Fachinformationen - Herz: Von Herzen lachen


Erkrankungen, die zu einer verminderten Durchblutung der Herzgefäße führen, gelten als die häufigsten Todesursachen während Urlaubsreisen. Ist Reisen deshalb gefährlich, zumindest für Herzkranke?

Risiko für Reisende?
Nicht ungedingt. Langsames, genussvolles Schlendern dämpft die Stressreaktion, Flanieren regt die Sinne an und gutes Essen und angeregte Gespräche beruhigen Herz und Kreislauf.

Stress (die Dauerbelastung des Alltags) steigert dagegen den Blutdruck und beschleunigt den Herzschlag. Stress erhöht den Cortisolspiegel und bringt das Immunsystem in eine höhere Aggressionsbereitschaft (Kop 2005 und 2003). Daher ist es nicht verwunderlich, dass bei Personen mit klassischen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen und erblicher Vorbelastung, das Herzinfarktrisiko dann erhöht ist, wenn sie die Reise als Selbstfahrer antraten oder ihren Urlaub selbstorganisiert verbrachten (Kop 2003). Auch das Auftreten von Herzinfarkten während der ersten beiden Urlaubstage (Kop 2003) überrascht nicht: ein Körper, der noch auf hohe Belastung eingestellt war, wird plötzlich abrupt abgebremst und verfällt in eine schlaffe Strandkorbstarre. Auch ein ICE ist nach einer vergleichbaren Vollbremsung aus voller Fahrt überholungsbedürftig. Hotelmanager wissen um diese Risiken der "Leisure Sickness" und versuchen deshalb die Neuankömmlinge mit Animation auf einem verträglichen Bewegungslevel zu halten.

Wer also auch im Urlaub in angenehmer Bewegung bleibt, ohne sich zu überanstrengen, hat hinsichtlich des Herzens wenig zu befürchten, es sei denn, er hüpfte in großer Höhe aus einem Gletscher-Ski-Helikopter,  oder er versuchte den Kilimajaro in Rekordtempo zu besteigen (Higgins 2010).

Zusätzlicher Schutz
Wer sich dennoch ein wenig sorgt, ob sein Herz die Reise verträgt, kann mit neuen Erkenntnissen aus der Psycho-Immuno-Kardiologie getröstet werden. Es scheint ein sehr wirksames und besonders gut im Urlaub anwendbares Mittel zu geben, um das Herz zu schützen: fröhliches Lachen (Miller 2009).

Was ist damit gemeint? Die Autoren der Publikation denken an eine Art innere Einstellung oder an Humor, die Fähigkeit über sich selbst zu lachen. Witzeln oder hämisch über andere herziehen war nicht gemeint, und auch nicht das feucht-lustige Alkohol- und Gruppenzwanggejohle. Idealerweise platzte prustendes Lachen aus einem fröhlich-kindlichen Zustand der Zufriedenheit, gepaart mit etwas Selbstironie. Solch ein lautes Lachen kann eine gewaltige Aktivität des Atem- und Rachenapparates sein, aber Herzkranke waren dabei offenbar nicht gefährdet. Warum eigentlich?

Mechanismus
Die Ursachen der vermutlich gesundheitsfördernden und herzschützenden Wirkungen von fröhlichem Lachen sind noch nicht klar untersucht, aber es klingt plausibel, dass dabei letzte Reste stressartiger Verspannungen und Depressionen wegspült werden. Im Mittelhirn werden Überträgerstoffe (u.a. ß-Endorphin) ausgeschüttet, die auf Blugefäße (u.a. auf die des Herzens) entspannend wirken. Zusätzlich scheint der Stoffwechsel eines für die Blutgefäße sehr wichtigen, nur aus sehr kurzer Distanz wirkenden Überträgerstoffes (Stickoxid) beeinflußt zu werden. Stickoxid und andere Stress-Immunmodulatoren wirken gefäßerweiternd und sind bei der (negativen) Stressreaktion auch mit vielen schädlichen Wirkungen verbunden (Kop 2008). Daher scheint es einfach so zu sein, wie die Autoren der genannten Publikation schlußfolgern, Lachen erhöhe die Stickoxid-Konzentration und sei deshalb herzschonend (Miller 2009).

Lachen, Liebe und Flow
Allerdings folgt im Spiel der Emotionen Lachen auf Überraschung (also eine kleine Gefahr oder Unsicherheit), die sich in einer ungeahnten Wendung auslöst. Es wird also etwas Stress aufgebaut, sozusagen in homöopathischer Dosis, und gleich wieder weggenommen. Beide Anteile unseres autonomen Nervensystems werden damit gleichermaßen aktiviert und laufen in rhythmischen Wellen ab, die den ganzen Körper erschüttern. Beruhigung und Entspannung (Parasympathicus, Nervus Vagus) und wache Aktivität (Sympathikus) harmonieren miteinander und schütteln uns durch. Das geschieht sonst nur im Flow, einem gleichmäßigen Bewegungsfluss in dem sich Zeit und Raum zu verlieren scheinen, und bei der Sexualität (Porges 2007).

Da noch viel Wissen über diese Zusammenhänge fehlt, bleibt uns nur:

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Literatur

 

HEF, MG, 20.08.2012



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