
Dengue und Impfstoffentwicklung
Das Dengue-Fieber ist eine grippeähnliche Viruserkrankung, die in Form von Epidemien auftritt und weltweit jährlich etwa 20 Mio. Menschen betrifft. Übertragen wird Dengue durch Stechmücken der Gattung Aedes aegypti, die überwiegend tagaktiv sind und im städtischen Milieu brüten. Vier unterschiedliche Typen des Erregers (RNA-Flavivirus-Serotyp DEN 1-4) führen zu wellenförmigen Verbreitungsverläufen, wobei lange Zeit ein bestimmter Typ in einer Region nicht vorkommt und dann nach einem Jahrzehnt wieder dominiert. Die Ursache liegt daran, dass eine durchgemachte Erkrankung vor erneuter Infektion mit dem gleichen Typ schützt, sich dieser Typ also nicht mehr optimal verbreiten kann, bis die Schutzwirkung in der Bevölkerung wieder nachlässt. Wurde eine Infektion mit einem Typ durchgemacht, kann eine Zweitinfektion mit einem der verbleibenden drei Virusvarianten erfolgen und diese kann schwerer verlaufen, da bei einer heftigen Immunantwort Stoffe freigesetzt werden ("Cytokin-Sturm"), die die Durchlässigkeit der Blutgefäße beeinflussen (so genanntes Dengue Hämorrhagisches Syndrom, DHF und Dengue-Schock-Syndroms, DSS). Möglicherweise könnte auch die Anlagerung bereits existierender Antikörpern an das Virus eines anderen Typs die Ausbreitung des Erregers im Körper des Patienten begünstigen ("Enhancement"). Bei Erkrankungswellen mit einem Denguetyp, der sehr lange nicht mehr beobachtet und neu aus einer anderen Weltregion eingeschleppt wurde, kommt es deshalb besonders häufig zu ernsten Krankheitsverläufen. Infolge der zunehmenden Ausbreitung aller vier Denguevirus-Typen, muss zukünftig mit einer erhöhten Rate an komplizierten Krankheitsverläufen bei Kleinkindern gerechnet werden. DHF tritt bei etwa einem Prozent der Infizierten auf und die Sterblichkeit beträgt dabei etwa 10-20%.
Das klassische Dengue-Fieber wird auch bei Touristen diagnostiziert (2008: 283 gemeldete Fälle in Deutschland), allerdings werden bei diesen nur sehr selten schwere oder gar gefährliche Krankheitsverläufe beobachtet. Von schweren Verläufen betroffen sind insbesondere Kinder in tropischen und subtropischen Ländern (95%), die unter schwierigen Wohn- und Lebensumständen aufwachsen und jährlich neu infiziert werden.
Beispiel von Brasilien
Obwohl das Dengue-Fieber vor allem in Asien von Bedeutung ist, wird in den letzten Jahren auch eine deutliche Zunahme der Dengue-Aktivität in Südamerika beobachtet. In den letzten Jahren waren allein in Brasilien z.T. mehr als eine halbe Millionen Fälle zu verzeichnen. Bei mehr als eintausend Fällen pro Jahr muss mit schweren Krankheitsverläufen im Sinne eines Dengue-Hämorrhagischen-Fiebers (DHF) oder eines Dengue-Schock-Syndroms (DSS) (Sterblichkeit 10,7%) gerechnet werden.
Impfstoffentwicklung und Impfprogramme
Die deutliche Zunahme des Dengue-Problems hat zu Druck auf die politischen Entscheidungsträger geführt, die Entwicklung von Dengue-Impfstoffen und eine anschließende Implementierung von Impfprogrammen zu fördern. Die Kosten für das Gesundheitssystem der betroffenen Länder sind erheblich. Pro 1.000 Einwohner der Bevölkerung entstehen jährliche Behandlungskosten von 99 US$. Obwohl das DHF nur etwa 6% der registrierten Erkrankungen ausmacht, entfallen 68% der Dengue-bedingten Gesundheitskosten auf Fälle von DHF. Die Einführung von Dengue-Impfprogrammen dürfte neben dem individuellen Nutzen durch vermindertes Erkrankungsrisiko auch erhebliche Einsparungen im Gesundheitswesen der betroffenen Länder ermöglichen. Grundlage für Entwicklung von Dengue-Impfstoffen sind bereits bestehende Lebendimpfstoffe, zum Beispiel Vaccinia (Pocken)- oder der Gelbfieberimpfstoff.
