Reiseinformationen - Gift: Quallen


Quallen in Australien

Während in unseren Breiten Kontakte mit „Feuerquallen“ (Cyanea capillata) nur ein unangenehmes Hautbrennen bewirken, aber ungefährlich sind, ist in anderen Regionen Vorsicht geboten. Vor allem an den Stränden vor der Nord- und Ostküste Australiens (siehe Abb.) und im südpazifischen Raum wird intensiv vor Quallenkontakt gewarnt.

Die Quallensaison in Australien dauert im Allgemeinen von November bis Mai, also den Sommer der südlichen Hemisphäre über. Es sind jedoch regionale und die verschiedenen Quallenarten betreffende Unterschiede zu beachten. Insgesamt lässt sich sagen, dass die sogenannte "stinger season" um so ausgedehnter ist, je mehr man sich dem Äquator nähert. Die nördlichen Gebiete Australiens sind also länger betroffen (z.B. das Northern Territory von Oktober bis Juni).
 
 
Jedes Jahr zu dieser Zeit wird in Australien aber über Badeunfälle nach Quallenkontakt, gelegentlich auch mit tödlichem Ausgang, berichtet. Durchschnittlich kommen in Australien jährlich 20 Menschen durch Quallenkontakte ums Leben, im gesamten pazifischen Raum dürfte die Zahl etwa doppelt so hoch liegen. Im Jahr 2006 gab es einen Todesfall (siebenjähriges Mädchen) in Queensland. Da es in unseren Wintermonaten besonders viele sonnenhungrige Touristen auf die Südhalbkugel zieht, ist es ratsam, sich über dieses potenzielle Risiko zu informieren. Im Northern Territory Australiens starb im Jahr 2007 ein 6 Jähriger nach Kontakt mit einer Giftqualle. Im Jahr 2008 wurden 2 Todesfälle in Thailand, darunter ein 11jähriger Junge, in Zusammenhang mit Kontakten zu Giftquallen gebracht. Ein gehäuftes Vorkommen der Gifttiere fand sich u.a. in Krabi sowie auf Phuket, Lanta und Phi Phi. In Malaysia kamen zwischen 2000 und 2010 drei Touristen nach Kontakt mit Giftquallen ums Leben.

Wesentliche Quallenarten Australiens
 
1. Würfelqualle (Chironex fleckeri , box-jellyfish, sea wasp)
Die Würfelqualle ist eines der gefährlichsten Nesseltiere. Seit 1884 wurden mindestens 63 Todesfälle in den Gewässern vor Queensland und dem Northern Territory registriert. Gelegentlich kommen Kontakte außerhalb der offiziellen Saison vor, dies ist jedoch eher eine Seltenheit. Die bläulich gefärbte, halbdurchsichtige Qualle besitzt bis zu 15 Tentakel, die zwei oder mehr Meter lang werden können. Wie auch bei anderen Quallenarten sind die Tentakel mit Nesselkapseln bestückt, die bei Kontakt ein Gift in das Unterhautgewebe absondern. Verbreitungsgebiet ist die Nord- und Ostküste Australiens, aber auch der gesamte westliche
Pazifik um Papua-Neuguinea, Salomonen, Borneo, Malaysia und die Philippinen. Dort kommen die Quallen abhängig von der Wetterlage häufig in Massenansammlungen im seichten, oftmals trüben Wasser vor. Dadurch sind sie in den meisten Fällen kaum wahrnehmbar.

Der Kontakt mit den Tentakeln führt unmittelbar zu heftigen, brennenden Schmerzen, begleitet von intensiven, striemenartigen Hautverätzungen und Blasenbildung. Schwere Vergiftungen treten bei längerem Kontakt auf, abhängig von der Größe der Quallen und damit von der Hautfläche, die mit den Tentakeln in Kontakt kommt. Hohe Giftdosen können zu Herzrhythmusstörungen und Herzversagen, aber auch zu Atemstillstand führen. Daher sind die Opfer gelegentlich nicht in der Lage das rettende Ufer zu erreichen.

In den letzten Jahren wurden im Norden Australiens wiederholt außerhalb der Saison große Mengen einer bislang wenig erforschten Quallenart der Gattung Chiropsalmus gesichtet. Sie ist mit der Würfelqualle verwandt, aber deutlich kleiner. Im Tierversuch hatte das Gift vor allem einen Effekt auf Herz und Gefäße. Obwohl bis jetzt beim Menschen noch keine schweren Vergiftungsfälle durch diese Art bekannt wurden, wird geraten, in den betroffenen Regionen vor allem beim Baden mit kleinen Kindern Vorsicht walten zu lassen.

