Reiseinformationen - Medikamente: Notfalltherapie


Das Malaria-Notfalltherapie-Konzept

Wird eine Reise ins außereuropäische Ausland geplant, machen sich viele Menschen Gedanken darüber, ob nicht vielleicht ein Malariarisiko besteht. Man greift auf alte Erfahrungen zurück und überlegt sich, was man zu einem Risiko in diesem oder jenem Land bereits von Freunden gehört oder was in Zeitschriften zu lesen war. Der anschließende Blick ins Internet ist oft auch keine große Hilfe. Eine persönliche reisemedizinische Beratung durch einen Arzt ist hingegen ein guter Weg, um von einem Wust an Informationen zu einer individuellen Risikoeinschätzung zu gelangen. Eine gute Beratung zum Thema Malaria ist ein schrittweiser Prozess. Der Arzt geht hierbei auf die folgenden Punkte/Fragen ein:


Schritt 1: Kommen in dem Reiseland Erkrankungen vor, die durch Mücken übertragen werden?

In vielen Reiseländern besteht zwar praktisch kein Malariarisiko, jedoch kommen andere durch Mücken übertragene Erkrankungen vor. Dies gilt zum Beispiel für Teile der Karibik, viele Gebiete Südostasiens und Regionen der Südsee. Die wichtigste Erkrankung in diesem Zusammenhang ist das Denguefieber. Auch andere Krankheiten wie das Chikungunya-Fieber, die Orientbeule (kutane Leishmaniose), Japanische Enzephalitis sind unter Umständen zu berücksichtigen.
Empfehlung des Arztes: Wird ein Land bereist, in dem durch Mücken übertragene Erkrankungen vorkommen (egal, ob Malaria und/oder andere), so sollte sorgfältig (in den meisten Fällen) ganztägig auf Mückenschutzmaßnahmen geachtet werden.


Schritt 2: Gibt es in der bereisten Region tatsächlich Malaria?

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, in Ländern, in denen ein Malariarisiko bestehen könnte, auf einen sorgfältigen Mückenschutz zu achten, hinsichtlich dieser Erkrankung insbesondere in den Abend- und Nachtstunden. Das Bett sollte durch ein Moskitonetz geschützt sein oder sich in einem Raum befinden, der tagsüber klimatisiert wurde. Jedes Fieber ist in einem Land, in dem Malaria vorkommt, auch verdächtig von Malaria verursacht zu sein. Daher ist eine rasche ärztliche Abklärung erforderlich. 

Bevor über zusätzliche, spezifische Anti-Malaria-Maßnahmen gesprochen wird, ist es sinnvoll zu klären, ob in der Region des Reisezieles Malaria vorkommt. In vielen Reiseländern ist das Malariarisiko sehr unterschiedlich. Malariafreie Gebiete liegen neben Regionen mit relativ hohem Risiko. Beispielsweise sind viele südthailändische Inseln komplett frei von Malaria, während in anderen Landesteilen, zum Beispiel in Grenznähe zu Myanmar oder Kambodscha, zum Teil ein hohes Malariarisiko besteht. Oft ist das Risiko unklar, wenn Meldezahlen von Erkrankungen nur für die einheimische Bevölkerung vorliegen, das Risiko in Touristenanlagen, in denen Insektizide versprüht werden, aber nicht untersucht wurde.
 

Schritt 3: Wie hoch ist das Malariarisiko im Urlaubsgebiet?

Für den Fall, dass Sie sich in einem Gebiet mit hohem Risiko für Malaria aufhalten, z.B. in vielen Gebieten des tropischen Afrikas, ist i.d.R. eine medikamentöse Malariavorbeugung sinnvoll. Bei der Auswahl eines Malariamedikamentes muss auch die Resistenzsituation im Reisegebiet berücksichtigt werden. So finden sich in weiten Teilen Südostasiens Resistenzen gegen die Malariamedikamente Chloroquin und Mefloquin. Bei der medikamentösen Prophylaxe ist es erforderlich, mit der Tabletteneinnahme rechtzeitig vor Betreten des eigentlichen Risikogebietes zu beginnen. Die Tabletteneinnahme muss während des Aufenthaltes sowie eine definierte Zeit nach Verlassen des Malariagebietes fortgeführt werden.

 

Schritt 4: Kommt eine Malaria-Notfalltherapie (Stand-by-Therapie) infrage?

