Reiseinformationen - Erkrankt: Ohren


Ohren auf Reisen

Die Ohren liefern uns eine sehr genaue Informationen über die umgebende Realität.

Im Gegensatz zum Sehsinn, der die welt, die wir zu sehen glauben, konstruiert. Beim Sehen werden Gedächtnisbilder,  Erfahrungen und Wahrscheinlichkeiten mit den Sinnesinformationen zu einem Ganzen verwebt.

Der Hörsinn hat die Aufgabe, sehr genauen Regelmäßigkeiten in Frequenzmustern nachzuspüren. Ein reiner Ton, z.B. der einer Flöte führt zu einer klaren und eindeutigen Reizung einer bestimmten Nervenzellgruppe, die das Ergebnis ohne Umbau im Gehirn abbildet, bevor es interpretiert und verarbeitet wird. Auch wenn es uns ungewohnt erscheint neben dem übermächtigen Sehsinn den Informationen des Ohres zu vertrauen, führen sie uns möglicherweise dichter an die Welt „wie sie wirklich ist“. Für alle Säugetiere ist gutes Hören überlebenswichtig: Es signalisiert Gefahren, die in ihrer Richtung geortet werden können, und besänftigt in ruhigen Zeiten des sozialen Zusammenseins mit Artgenossen, wie bei der Aufzucht von Nachwuchs. Zur Beruhigung, ohne die sozialer Kontakt nicht möglich ist, kommt es bei allen Säugern durch zwei Muskeln im Mittelohr, die Hintergrundgeräusche so abdämpfen, dass die vertraute Laute von Kinder- oder Muttertieren stärker zur Geltung kommen.

Beim Menschen wurde die Kommunikationsfähigkeit über das Ohr wesentlich erweitert. Wenn wir genau hinhören, empfangen wir nicht nur Wörter, sondern einen sehr differenzierten Klang und Modulationen, die uns bei dem Gesagten „zwischen den Zeilen“ hören lassen (Prosodie). Im Prinzip sucht der Hörsinn nach Harmonie, das heißt Schwingungen, die in einem ganzzahligen Verhältnis zueinander stehen, wie dies bei fast allen natürlichen Vorgängen der Fall ist, solange sie ungestört fließen. Dissonanzen lösen dagegen Alarm aus. Beim Hören von Musik fließen Schwingungen über das Ohr zu den verarbeitenden Hirnzentren, die sich in Sekundenbruchteilen nicht nur Bilder der Vergangenheit suchen („Aha, diese Tonfolge kenne ich!“) sondern auch intensive Zukunftsbilder gestalten („nach dieser Tonfolge müsste jetzt dieser Ton kommen, damit es harmonisch klingt!“).

Das Hören auf Artgenossen ist direkt mit der Rhythmussteuerung von Herz- und Atmung verschaltet. Das macht Sinn:

Dieser Wechsel in der Art des Hörens wird durch zwei Muskeln im Innenohr  bewirkt, die von zwei unterschiedlichen Gesichtsnerven gesteuert werden,  die wiederum direkt mit der Bremse der Stressreaktion verschaltet sind.  Nutzen Tiere diese Gesichtsnerven zur Kommunkation, ziehen die Muskeln an,  der Stress löst sich und das Herz schlägt ruhiger.

Umgekehrt  wird das Ohr umgekehrt heftig in Mitleidenschaft gezogen, wenn ein Säugetier ständig unter Alarm steht, um zu kämpfen oder zu fliehen. Beim Menschen führt solcher Dauerstress neben vielen anderen Störungen oft zunächst zum Tinnitus (Störgeräusch oder besser einem Teil einer überflutenden Ohrinformation, die die Hörrinde nicht mehr sinnvoll verarbeiten kann) oder schlißlich zu einem mit einem Hörsturz (Taubheit für bestimmte Schwingungen): d.h. die Hörrinde ist nicht mehr in der Lage  den Informationsgau zu verarbeiten und schaltet das Sinnesorgan einfach ab. 

