Fachinformationen - Fieber nach Tropenreise


Fieber nach Tropenreise

Fieber ist der Zustand einer Körpertemperaturerhöhung über einen Normalwert hinaus (beim Menschen 36,5°C-37,4°C). Fieber ist keine Krankheit, sondern ein frühzeitiges Krankheitszeichen - ein sog. Krankheits-Symptom.
Erkrankungen, die mit Fieber einhergehen, werden meist durch Bakterien oder Viren verursacht. Diese Krankheitserreger werden vom Abwehrsystem des Menschen als fremd und "feindlich" erkannt und durch unterschiedlichste Maßnahmen bekämpft, wodurch es unter anderem zu einer Höherregulierung der Körpertemperatur kommt. Die Abwehr arbeitet auf Hochtouren, Stoffwechselvorgänge werden beschleunigt und - ein intaktes Immunsystem vorausgesetzt - die unerwünschten Eindringlinge werden auf diese Art oft abgetötet.
Aber auch bei Tumorleiden oder Autoimmunerkrankungen, wie z.B. der rheumatoiden Arthritis, kann Fieber als ein Symptom auftreten.

In tropischen Regionen werden gefährliche Fieberzustände oft von Einzellern („Protozoen“ - insbesondere den Malariaerreger) verursacht. Deshalb ist nach einem Aufenthalt in einem Malariarisikogebiet jedes auftretende Fieber bis zum Beweis des Gegenteils Malaria-verdächtig. Jede fieberhafte Erkrankung während und noch Wochen nach Tropenaufenthalt erfordert eine sofortige Malariadiagnostik.

Man unterscheidet im Wesentlichen zwei Fiebertypen:


Krankheitserscheinungen

Fieber wird häufig von Appetitlosigkeit, Kopfschmerz und subjektivem Krankheitsgefühl begleitet. Während des Temperaturanstieges kann es zu Fieberkrämpfen (v.a. bei jungen Kindern), Frösteln, kühlen Gliedern oder auch Schüttelfrost kommen. Großer Flüssigkeitsverlust (Schwitzen!) kann Kreislaufschwäche mit niedrigem Blutdruck und erhöhter Pulsfrequenz verursachen. In Einzelfällen wird auch eine deutliche Bewußtseinstrübung beschrieben ("Fieberdelir").
Fieber wird klassischerweise durch die Messung der Körpertemperatur mittels eines Thermometers bestimmt. In letzter Zeit ist das vertraute Quecksilberthermometer zunehmend von elektronischen Fiebermeßgeräten verdrängt worden, deren Vorteil in einer sehr kurzen Meßzeit liegt. Manche Geräte ermöglichen neuerdings die Messung der Temperatur über den äußeren Gehörgang, womit die für manchen Erwachsenen, aber sicher auch jeden Säugling unangenehme "rektale" Messung im After entfällt. Die mancherorts noch übliche Temperaturmessung unter der Zunge oder unter den Achseln sollte wegen der großen Fehlerbreite heutzutage nicht mehr durchgeführt werden.
 

Komplikationen und Notfälle
Insbesondere Säuglinge und Kleinkinder sind bei länger anhaltendem, hohem Fieberverlauf nicht zuletzt durch den damit einhergehenden, erheblichen Flüssigkeitsverlust schnell auch lebensbedrohlich gefährdet.
Fieberkrämpfe (Krampfanfälle) entstehen bei Kleinkindern durch besonders schnellen Fieberanstieg und sind durch Senken der Körpertemperatur mit Hilfe von allgemeinen Maßnahmen wie z.B. Anlegen von kühlenden Wadenwickeln oder Begießen des Kindes mit kühlem Wasser sowie medikamentösen Maßnahmen zu durchbrechen.
Körpertemperaturen über 42 Grad Celsius sind im allgemeinen nicht mehr mit dem Leben vereinbar.
 

Wann muß der Hausarzt aufgesucht werden?
Hohes Fieber mit ausgeprägter Kreislaufschwäche muss gerade bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen durch den Hausarzt gesehen und gegebenenfalls begleitend behandelt werden.
Auch Fieberzustände, die auf "Selbstmedikation" keine Besserung zeigen, über 39,5 Grad steigen oder die über mehrere Tage anhalten, sollten dem Hausarzt angezeigt werden.

Bei Fieber nach Tropenaufenthalten ist grundsätzlich an eine mögliche spezielle Infektionserkrankung (Malaria?!) zu denken. Deshalb muss der Hausarzt selber bzw. eine tropenmedizinische Einrichtung diagnostische Maßnahmen einleiten. Tropenmedizinische Abteilungen können dem Hausarzt hier auch beratend zur Seite stehen.
Über längere Zeit bestehende subfebrile Temperaturen, möglicherweise verbunden mit ausgeprägtem Nachtschweiß und Gewichtsverlust, müssen ebenso grundsätzlich abgeklärt werden.
 

