
Chikungunya Infektionen
Chikungunya wird in Affen tropischer Zonen nachgewiesen (natürliches Reservoir). Von dort kann es sich in subtropischen Regionen (> 10° Isotherme) ausbreiten und über Mücken auf den Menschen übertragen werden. Der Erreger verursacht eine fieberhafte Erkrankung, die mit Muskel- und Gelenkschmerzen einhergeht. Insbesondere in Bevölkerungsgruppen, die noch keinen Kontakt zu dem Virus hatten, kann es Epidemien auslösen.
Das Chikungunya-Virus wurde 1953 zum ersten Mal in Tansania nachgewiesen. In Indien wurde die Erkrankung 1963 erstmals entdeckt. Das Wort Chikungunya stammt aus einem ostafrikanischen Dialekt (Kimakonde) und bedeutet "der gebeugt Gehende". Weltweit wurde diese Viruserkrankung bekannt durch eine Epidemie im indischen Ozean im Frühjahr 2006, bei der auf Réunion, Mayotte, Mauritius und den Seychellen etwa 300.000 Person erkrankten. Bei etwa 304.000 Reisenden pro Jahr zwischen Réunion (und benachbarten Inseln) und dem französischen Festland wurden von April 2005 bis März 2007 898 nach Frankreich importierte Fälle entdeckt (Durchschnittsalter von 48 Jahre). Viele dieser Reisenden kamen von Réunion (wo im Untersuchungszeitraum über 260.000 Erkrankungen aufgetreten waren). Die Erkrankungsrate lag im Vergleich zur Zahl der Reisenden, die bei der damaligen Epidemie im indischen Ozean einem möglichen Infektionsrisiko ausgesetzt waren, etwa 255 zu 100.000. Das Virus verbreitete sich anschließend nach Osten bis Indien, Malaysia, Sri Lanka, Indonesien und nach Westen bis nach Gabun und Senegal. Die seither jährlichen Epidemien in Kerala, West Bengalen und Orissa sind in ihrer Verbreitungsdynamik von der Verbreitung auf den Inseln vor Ostafrika getrennt. Dort, in Madagaskar, Réunion, Mauritius und den Seychellen, wurden von 2006 bis 2009 nur sporadische Fälle gemeldet, allerdings vereinzelt auch bei Touristen.
In der Karibik wäre die Weiterverbreitung theoretisch möglich, hat aber bisher noch nicht stattgefunden. Im Jahr 2007 erkrankten in Nord-Italien einzelne Personen an Chikungunya-Infektionen. Ursächlich stand dieser, bisher in Europa einmalige Infektionsausbruch mit der Rückkehr eines Reisenden aus Kerala (Indien) im Zusammenhang. Viren, die durch Mücken übertragen werden (sog. Arboviren), werden in Deutschland nur sporadisch bei Reiserückkehrern gemeldet (etwa 100-200 pro Jahr). Chikungunya ist in Deutschland nicht meldepflichtig.
Geographisches Vorkommen von Chikungunya-Fällen 2001-2007 (PDF, Seite 413)
Die Erkrankung betrifft vor allem ortsansässige Personen. Reisende sind relativ selten betroffen, vermutlich weil in touristischen Anlagen besonders auf Mückenschutz geachtet wird. Beim Chikungunya-Fieber ist die akute Krankheitsphase sehr kurz, so dass bei Reiserückkehrern oft keine Viren mehr im Blut gefunden werden.
Die Überträgermücke (Aedes albopictus) liebt Ansammlungen mit relativ sauberem Wasser in alten Autoreifen oder leeren Konservendosen. Je mehr Regen fällt, desto mehr Brutplätze findet die Mücke. In gepflegten Hotelanlagen mit wenig stehendem Süßwasser ist das Risiko eher geringer als außerhalb.
Aedes Albopictus

Bildquelle: www.invasive.org

Bildquelle: www.arbovirus.health.nsw.gov.au
Erkrankung
Meist zwei bis drei Tage (ein bis 12) nach Stich einer infizierten Mücke kommt es zu einem plötzlichen starken Fieberschub, Kopf- und Muskelschmerzen und sehr starken Gelenkschmerzen (oft sind Hand- und Fingergelenke betroffen). Gelegentlich tritt ein Hautausschlag auf. In sehr seltenen Fällen kommt es zu Blutgerinnungsstörungen. Bei manchen Menschen, vor allem solchen mit zuvor geschädigten Gelenken, können die Schmerzen monatelang bestehen bleiben. Ansonsten klingen die Beschwerden nach drei bis 14 Tagen ab. Entzündungshemmende Medikamente und Cortisonpräparate wirken lindernd.
Das Virus kann ungeborene Kinder im Mutterleib infizieren (ggf. überwiegend gutartige Hirnentzündung).
Chikungunya-Risiko in Europa?
Ein gelegentlicher Import von Chikungunya-Erkrankungen durch Reiserückkehrer ist für Europa weitgehend risikolos. Eine direkte Übertragung von Mensch-zu-Mensch ist nicht möglich.
Das Vorkommen der tropischen Überträgermücke ist aus biologischen Gründen saisonal und regional begrenzt. Aedes albopictus Populationen sind jedoch mittlerweile in mehreren europäischen Ländern etabliert: Albanien, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Italien, Frankreich, Griechenland, Kroatien, Montenegro, Niederlande, Schweiz, Slowenien, Spanien.
Mücken sind keine natürlichen Virusträger, sondern müssen sich am Menschen immer wieder neu infizieren. Die Viren können sich in den Mücken nur bei hohen Umgebungstemperaturen (mehr als 25 °C) effizient vermehren. Das Temperaturoptimum der tropischen Viren liegt bei über 30 °C.
In Europa sind also bei einer unglücklichen Verkettung von Umständen (kranker Virusträger trifft im Hochsommer auf Tigermücke) einzelne Übertragungen denkbar. Das Risiko einer Epidemie wäre erst dann gegeben, wenn es saisonbedingt besonders viele Aedes-Mücken gäbe und in dieser Zeit auch sehr viele kranke Menschen einreisen, die das Virus in ihrem Blut tragen würden.
Reiserisiken
Die Erkrankung kann im Ostafrika, auf den Inseln des indischen Ozeans, auf dem indischen Kontinent und in Südostasien immer wieder auftreten. Die Risiken steigen jahreszeitlich mit der Intensität der Regenfälle an. Bei aktuellen Epidemien können auch Reisende erkranken. Bei Epidemien sind insbesondere gefährdet: Schwangere, Neugeborene, Personen mit angeschlagenem Gesundheitszustand, eingeschränkter Körperabwehr oder rheumatischen Erkrankungen. Über eine besondere Gefährdung von älteren Kindern ist nichts sicher bekannt.
Vorbeugung und symptomatiosche Behandlung?
Informationen zum Mückenschutz
HEF, 28.08.2009
Zur Website www.gesundes-reisen.de