Fachinformationen - Meningokokken-B-Impfung


Meningokokken-Impfstoffe gegen Serogruppe B

Die durch Meningokokken hervorgerufene bakterielle Hirnhautentzündung (Meningitis) wird häufig während trockener staubiger Klimaperioden übertragen und kommt daher besonders in bestimmten Gebieten Afrikas (Länder zwischen Sahara und Äquator: sog. “Meningitis-Gürtel”) und im Norden des Indischen Kontinentes vor. Aber auch in Europa sind Meningitiserkrankungen nicht selten. Hier z.B. in Deutschland oder England erfolgt die Übertragung vor allem während der Wintermonate durch Tröpfchen. Betroffen sind überwiegend Kleinkinder und Jugendliche, die die Erreger durch Anhusten oder Anniesen verbreiten.

Eine Person kann völlig symptomfrei sein, wenn nur eine oberflächliche Besiedelung seiner Nasen-Rachen-Schleimhaut mit den Erregern vorliegt, und dennoch den Erreger weitertragen.

Meningokokken-Typen

In Deutschland werden über 700 Neuinfektionen pro Jahr gemeldet. In Europa finden sich überwiegend die Erregertypen B und C, während die Serotypen A, W und Y vor allem eine Rolle in tropischen Ländern spielen. Besonders bei Infektionen mit Erregern des Serotyps C kommt es gehäuft zu schweren Krankheitsverläufen. Seit 2006 wird in Deutschland eine Impfung gegen Meningokokken vom Typ C bei Kindern im zweiten Lebensjahr empfohlen. Die Entwicklung geeigneter Impfstoffe gegen krankheitsverursachende Meningokokken ist schwierig, da die Erreger von einer Kapsel umgeben sind, mit der sie sich - zumindest teilweise - der Immunabwehr des Menschen entziehen können. Besonders gegen Erreger des Serotyps B existierte lange Zeit kein Impfstoff.

Serotyp B-Impfstoff in Neuseeland
Seit 1991 war Neuseeland von einer Epidemie durch Meningokokken der Serogruppe B (Untergruppe B:4:P1.7b,4) betroffen. Das Maximum der Erkrankungsfälle wurde im Jahr 2001 mit 17,4 Fällen auf 100.000 Einwohner registriert.

2004 wurde entschieden, einen neu entwickelten Impfstoff (MeNZB©, Fa. Novartis) gegen Meningokokken Typ B (Untergruppe B:4:P1.7b,4) einzusetzen. Nach vollständiger Immunisierung mit drei Impfungen wurde die Wirksamkeit des Impfstoffes auf 60-70% geschätzt, wobei über die Dauer des Impfschutzes keine Angaben gemacht werden konnten. Das Sicherheitsprofil des Impfstoffes sei zufriedenstellend. Das Impfprogramm wurde mittlerweile eingestellt, weil die Erkrankungszahlen an Meningitis B deulich zurückgingen, der Impfstoff ist jedoch weiterhin für Kinder mit erhöhten Risiken erhältlich. 


Impfstoff für Europa
Aus den neuseeländischen Erfahrungen ergibt sich kein unmittelbarer Nutzen für andere Länder, da die Mehrzahl der B-Meningokokken weltweit nicht dem “Neuseelandtyp” entspricht. In den 1990er Jahren wurde ein in Kuba produzierter Meningokokken Typ B-Impfstoff mit einigem Erfolg während eines Meningitis-Ausbruchs in Sao Paulo, Brasilien, eingesetzt. Impfstoffe gegen den Serotyp B befinden sich in klinischer Erprobung. Aktuell arbeiten unterschiedliche Pharmaunternehmen an der Zulassung neuer Meningokokken Typ B-Impfstoffe mit erweitertem Wirkspektrum. Insbesondere zum 4CMenB-Impfstoff der Firma Novartis liegen inzwischen einige Veröffentlichungen vor (Gossger 2012, Santolaya 2012). Der Abschluss entsprechender Phase-III-Studien lässt eine Zulassung des Impfstoffs ("Bexsero(R)")  in Europa in Kürze erwarten.

Neuer Meningokokken Typ B-Impfstoff

Meningokokken-Impfung (allgemein)

 

 

HEF, MG, 22.01.2013



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