Reiseinformationen - Erkrankt: Durchfall


Durchfall

Reisedurchfall - Grundlagen

Durchfälle sind ein häufiges Gesundheitsproblem bei Fernreisen und gehen mit vermehrtem Flüssigkeits- und Salzverlust einher. Allein der Klimawechsel, fremde Nahrungsmittel und eine andere Zubereitung der Speisen können zu Unwohlsein führen. Auch bei der Anpassung an eine neue Umgebung, inkl. eines unterschiedlichen Keimspektrums, kann es zu vorübergehenden Beschwerden kommen. Daher leiden beispielsweise auch Afrikaner, die Europa besuchen, häufig unter umstellungsbedingtem Durchfall. Diese Symptome bessern sich bei körperlicher Ruhe und Entspannung. Anstrengende Unternehmungen sollten nicht direkt zu Beginn der Reise unternommen werden. Der Körper braucht Zeit, sich an die neuen Verhältnisse anzupassen.


Wichtig bei allen Durchfällen ist eine ausreichende Flüssigkeits- und Salzzufuhr. Die große Mehrzahl der Reisedurchfälle verschwindet ohne medikamentöse Behandlung.

Durchfallerkrankungen auf Reisen können durch zahlreiche Viren, Bakterien oder Parasiten bedingt sein. Oft sind mangelnde persönliche Hygiene und unzureichende Trinkwasser- und Lebensmittelhygiene die Ursache. Bedenken Sie, dass es viele Wege einer Übertragung von Krankheitserregern gibt, so zum Beispiel auch durch Stubenfliegen!

Ein Drittel aller Reisenden klagt über sehr weichen bis flüssigen Stuhlgang. Mediziner sprechen von einem akuten Durchfall, wenn er weniger als zwei Wochen anhält. Klagt der Patient mehr als vier Wochen über Durchfälle, so spricht man von „chronischer Diarrhoe“.
 

Ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn Durchfälle:

Kinder verlieren besonders leicht Flüssigkeit und können daher schneller schwere Krankheitsbilder entwickeln. Daher bei Kindern:

Vorbeugende Maßnahmen
Essen Sie auf Reisen möglichst nur frisch gekochte Speisen. Auch Fleisch und Fisch sollten durchgegart sein und Obst möglichst selbst geschält werden. Im Rahmen von Pauschalreisen bereiten viele Hotels ihre Speisen auf hygienisch hohem Standard zu, aber bleiben Sie skeptisch bei Nahrungsmitteln, die importiert werden müssen („Wiener Würstchen in der Sahara“). Bis Sie einen ausreichenden persönlichen Eindruck von der Qualität der Hotelküche gewonnen haben, sollten Sie bei der Auswahl der angebotenen Gerichte - zumindest in den ersten Tagen - vorsichtig sein und beachten: je kürzer der Weg zwischen Kochtopf und Teller, desto besser!

Bildquelle: Werner Schönherr


Auf engem Raum (z.B. auf Kreuzfahrtschiffen) häufen sich in den letzten Jahren Infektionen mit dem Norovirus. Dieses Virus verursacht akute Durchfälle und breitet sich epidemieartig aus.
Risikoreich sind immer rohes Fleisch oder roher Fisch, ungekochte kalte, abgestandene Speisen, Schinken, Wurst, Salate, Speiseeis, offene Kaltgetränke nicht-industrieller Herkunft oder auch in Plastikfolie verpackte Nahrungsmittel wie z.B. Früchte.
 
Neben Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene ist gerade in warmen Ländern ein besonderer Wert auf persönliche Handhygiene zu legen. Hierzu gehört das regelmäßige Waschen der Hände vor dem Essen. Stehen nur mehrfach benutzte Stoffhandtücher zur Verfügung, sollte man die Hände besser lufttrocknen lassen.
Darm- und Durchfallerkrankungen lassen sich oft durch überlegtes und vorsichtiges Verhalten vermeiden. In tropischen Ländern leicht übertragbar und gefährlich sind Einzeller wie Amöben oder Lamblien, die sich gut auf den appetitlichen Produkten vermehren, die fliegende Händler in ihren Handwagen mit Trockeneis kühlen. Diese Erreger können akute blutige Durchfälle verursachen oder chronische Beschwerden, die auch mit Komplikationen einhergehen können. Oft hilft nur der Verzicht!
 
Behandlung
Auch bei unkomplizierten Durchfällen ist es für das eigene Wohlbefinden wichtig, den mit Diarrhöe einhergehenden Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust auszugleichen. Daher sollte bereits zu Beginn der Symptome ausreichend Mineralwasser und Fruchtsaft getrunken werden. Bei schwereren Verläufen sowie bei kleinen Kindern sollten salz- und zuckerhaltige Rehydratationslösungen verwendet werden. Geeignete Produkte (zum Beispiel Pulver zum Auflösen in Wasser) sind in der Apotheke erhältlich.
 
Außerdem können beim unkomplizierten Durchfall (kein Blut! kein Fieber!) rezeptfreie Medikamente zur Dämpfung der Darmaktivität verwendet werden. Damit können die lästigen Gänge zur Toilette und der Flüssigkeitsverlust etwas begrenzt werden. Die Einnahme von Präparaten mit dem Wirkstoff Loperamid sollte aber nicht unkritisch oder über einen zu langen Zeitraum erfolgen.
 
