Fachinformationen - XMRV


XMRV in Spenderblut

Die Abkürzung „XMRV“ steht für  „Xenotropic Murine Leukemia Virus-Related Virus“. Dieses Virus wurde 2006 in menschlichen Gewebeproben entdeckt. Der Erreger scheint ähnlich wie das HI-Virus übertragen zu werden, also vor allem durch Blutkontakt und Geschlechtsverkehr. Eine Übertragung durch den Atemtrack, wo es auch nachgewiesen werden konnte (Fischer 2010) ist sehr unwahrscheinlich. XMRV gehört wie HIV zur Familie der Retroviren und ist gegen einige der Medikamente, die die Vermehrung von HIV hemmen, ebenfalls empfindlich. Aufgrund seiner Eigenschaften wird es als ein Gammavirus betrachtet, da es im Gegensatz zu HIV (ein so genanntes Lenti-Virus) relativ schnell aktiviert werden.


In den USA wurde der Erreger bei bis zu 4% von Untersuchungsgruppen nachgewiesen, in Europa dagegen sehr viel seltener. Das kann daran liegen, dass das Virus in Europa weniger verbreitet ist, oder aber, dass sich die Nachweismethoden einzelner Institute zu Teil erheblich unterscheiden.

Direkte Gesundheitsschäden durch den Erreger sind bisher nicht bekannt. Das Virus wurde in einzelnen Untersuchungen in bis zu 23% in den Kapseln von Protatakarzinomen gefunden, sehr viel seltener im Krebsgewebe selbst. Ursächlich kommt das Virus für die Karzinomentstehung nicht in Frage, jedoch könnte es die Entwicklung der Krankheit ungünstig beeinflussen.

In einer 2009 veröffentlichten Studie wurde über ein statistisch gehäuftes Auftreten von XMRV bei Patienten mit Chronischem Müdigkeitssyndrom berichtet (Chronic Fatique Syndrome, CFS). Diese Ergebnisse konnten bisher nicht durch andere Forschergruppen bestätigt werden, und der Zusammenhang bleibt in Fachkreisen umstritten. Da CFS eine sehr häufige Krankheit darstellt, bei der neben Dauerstress (Burn out) auch eine Übererrgbarkeit des Immunsystems eine Rolle spielt, sind trotz der bisher sehr fraglichen Zusammenhänge mit XMRV in den USA Hersteller von Medikamenten forschend aktiv geworden, um Produkte anbieten zu können.

Indirekte, nicht-spezifische Effekte von XMRV auf zahlreiche Krankheiten oder Immunstörungen sind denkbar. Daher werden u.a. von der US-Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit (FDA) Kontrollen diskutiert, um die Weiterverbreitung einzudämmen. So könnten XMRV-positive  „Blutkonserven“ oder Spenderorgane das Virus auf die Empfänger übertragen. Blutkonserven werden üblicherweise auf HIV, Hepatitis B, Hepatitis C und Syphilis gestest. Aber auch Übertragungen sehr seltener Erreger wie Tollwutviren, Malaria oder Prionen (Erreger von BSE und CJD) waren in der Vergangenheit in Einzelfällen vorgekommen. Das könnte auch für das neu entdeckte XMR-Virus oder auch Schweineretroviren (PERVs) gelten. Ein XMRV-Test für Blutbanken soll noch 2010 zugelassen werden.

Medizinische Maßnahmen erfordern eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiko. Durch Bluttransfusionen und Organspenden können Leben gerettet werden. Das Risiko durch einen Erreger, der (in den USA) ohnehin bei 4% der gesunden Bevölkerung vorkommt, wäre im Vergleich zu einer akuten Verblutungsgefahr so gering, dass kein Arzt aus diesem Grund auf eine lebensrettende Bluttransfusion verzichten würde. Besteht jedoch keine Lebensgefahr sollte auf unnötige Transfusionen verzichtet werden. Für eine seriöse Risikobewertung ist die Datenbasis hinsichtlich XMRV noch nicht solide genug.


Quellen

 

MG, HEF, 03.08.2012



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