Direkt neben dem Innenohr, das die exakten Messwerte von Schallwellen „nach innen funkt“, liegt unser Gleichgewichtsorgan, das unserer Verbindung mit dem umgebenden Raum dokumentiert und für geschmeidige Bewegungsabläufe unerlässlich ist.
Bewegungskrankheit (Kinetose)

Die phantastischen Möglichkeiten beider Organe geraten im modernen Alltagsleben etwas in den Hintergrund:

Reisen mit dem Ohr
Wenn wir es dem Sehsinn erlauben schwächer zu werden, beginnen wir zu lauschen:

Plötzlich tauchen leise Geräusche auf, schwellen an, verebben, es knistert, eine Grille zirpt, ein Frosch platscht ins Wasser. Innere und äußere Harmonie breitet sich aus, und lässt unmerklich Gelassenheit in uns aufsteigen.

Dem Hören zu folgen ist also ein guter  Weg, um Erholung zu finden.

Merkwürdigerweise wird aber das Ohr durch das Reisen in Mitleidenschaft gezogen, und das nicht nur, weil am Beach die Lautsprecher noch lauter dröhnen als zu Hause. Zum Glück sind aber nahezu alle der im Folgenden genannten Probleme bei umsichtigem Verhalten vermeidbar.

Stressbedingte Störungen des Hörempfindens

Barotrauma
Beim Tauchen und seltener bei Flügen kann es zu erheblichen Druckschwankungen kommen. Die Folge sind Einblutungen im Mittelohr (wenn die Schleimhaut angeschwollen ist), Zerreißen des Trommelfells (wenn bei schnellem Abtauchen Ohrstöpsel verwendet wurden), oder Schädigungen des Innenohres (wenn ein Taucher durch Pressen den Luftdruck im Mittelohr drastisch erhöht).

Empfehlung zur Vorbeugung:

Nasenreizung bis Nebenhöhlenentzündung
Schnupfenviren lauern überall, warum sind wir nicht ständig krank? Es erwischt uns dann, wenn die Körperabwehr geschwächt ist (Stress), wenn Klimaanlagen oder hustende Personen im Gedränge besonders viele Viren durch die Gegend pusten, wenn die Befeuchtung der Schleimhäute erschwert ist (Lufttrockenheit beim Flug) oder wenn Temperaturschwanken besonders krass erfolgen (außen klirrende Kälte und innen Bruthitze oder umgekehrt). Allergische Reaktionen der Nasenschleimhaut werden durch Reisen zunächst eher günstig beeinflusst, da das ärgerliche Allergen zu Hause bleiben muss.
Werden immer größere Teile der Schleimhaut des Nasen-Rachenraums in Mitleidenschaft gezogen, entstehen Belüftungsstörungen der Nebenhöhlen, die weiteren Ärger verursachen (Kopfschmerzen) und Mikrobenwachstum begünstigen.

Empfehlung:

Entzündungen des Mittelohres entstehen, wenn die Belüftung durch eine Verstopfung des Verbindungsganges zum Rachen eingeschränkt ist. Sie ist sehr schmerzhaft, geht mit Fieber einher und bedroht immer die Funktionsfähigkeit des ganzen Hörorgans.

Eine Mittelohrentzündung kann sehr schmerzhaft sein und z.B. auch die Freude am Urlaub erheblich trüben. Baden, schnorcheln oder Tauchen ist dann nicht mehr möglich. Verursacht wird die Erkrankung durch diverse Mikroorganismen (Bakterien, Pilze), die besonders in warmem Wasser gedeihen, z.B. in tropischen Korallenriffen. Aber auch der hohe Salzgehalt des Meeres, feiner Sand oder starker Wind können die empfindliche Haut im Gehörgang sehr reizen.

Viele Menschen haben außerdem ein sog. chronisches Gehörgangsekzem, hervorgerufen durch zu häufigen Seifenkontakt (Haarewaschen) oder übertriebenen Einsatz von Wattestäbchen. Eine gewisse Menge an Ohrenschmalz stellt einen Schutz für den Gehörgang dar! Das Gehörgangsekzem macht sich durch häufigen Juckreiz im Ohr bemerkbar, die Haut im Gehörgang ist weißlich und rissig, so dass sich Bakterien und Salz besonders gut festsetzen können.

Empfehlung:


Web-Seiten:


 

HEF, 21.08.2012



Drucken

Zur Website www.gesundes-reisen.de