Dies zeigt ein Krankheitsverlauf im nachfolgenden Beispiel. Ärzte des University College in London berichteten kürzlich von einer Patientin, der Teile des Dickdarms entfernt werden mussten, nachdem sie zwölf Tage lang alle sechs Stunden zwei Milligramm eines nicht rezeptpflichtigen Durchfallmedikamentes eingenommen hatte. Diese Medikamente hemmen die Darmbewegung, daher wird von einer dauerhaften Einnahme abgeraten.
Positive Effekte durch die Anwendung von Probiotika in der Behandlung des Reisedurchfalls sind noch nicht hinreichend belegt. In einzelnen Fällen ist eine Verringerung der Dauer und Schwere von Durchfallepisoden nach der Einnahme von Präparaten mit Lactobacillus oder mit Saccharomyces boulardii beschrieben worden. Insgesamt ist von großen individuellen und von der Reiseregion abhängigen Schwankungen in der Wirksamkeit dieser Produkte auszugehen.
 
Oft unerwähnt bleibt, dass auch das „Gegenteil von Durchfall“, nämlich die Verstopfung, ein häufiges Gesundheitsproblem bei Reisenden darstellt. Ursachen hierfür sind fast immer Flüssigkeits- und Bewegungsmangel. Die beste Maßnahme ist daher nicht die Einnahme von Abführmitteln, sondern viel Trinken!
 
Ist bei stärkeren Durchfallbeschwerden keine ärztliche Hilfe erreichbar, kann ein geeignetes Antibiotikum als Notfallmedikament in der Reiseapotheke hilfreich sein (ein Breitspektrumantibiotikum vom Typ „Gyrasehemmer“, z.B. Ciprofloxacin oder Ofloxacin). Das Vorgehen in solchen Fällen sollte vor der Reise mit dem verschreibenden Arzt besprochen werden. Hierbei ist vor allem über die Dosierung, mögliche Nebenwirkungen und Anwendungsbeschränkungen zu sprechen. Eine effektive Therapie beim erwachsenen Durchfallpatienten kann beispielsweise die tägliche Einnahme von 2 Tabletten mit je 500 mg Ciprofloxacin sein. Die Einnahme des Medikamentes ist in der Regel auf drei Tage begrenzt. Eine ärztliche (Nach)untersuchung ist dringend geraten. Ob in der Zukunft eine spezifische Prophylaxe (Impfungen o.ä.) oder die Therapie des Reisedurchfalls im Vordergrund stehen wird, hat sich noch nicht entschieden. Die Einführung von nicht-resorbierbaren, also allein lokal im Darm wirkenden Antibiotika (z.B. Rifaximin 3 x 200 mg/Tag über 3 Tage) könnte zumindest die Behandlung unkomplizierter Reisedurchfälle am Urlaubsort erleichtern. Seit September 2008 ist das Medikament auch in Deutschland zur Therapie der Reisediarrhöe zugelassen. Als Nebenwirkung des Rifaximins ist u.a. Übelkeit beschrieben. In seltenen Fällen wurden auch allergische Reaktionen wie Hautausschlag, Gesichtsschwellung und Atemnot beobachtet. Daher ist stets abzuwägen, ob die Zufuhr von Salz-Zucker-Mischungen beim symptomarmen Reisedurchfall nicht angemessener ist, als die Einnahme dieses Medikamentes. Im Falle invasiver Infektionen (Blutung, Schleim im Stuhl, Fieber) ist die Gabe von Rifaximin nicht angezeigt, da es nur oberflächlich und nicht innerhalb des Darmgewebes wirkt.
 
Bildquelle: Irina Klein

Können Impfungen vor Darmerkrankungen schützen?
Die Schutzwirkung einer Typhusimpfung liegt vermutlich bei 50 bis 70 % und schützt nicht vor Paratyphus, einer milderen Form des Typhus. Studien bei europäischen Reisenden liegen nicht vor. Deshalb kann diese Impfung nur zusätzlich zu einer konsequenten Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene hilfreich sein.

Choleraerkrankungen sind bei Touristen extrem selten, da zeitlich und regional begrenzte Ausbruchsereignisse in meist sozial schwachen Regionen vorkommen. Betroffen sind vor allem Länder Afrikas mit schlechter Infrastruktur, mangelhafter oder fehlender Trinkwasseraufbereitung und sozialen Brennpunkten, wie z.B. in Bürgerkriegsregionen. Insgesamt 97% der weltweit gemeldeten Erkrankungen werden hier registriert. Reisende können durch sorgfältige Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene eine Erkrankung verhindern. Eine schwer verlaufende Cholerainfektion (etwa 5 % der Infektionen) kann durch einen sofortigen Einsatz einer Salz-Wasser-Infusion erfolgreich behandelt werden.

Die derzeit auf dem Markt erhältlichen Cholera-Impfstoffe bieten nur einen begrenzten Schutz für etwa 2 Jahre und werden von der WHO wie auch vom Tropeninstitut Hamburg für Reisende selten empfohlen. Nur bei einer tatsächlich erhöhten Gefährdung besteht ein medizinischer Grund für eine Choleraimpfung.

Fazit
Reisedurchfälle kommen häufig vor, sind ärgerlich aber meist harmlos. Mancher Reisedurchfall ist durch Verzicht an der richtigen Stelle vermeidbar.
 
Quellen:

Weitere Artikel

 

RMZ, 25.02.2013



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