Grundsätzlich ist die Impfstoffentwicklung bei Dengue deshalb so schwierig, weil gerade die schweren Verläufe bei Personen auftreten, die Antikörper gegen das Virus in sich tragen. Die Impfung muss also gegen alle vier Typen gleichzeitig erfolgen und darf bei Personen, die bereits ein Infektion durchgemacht haben, keine zusätzlichen Risiken auslösen. Gegen das verwandte Gelbfiebervirus war die Impfstoffentwicklung vergleichsweise einfach, da nur ein Gelbfiebervirus-Typ vorhanden ist und die nach der Impfung (oder einer überlebten Infektion) entstehenden Antikörper in diesem Fall sicher vor einer Infektion schützen.
Durch Einfügen entsprechender Gene kann das Impfvirus den Immunzellen des Geimpften maßgeschneiderte Teile des Denguevirus präsentieren. Aktuell befinden sich Dengue-Impfstoffkandidaten der Unternehmen Sanofi Pasteur und GlaxoSmithKline in der klinischen Erprobung. Es handelt sich um "tetravalente" Impfstoffe, die alle vier Denguevirus-Typen abdecken. Mit einer Zulassung der Impfstoffe ist frühestens 2011/2012 zu rechnen. Mögliche Sicherheitsrisiken für Geimpfte lassen sich derzeit noch nicht abschätzen. Auch die Verhinderung einer Vermehrung des Impfvirus in Aedesmücken ist ein wichtiger sicherheitsrelevanter Aspekt.
PDVI Programm
Im Jahr 2003 wurde die "Pediatric Dengue Vaccine Initiative" ins Leben gerufen. Die Initiative ging von dem Internationalen Institut für Impfstoffe in Seoul aus. Die Begründer dieser Initiative haben es sich zum Ziel gesetzt, die Öffentlichkeit sowie staatliche und nichtstaatliche Organisationen auf das Dengue-Fieber aufmerksam zu machen und die Entwicklung von Impfstoffen und deren Einführung zu beschleunigen. Hierbei wird es insbesondere darum gehen, Dengue-Impfstoffe nach ihrer Markteinführung auch den Kindern in ärmeren Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen. Die PDVI möchte darüber hinaus auch ein Forum für die Koordinierung verschiedener weltweiter Dengue-Projekte bieten. Bislang wurden Fördergelder in Höhe von 60 Millionen u.a. durch die Rockefeller Foundation, die Bill und Melinda Gates Stiftung und die Regierung Südkoreas bereitgestellt.
Fazit
Bis zur Verfügbarkeit effektiver und sicherer Dengue-Impfstoffe haben weiterhin Maßnahmen zur Eindämmung der Dengue-übertragenden Aedes aegypti Mücke den größten Stellenwert. Die Mücken der Gattung Aedes übertragen neben dem Dengue-Fieber auch Erkrankungen wie das Gelbfieber und das Chikungunya-Fieber (Epidemie 2006 auf Réunion). Über den internationalen Handel können krankheitsübertragende Mücken auch in die gemäßigten Breiten importiert werden. So fanden sich im Jahr 2001 in zahlreichen Gärtnereibetrieben Los Angeles Aedes albopictus Mücken, die über Container in die Vereinigten Staaten gelangt waren.
Empfehlung für Reisende
Für Reisende, insbesondere mit Kindern, ist es wichtig in subtropischen und tropischen Regionen durch Kleidung und Verhalten für Mückenschutz zu sorgen.
Quellen
MG, 02.06.2010
Zur Website www.gesundes-reisen.de