Fachinformationen - Tollwutimpfung: Neues Postexpositionsprophylaxe-Impfschema


Neues Impfschema bei Tollwutverdacht

Tollwut ist eine Viruserkrankung, die von Tieren (u.a. durch Bisse) über deren Speichel übertragen wird. Häufig ist Tollwut vor allem in Indien, Pakistan, Bangladesch und benachbarten Staaten. Weltweit wird die Zahl der menschlichen Tollwut-Todesfälle auf über 50.000 pro Jahr geschätzt. In den USA werden etwa 20.000 bis 40.000 Menschen durch tollwutkranke Tiere (Waschbären, Skunks, Fledermäuse, Füchse u.a.) verletzt. Die Zahl der Todesfälle liegt bei durchschnittlich zwei bis drei pro Jahr.

Eine Tollwutinfektion verläuft bei ungeimpften Tieren oder Menschen in der Regel tödlich. Zwischen einem möglichen  Infektionszeitpunkt (z.B. Biss) und den Krankheitserscheinungen vergehen jedoch 15 bis 60 oder mehr Tage, so dass meist eine sehr wirksame Notfallimpfung (Postexpositionsprophylaxe) durchgeführt werden kann.

Das „Advisory Committee on Immunization Practices“ (ACIP) der USA gab am 24. Juni 2009 eine geänderte Empfehlung zu dem Vorgehen nach verdächtigen Tierkontakten bekannt. Personen, bei denen der Verdacht auf eine Exposition mit dem Tollwutvirus besteht, erhalten in den USA zukünftig nur noch vier Impfungen zur aktiven Immunisierung, anstatt der bisher empfohlenen fünf Tollwutimpfungen. Die Notwendigkeit zur ergänzenden Gabe von Tollwut-Hyperimmunglobulin (Passivimpfung) am Tag der ersten aktiven Impfung bleibt jedoch unverändert bestehen.

Die Gabe von fünf Impfungen an den Tagen 0, 3, 7, 14 und 28 in den Oberarm oder Oberschenkel war seit mehr als zwanzig Jahren der US-amerikanische Standard. Die Notwendigkeit der fünften Impfung war allerdings nicht wissenschaftlich belegt. Die in den USA vorliegenden Daten haben nun zu einer Neubewertung der Impfempfehlung geführt:

Das Vorgehen der ACIP ist jedoch nicht unumstritten, und die Empfehlung von fünf Impfungen zur Postexpositionsprophylaxe wird in der Fachinformation zunächst erhalten bleiben. Der Widerspruch zwischen nationaler ACIP-Empfehlung und international üblichem Vorgehen kann Ärzte und Patienten verunsichern und auch juristische Probleme aufwerfen. Die nationalen und internationalen Leitlinien müssen daher in Kooperation mit Herstellern und Zulassungsbehörden harmonisiert werden.

Weitere Artikel

Robert Koch Institut (Berlin)

Centers for Disease Control (Atlanta, USA)

MG/HEF, 11.04.2013



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