Erhebung der Krankengeschichte bis zur differenzierten Computertomographie und – falls erforderlich – invasive Maßnahmen wie die Endoskopie und Bronchial-Lavage.

Fazit
Husten ist lästig, kann einem die Nachtruhe rauben und auch ein erstes Zeichen einer behandlungsbedürftigen Erkrankung sein. Durch überlegten Umgang mit der Klimaanlage und Vermeidung unnötiger Reizfaktoren (Rauchen) kann man sich diese unangenehme Erfahrung während der Reise meist ersparen. Das Gespräch mit dem Hausarzt und/oder Beratung durch den Reisemediziner können helfen, individuelle Risiken für Atemwegserkrankungen zu erkennen und (u.a. durch ausgewählte Schutzimpfungen) zu minimieren.

RMZ, 22.10.2012



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