Wenn das Risiko, an einer Malaria zu erkranken niedriger ist als das Risiko, eine schwere Nebenwirkung durch die Vorbeugungsmedikamente zu erleiden (statistisch etwa 1:10.000), wäre eine medikamentöse Vorbeugung nicht sinnvoll. Gerade in einem solchen Fall könnte sich (trotz besonders notwendigem und durchgeführtem Mückenschutz) hinter einer fieberhaften Erkrankung Malaria verbergen. Die Risiken einer Malariainfektion sind dann relativ klein, wenn rasch behandelt wird. Also sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, der eine Malaria ausschließen oder bestätigen kann. Wenn ein geeigneter Arzt nicht erreicht werden kann, muss auf Verdacht mit mitgeführten Medikamenten eine Selbstbehandlung durchgeführt werden (so genannte Malaria-Notfalltherapie oder Stand-by-Behandlung).
Risiken der Stand-by-Therapie könnten darin bestehen, dass die Medikamente bei fieberhaften Erkrankungen anderer Ursache eingenommen werden, und dann deren Verlauf eher ungünstig beeinflussen würden. Die Senkung des Erkrankungs- und Sterblichkeitsrisikos von Reisenden durch das Konzept "Stand-by-Therapie" ist bisher nicht durch wissenschaftliche Studien belegt. Im Zweifel ist daher die Behandlung durch einen qualifizierten Arzt immer vorzuziehen.
Eine lange Aufbewahrung der Medikamente nach der Reise oder ihre Weitergabe birgt Risiken - wenn die Verpackung gelitten hat oder das Verfallsdatum sich nähert, sollten sie entsorgt werden.    

Die folgenden Bedingungen sollten zutreffen, bevor die Verschreibung eines Malarianotfallmedikamentes in Betracht kommt:

Werden Kinder, vor allem Kleinkinder, mit in die Tropen genommen, so ist das Notfalltherapie-Konzept eher kritisch zu sehen. Eine Dosisanpassung der jeweiligen Medikamente an das Körpergewicht des Kindes ist möglich. Jedoch kann der Versuch einer Notfall-Malariabehandlung bei einem hochfieberhaften Kind, besonders in Verbindung mit Erbrechen und Durchfall, sehr schnell zu einer Überforderung der Eltern führen. Möglichst sollte die Reise bereits im Vorfeld so organisiert werden, dass stets innerhalb weniger Stunden eine kinderärztliche Versorgung gewährleistet ist.


Schritt 5: Auswahl eines geeigneten Malarianotfallmedikamentes!

Bei der Auswahl eines Malarianotfallmedikamentes ist zunächst, wie bei der Prophylaxe, die Resistenzsituation im Reiseland zu berücksichtigen. Beispielsweise kommt der Wirkstoff Chloroquin u.E. nur noch in Mittelamerika als Notfallmedikament infrage. Hinsichtlich der Verträglichkeit ist zu berücksichtigen, dass Malariamedikamente im Falle einer Therapie höher dosiert werden als im Falle einer vorbeugenden Einnahme. So wird beispielsweise bei einer Notfalltherapie mit dem Wirkstoff Mefloquin das sechsfache der wöchentlich erforderlichen Dosis bei der Vorbeugung verabreicht. Sind für ein bestimmtes Medikament Unverträglichkeiten oder Gegenanzeigen bekannt (z.B. Depression als Gegenanzeige für die Anwendung von Lariam®), ist das Notfalltherapiekonzept KEINE Alternative zur Prophylaxe. Bestimmte Notfallmedikamente wie Lariam® oder Riamet® können bei Patienten, die Herz- oder Blutdruckmedikamente einnehmen, das Risiko für Herzrhythmusstörungen erhöhen.


Fazit

Das Notfalltherapie-Konzept stellt in vielen Reiseländern ein nützliches, wenn auch noch nicht evaluiertes „Werkzeug“ dar, um angemessen mit dem Malaria-Risiko umzugehen. Eine korrekte Nutzung erfordert jedoch einen nicht unerheblichen Erklärungsbedarf. Nachdem der Arzt seine Empfehlung erläutert hat, sollte das Verständnis vor Abschluss des Gespräches zur Sicherheit hinterfragt werden.
 

Literatur

 Weitere Artikel

MG, HEF, S, 03.08.2012



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