Behandlung
Fieber ist das Symptom einer Erkrankung. Es kann gelindert werden, wenn es gefährlich ansteigt. Zunächst aber sollte die Ursache des Fiebers erkannt und behandelt werden. Bei Nachweis einer bakteriellen Infektionserkrankung ist meist eine Antibiotikatherapie nötig, die bei einer Viruserkrankung aber wirkungslos bliebe. Hier stehen ggf. andere Mittel zur Hemmung der Virusvermehrung zur Verfügung. Symptomatische, d.h. gezielt fiebersenkende Therapie ist mittels einfacher Maßnahmen wie z.B. Wadenwickel u.ä. oder medikamentös z.B. mit Paracetamol möglich.

Vorgehen bei Fieber

Bei fieberhaften Patienten aus den Tropen muss zunächst geklärt werden:

Die Anfertigung und Beurteilung parasitologischer Blutausstriche erfordert viel Erfahrung.

In folgenden Fällen ist die Überweisung eines fieberhaften Patienten an einen Tropenmediziner bzw. an ein Tropeninstitut angezeigt:

Bei gutem Allgemeinzustand und geringem Malariaverdacht (z.B. Herkunft aus Gebiet mit geringer Malariaprävalenz, Prophylaxe) kann auch ein Dicker Tropfen (bzw. EDTA-Blut) an ein parasitologisches Labor oder an das Tropeninstitut geschickt werden, wenn sichergestellt ist, dass das Ergebnis am gleichen Tag vorliegt.

Nach Ausschluß einer Malaria kann eine stufenweise Abklärung des Fiebers in der Praxis erfolgen:

Basisdiagnostik bei Fieber

Sollte sich mit diesen Untersuchungen die Fieberursache nicht klären lassen (also nach Auschluß eines Harnweginfektes, einer Pneumonie etc.), ist bei persistierenden Fieber eine erneute Vorstellung bei einem Tropenmediziner indiziert. Bei Fieber mit schlechtem Allgemeinzustand, mit Zeichen der Sepsis, mit Krankheitszeichen des Nervensystems ist selbstverständlich die sofortige stationäre Einweisung indiziert.

Bei Fieber mit folgenden Begleitsymptomen ist eine sofortige Vorstellung bei einem Tropenmediziner bzw. im Tropeninstitut indiziert:


Bei Fieber und Zeichen einer Leberbeteiligung ist ansonsten zunächst die übliche Hepatitis-Diagnostik zu veranlassen (nach Auschluss einer Malaria), bei zusätzlichen Nierenfunktionsstörungen auch immer gleich eine Leptospirose- und Hantaanvirus-Serologie. Wenn diese Erstuntersuchungen ohne Befund bleiben, sind je nach Anamnese serologische Untersuchungen indiziert auf Zytomegalie, EBV, Hepatitis E, HIV, Dengue, Coxsackie, Herpes simplex; Chlamydiosen, Rickettsiosen, Q-Fieber, Brucellose, Yersiniose, Legionellose, Leptospirose, Borreliose, Lues; Systemmykosen; Toxoplasmose.

Generalisierte Lymphknotenschwellungen mit Fieber treten bei einer Vielzahl von viralen, bakteriellen und parasitären Infektionen auf und sind daher diagnostisch wenig wegweisend. Folgende Erkrankungen können in der Praxis serologisch ausgeschlossen werden: Zytomegalie, Mononukleose, Dengue-Fieber, HIV-Infektion; Rickettsiosen, Brucellose; Toxoplasmose.

In folgenden Fällen ist eine Überweisung an ein Tropenstitut indiziert:

Bei Fieber und Splenomegalie ist die Differenzialdiagnose ähnlich, folgende serologische Untersuchungen können in der Praxis veranlaßt werden (nach oben genannter Basisdiagnostik): CMV, EBV, HIV, Dengue; Borreliose, Brucellose, Leptospirose, Ornithose, Lues; Leishmaniasis, Toxoplasmose. Zur weiteren Abklärung wird dann eine Knochenmarksaspiration erforderlich, in diesem Fall sollte das Knochenmark unbedingt an ein Tropeninstitut eingeschickt werden zur mikroskopischen Untersuchung auf Leishmanien und auf Histoplasma capsulatum.

Bei Fieber mit pulmonalen Infiltraten ist zunächst keine spezfische tropenmedizinische Diagnostik erforderlich. Nur bei atypischen Röntgenbildern oder bei atypischen Verläufen ist an Krankheiten wie Histoplasmose (z.B. nach Besuch von Fledermaushöhlen), Melioidose (nach Aufenthalt in Südostasien) oder Paragonimiasis (Lungenegel-Infekionen) zu denken.

RMZ, 03.02.2009



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