Reiseinformationen - Íl - der Preis der Umwelt


Öl - der Preis der Umwelt

Die Ölvorräte der Erde gehen zur Neige. Schon in 30 Jahren könnte der Bedarf höher liegen als das dann noch vorhandene Angebot. Daraus folgen nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Konsequenzen, wie z.B. die zunehmende Abhängigkeit von einem wenig stabilen Mittleren Osten. Öl ist nicht nur eine kostbare Energiequelle, sonderen auch ein unverzichtbares Rohprodukt, für dessen Gewinnung immer größere Risiken in Kauf genommen werden. Zum Beispiel bei Offshore Bohrungen, die im Golf von Mexiko mit der Explosion auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" zur bisher größten Umweltkatastrophe der USA führten. Die Suche nach Tiefsseeöl geht indessen ungebremst weiter, so schreibt Norwegen trotz der Katastrophe in der Karibik neue Tiefseebohungen aus. 

Die Risiken bei Tiefseebohrungen sind nicht kalkulierbar: mechanische Teile sind unter dem Druck in Tiefen von mehreren tausend Metern erheblichen Belastungen ausgesetzt und die geologischen Bedingungen oft nur annährungsweise einschätzbar (BR-online). Das Tiefseeökosystem, das bei weitem größte dieser Erde, ist durch diese Aktivitäten akut gefährdet (Glover 2003 s.u.).

Aber auch in vielen ländlichen Regionen der Welt scheinen sich Unternehmen der Ölförderung wenig für die langfristigen Folgeschäden zu interessieren, die sie verursachen. In Nigeria (Nigerdelta), Kazachstan (Kashagan), Kolumbien (Casanareregion), Ecuador (Amazonas), USA (Alaska), Kanada (Athabasca-Ölsand) uva. versuchen meist schwache Bürgerbewegungen auf die zunehmenden Umweltbelastungen durch die Ölförderung in ihren Ländern aufmerksam zu machen.

Gegen die Interessen von Shell, BP, Chevron, Mobil-Exxon, ENI sind die Proteste der lokalen Bevölkerung meist machtlos. Die Presse widmet diesen Schäden, die meist abseits großer Städte und touristischer Routen entstehen, bisher kaum Aufmerksamkeit.

 

Beispiel Ekuador

Die Regenwaldgebiete im Nordosten Ekuadors, zählen zu den artenreichsten unberührten Landschaften dieser Erde. Zahlreiche indigene Völkerschaften leben in dieser Region in weitgehendem Einklang mit ihren natürlichen Ressourcen. Zumindest im Nordosten des Landes sind diese Zeiten der biologisch-ökologischen Vielfalt definitiv Vergangenheit. Seit 1972 wurden in dieser Region über zwei Mrd. Barrel (1 Barrel = 160 Liter) Rohöl gefördert. Rohöl liegt in den unterirdischen Depots vermischt mit Wasser, toxischen Sedimenten und Gas. Im Prozess der Förderung fielen bisher über 19 Mrd. Barrel Abfallstoffe an, die vor Ort von Rohöl getrennt werden. Die Abfälle des Bohrschlamms wurden insbesondere in den ersten Jahrzehnten des Ausbeutungsprozesses der Naturvorkommen ohne Sicherungsmaßnahmen in der Umwelt entsorgt. Noch heute liegen in der Region verstreut etwa 200 ungesicherte Ölschlamm- und Abfalldepots, aus denen in jeder Regenzeit toxische Substanzen ausgewaschen werden. Das freigesetzte Gas wurde und wird weiterhin verbrannt, wobei giftige Dämpfe entstehen. Aus der Trans-Ecuador-Pipeline flossen bei diversen Unfällen bisher etwa 16 Millionen Barrel Rohöl in die Umwelt. Im Vergleich: Bei der bis zum Unfall im Golf von Mexiko größten Umweltkatastrophe der USA, dem Exxon-Valdez Untergang vor Alaska, wurden zehn Millionen Barrel Rohöl freigesetzt. Wegen der irreparablen Umweltschäden wurde 2003 in Ekuador der verantwortliche Konzern Texaco verklagt. Die jetzige Regierung nimmt die entstandenen katastrophalen Auswirkungen ernst und hat 2007 angeboten, ein weiteres Ölfeld unter dem Yasuní Nationalpark nicht anzurühren, wenn die internationale Gemeinschaft dafür Kompensationszahlungen leistet.

Die gesundheitlichen Auswirkungen für die Bevölkerung am Beispiel Ekuadors sind in unterschiedlichen Studien untersucht, aber wegen der komplexen Zusammenhänge, von denen Gesundheit abhängt, schwer abschätzbar. So lebten die indigenen Völker vor den Zeiten der Ölförderung im Wesentlichen von der Jagd und dem Fischfang. Beides ist in vielen betroffen Regionen nur noch eingeschränkt möglich. Daten können bei der Größe der weit entlegenen Regionen nur schwer gewonnen werden. Der logistische Aufwand für epidemiologische Studien ist immens, die dafür notwendigen Forschungsgelder sind rar und die Widerstände gegen solche Untersuchungen groß. Dennoch konnten bei der betroffen Bevölkerung im Vergleich zu ländlichen Regionen ohne Ölförderung eine Reihe gesundheitlicher Probleme mit großer Sicherheit nachgewiesen werden. So fanden sich u.a. erhöhte Raten von

2010 kommt aus Ekuador auch ein gute Nachricht:

Ekuador hat sich entschlossen, etwa ein Fünftel seiner Erdölvorräte unter der Erde zu lassen. Als Gegenleistung für diese wichtige Maßnahme, Regenwald zu erhalten, versprachen reiche Industrienationen 3,6 Mrd. US$ zu zahlen, was etwa der Hälfte des Marktpreises der vermuteten Ölreserven entspricht. Deutschland wird sich mit etwa 50 Mill$ beteiligen. Dieses bahnbrechende Abkommen wurde von der ekuadorianischen Regierung seit 2007 angestrebt. Die belassenen Ölvorräte liegen unterhalb des Yasuni National Parkes, einer der artenreichsten Regionen des Planeten, mit 105 Reptilien-, 500 Vogel-, und 200 Säugtierarten. Der Park ist weiterhin Heimat für mindestens zwei bisher noch nicht besuchte einheimische Völker.

Die Einnahmen sollen in erneuerbare Energieformen investiert werden und mithelfen den CO2-Ausstoß zu verringern. Wenn allerdings bis Dezember 2011 keine signifikanten Zahlungen eingegangen sein sollten, wird trotz des Abkommens auch im Yasuni Park nach Öl gebohrt werden.

Der erfolgreiche Vertrag weckt Hoffungen, dass ähnliche Abkommen mit Kolumbien, Peru und den Philippinenen abgeschlossen werden könnten.

Literatur:

 

HEF, MG, 23.10.2012



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