Reiseinformationen - Giftmülltransporte nach West- und Zentralafrika


Giftmülltransporte nach West- und Zentralafrika

Gefährliche Abfälle sind zunehmend ein Thema der internationalen Beziehungen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Millionen Tonnen davon werden Tag für Tag über die Weltmeere nach West- und Zentralafrika transportiert. Darunter befindet sich elektronischer, radioaktiver und medikamentöser Müll.

Ein Beispiel des Transports von Giftmüll nach Afrika ist die Elfenbeinküste. Am 20. August 2006 brachte ein Schiff über 500 Tonnen Giftmüll in den Hafen Abidjan. Das Schiff „Probo Kala“, das den Giftmüll transportierte, gehörte der griechischen „Reederei Marine Management“, wurde aber für diese Tat vom britischen Rohstoffhandelskonzern „Trafigura“ ausgeliehen. Der Müll wurde in Abidjan in verschiedenen Orten auch in der Nähe von Wohnanlagen abgelagert. Der Müll enthielt gefährliche Inhaltsstoffe u.a. Schwefelwasserstoff. Diese Substanz ist ein übel riechendes, stark giftiges Gas, das in hoher Dosierung tödlich sein kann. In den Tagen und Wochen, die diesem Ereignis folgten, zeigten viele Menschen Symptome einer Rauchvergiftung. Es gab Todesfälle aufgrund der giftigen Gase, über 100.000 erlitten Atembeschwerden, Magenprobleme, Rückenschmerzen. Viele spuckten Blut oder litten unter Durchfall oder Sehstörungen. Überwiegend waren Kinder von Gesundheitsstörungen betroffen. Am 23. Juli 2010, vier Jahre nach dem Skandal, wurde der Konzern Trafigura zu einer Geldstrafe von 1,2 Millionen Dollars verurteilt. Daneben wurden ein zur damaliger Zeit agierender Mitarbeiter sowie der Kapitän des Frachters für schuldig erklärt. Bereits im Jahr 2009 entrichtete Trafigura 46 Millionen Dollars als Entschädigungsleistung. Im Jahr 2007 leistete der Konzern für die Beseitigungsarbeiten eine Zahlung von 154 Millionen Dollars an die Regierung der Elfenbeinküste. Die Schäden an der betroffenen Bevölkerung bleiben jedoch zurück. 

Ein anderes Beispiel für den Giftmülltransport ist Ghana. In der Hauptstadt Accra liegt die Deponie Agbogbloshie, eine der größten Müllkippen für Elektronikschrott. Dort werden jeden Monat über 100 Container Giftmüll aus Europa und den USA abgelagert. Auf einem Quadratkilometer Fläche türmen sich defekte Fernsehbildschirme, alte Computer und DVD Player übereinander. Kinder und Jungendliche treffen sich jeden Tag an diesem Standort, zerschlagen die Bildschirme und Laufwerke mit Händen und einem Schraubenzieher. Danach verbrennen sie über offenem Feuer die Festplatten und Kabel, um an das kostbare Kupfer zu kommen. Über dem Feuer entstehen hochgiftige Stoffe und viele Kinder leiden so unter Atemproblemen. Viele Geräte enthalten giftige Inhaltsstoffe wie Cadmium, Blei, Quecksilber. Die Belastung durch diese Schadstoffe kann verschiedene Auswirkungen haben, wie Magen- und Lungenreizungen, Hautveränderungen, Krebserkrankung, Hörstörungen, Beeinträchtigung des Nervenssystems, Nierenfunktionsstörung.

Ein drittes Beispiel fand im Jahr 1987 in Koko - Nigeria zwischen italienischen und nigerianischen Geschäftsleuten statt. Italien lieferte giftige Abfälle von mehreren italienischen Industrien nach Nigeria aus. Der Giftmüll wurde als Baumaterial angemeldet. Monate später kam es zu einem Skandal um die giftigen Abfälle, als die Fässer mit Abfällen in der Umgebung auftauchten.
Lokale nigerianische Beamte hatten die giftigen Abfälle im Hafen von Koko entdeckt, die Substanzen wie Asbestfasern, PCB und Dioxin enthielten.
Mehr als 100 Mitarbeiter des nigerianischen Hafens wurden zum Entfernen der Abfälle eingesetzt. Trotz Maschinen, Schutzkleidung und Gasmasken, die die Mitarbeiter von der Regierung bekommen hatten, landeten viele in Krankenhäusern mit Beschwerden wie chemischen Verbrennungen, Übelkeit und Lähmung. Vom Chefarzt des Krankenhauses der Stadt Koko wurde aufgrund der hohen Toxizität der Abfälle sieben Früh- und Fehlgeburten innerhalb eines Zeitraums von zwei Wochen verkündet.

Die Ausfuhr von Giftmüll aus Industriestaaten in Drittweltländer ist nach mehreren internationalen Abkommen im Prinzip strikt verboten. Am 22. März 1989 wurde von UNEP (United Nations Environment Programme) das Basler Übereinkommen getroffen und der Vereinbarung sind rund 170 Staaten beigetreten. Das Abkommen kontrolliert einerseits die grenzüberschreitende Verbringung gefährlicher Abfälle und ihre Entsorgung, anderseits bestimmt es weltweit die Zulässigkeit, Genehmigung und Kontrolle von Exporten der Abfälle. So ist festgelegt worden, dass grenzüberschreitende Abfalltransporte die Genehmigung des Ausfuhrlandes, die Genehmigung sämtlicher Durchfuhrländer sowie die Genehmigung des Einfuhrlandes benötigen. Danach folgte die Bamako Konvention. Dieses Abkommen wurde im Januar 1991 von OAU (Organization of African Unity) als afrikanisches Gesetz abgestimmt und basiert auch auf gleichen Prinzipien wie die Basler Konvention.
Trotz dieser verschiedenen Umweltgesetze wurden nach wie vor Giftmülltransporte in Entwicklungsländer durchgeführt. Offenbar sind die staatlichen Strukturen zu schwach, um illegale Machenschaften trotz fortschrittlicher Umweltgesetze zu unterbinden.
Das Thema Mülltransport in Entwicklungsländern sollte in der Entwicklungszusammenarbeit einen höheren Stellenwert erhalten.

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Quellen


 

AY, SH, 13.02.2013



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