 
2. Portugiesische Galeere (Physalis utriculus , Bluebottle, Portuguese man-of-war)

Diese Tiere sind keine echten Quallen, sondern Kolonien einer Vielzahl von Polypen und schwimmen mit Hilfe einer gasgefüllten bläulichen Blase an der Wasseroberfläche. Die Hauptverbreitungszeit ist November bis März. Sie sind weniger gefährlich als Würfelquallen, führen aber zu sehr unangenehmen scharfen, brennenden Schmerzen. Fieber und Schock sind möglich. Vor allem an der australischen Ostküste sind „Nesselungen“ durch diese Tiere ein bekanntes Phänomen (bis zu 10.000 Fälle pro Jahr), aber auch die Regionen South Australia und Western Australia sind betroffen.

3. Irukandji (Carukia barnesi)
Die Irukandji ist eine kleine Qualle von ungefähr 2 cm Durchmesser, die ebenfalls im Norden Australiens anzutreffen ist. Im Gegensatz zur Würfelqualle kommt sie vorwiegend in tieferen Gewässern und in der Nähe von Korallenriffen vor, daher sind besonders Schnorchler und Taucher gefährdet. Der eigentliche Kontakt mit den Quallententakeln ist bei dieser Form undramatisch und nur wenig schmerzhaft. Doch etwa fünf bis 45 Minuten später treten starke Rücken- und Kopfschmerzen auf, sowie einschießende Schmerzen in Muskulatur, Brust und Bauch. Begleitet wird diese Schmerzsymptomatik von Übelkeit, Erbrechen und Angstgefühl. Nach intensiverem Kontakt kommen auch hier schwere Vergiftungen mit Todesfolge vor, bedingt durch Herzrhythmusstörungen, Herzversagen und Lungenödem. In den meisten Fällen wurde ein dramatischer Blutdruckanstieg beobachtet, Hirnblutungen können auftreten. Aufgrund dieser Symptomatik ist zunächst immer eine intensivmedizinische
Überwachung wichtig, unter der sich die Mehrzahl der Betroffenen nach einigen Tagen erholt.

Eine Saisonalität scheint bei dieser Art zwar vorhanden, aber weniger ausgeprägt zu sein, als bei der Würfelqualle und der Portugiesischen Galeere. So treten im Norden des Distrikts Western Australia Unfälle mit Irukandji zwar im Sommer häufiger auf, werden aber auch in allen anderen Monaten beobachtet. Von insgesamt 75.000 Schwimmern, die jedes Jahr die westaustralischen Strände besuchen, werden durchschnittlich 40 "gestochen". Das Risiko ist somit überschaubar und sollte bei
angemessener Vorsicht den Spaß am Urlaub nicht verderben. Immer häufiger werden jedoch Badeunfälle durch Konktakt mit den Irukandji-Quallen gemeldet.

Vorbeugung
In Australien werden die Badestrände beim Auftreten von Quallen gesperrt ("jellyfish-alert").

An dieses Verbot sollte man sich halten. Taucheranzüge, "stinger-suits", aber auch Stoffhemden und -hosen schützen bedingt vor Verletzungen. Die abgetrennten, durch Netze geschützten Abschnitte der Badestrände ("stinger-enclosures") bieten guten Schutz vor Würfelquallen. Verletzungen durch Irukandji sind jedoch trotzdem möglich, da diese klein genug sind, um durch die Maschen der Netze zu schlüpfen. Generell ist das Baden in betroffenen Regionen vor allem an einsamen Stränden riskant, nicht zuletzt deswegen sollte es vermieden werden, dort allein alleine schwimmen zu gehen.

Erste Hilfe bei Quallenkontakt
 Weiterführende Informationen

Weltweite Situation
Laut einer Veröffentlichung des Medical Journal of Australia sind die für die meisten Menschen tödlichen Unfälle durch Quallen der Gattung der Chirodropiden, zu denen auch die oben beschriebene Würfelqualle Chironex fleckeri gehört, verursacht worden. Diese Arten sind weit verbreitet, man findet sie in den Gewässern vor Australien, der Indo-Pazifik-Region, aber auch vor der Südostküste der USA, in der Karibik, in Mittelamerika, Teilen von Südamerika sowie vor Südindien und China. (s. Abb.)

Während es auf der Südhalbkugel vornehmlich in den dortigen Sommermonaten (Dezember bis Mai) zu Quallenkontakten kommt, sind nördlich des Äquators (z.B. in Nord-Borneo) meist die trockenen Monate von März bis Juli. Im Zuge der globalen Erwärmung sind einige Experten der Ansicht, dass sich in den nächsten zehn bis 15 Jahren sowohl das Ausbreitungsgebiet
der als gefährlich eingestuften Quallenarten als auch deren saisonales Vorkommen im Jahresverlauf ausdehnen könnten.

Weitere Informationen

Maßnahmen bei Verletzungen durch Gifttiere

Mehr zu Gifttieren

HEF, MG, 08.08.2012



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