Reiseinformationen - Eradikationsprogramme (Filariosen) 5/6


Bekämpfung der Filariose
 

Einführung
Der in China tätige britische Arzt Patrick Manson konnte im Jahr 1877 als erster nachweisen, dass Insekten bei der Übertragung von Krankheitserregern eine Rolle spielen können. Manson beschäftigte sich nicht mit der Malaria, sondern mit der durch mikroskopisch kleine Würmer hervorgerufenen Filariose. Mehr als 20% der Weltbevölkerung lebt in Gebieten (89 verschiedene Länder), in denen Filariose vorkommt. Die Mehrzahl der Fälle findet sich in den tropischen/subtropischen Gebieten Afrikas, Asiens und der West-Pazifikregion. Die Zahl der weltweit Infizierten wird mit 120 Mio. geschätzt. Das Krankheitsbild der Lymphatischen Filariose kann durch unterschiedliche Parasiten hervorgerufen werden. Mehr als 90% der Erkrankungen resultieren aus einer Infektion mit dem Erreger Wuchereria bancrofti.


Klinisches Bild
Die Larven des Erregers dringen über den Saugrüssel der Mücken in die Haut ein und wandern entlang der Lymphgefäße, wo sie sich schließlich zu erwachsenen männlichen und weiblichen Würmern entwickeln. Die Weibchen wiederum setzen große Mengen Mikrofilarien (bestimmtes Larvenstadium) frei. Ein stärkerer Befall der Lymphgefäße kann zu einer Lymphangitis führen. Deutlich sichtbare Symptome einer (fortgeschrittenen) Filariose sind vor allem Lymphödeme, ggf. inklusive massiver Ödeme im Bereich der Genitalien oder der Beine (Elefantiasis). Weltweit sind schätzungsweise 40 Mio. Menschen von solchen sichtbaren Krankheitserscheinungen betroffen. Nicht selten kommt es im Verlauf der Erkrankung auch zu einer Schädigung der Nieren.

Bildquelle: Jäger


Eliminationsprogramme
Im Jahr 2000 wurde eine globale Allianz gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, nationale Programme zur Bekämpfung der Filariose zu unterstützen (www.filariasis.org). Verschiedene Schwierigkeiten sind hierbei zu überwinden. Oft konzentrieren sich die Regierungen der betroffenen Länder eher auf die Bekämpfung derjenigen Krankheiten, die im Focus der öffentlichen Wahrnehmung stehen, z.B. Aids, Malaria und Tuberkulose. Eine weitere Herausforderung ist die Kommunikation der Maßnahmen gegenüber den Patienten. Es ist naturgemäß sehr anspruchsvoll, einen Patienten, der (noch) keinerlei Symptome aufweist, von der Einnahme von Medikamenten zu überzeugen. Ausreichend ist jedoch schon die einmalige jährliche Einnahme der Medikamente Ivermectin und Albendazol. Wird dies innerhalb des gefährdeten Personenkreises über einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren konsequent durchgeführt, so lässt sich die Filariose in einer Region komplett eliminieren. Es hat sich bewährt, die Anforderung und Verteilung der Medikamente in die Verantwortlichkeit der jeweiligen Dorfgemeinschaften zu legen. Anders als bei der Malaria ist die Bekämpfung der Überträgermücke zur Eindämmung der Filariose nicht zwingend erforderlich. Einen großen Stellenwert im Rahmen der Eliminationsprogramme besitzt neben der medikamentösen Beseitigung der Filarien auch die medizische Versorgung derjenigen Patienten, die chronische Folgeschäden davongetragen haben, also zum Beispiel unter einer Elefantiasis leiden.


Bisherige Ergebnisse
In den ersten acht Jahren eines globalen Eliminationsprogrammes wurden fast zwei Mrd. medizinische Behandlungen in 48 von 83 Ländern mit Filarioseverbreitung verteilt. Statistisch konnten so bisher bei Betroffenen insgesamt 32 Mio. erkrankungsfreie Jahre („disability adjusted life years“) erzielt werden. Durch die verabreichten Antiwurmmedikamente (Anthelmintika) konnte zusätzlich die Belastung der Bevölkerung durch andere Parasiten (Darmwürmer, Onchozerkarien etc.) deutlich verringert werden.


Quellen

MJ Bockarie, DH Molyneux: The end of lymphatic filariasis? BMJ 2009;338:b1686.

WER No. 51-52, 2011; 86: 581-588.

 

MG, HEF, 09.08.2012



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