Fachinformationen - Krebserkrankung


Krebs

"Krebs" oder "Karzinom" sind die Bezeichnungen für unkontrolliertes Wachstum von Zellen, die sich nicht an den ihnen vorgegebenen, hochspezialisierten Aufgabenrahmen halten. Das Krebsrisiko steigt mit zunehmendem Alter und Karzinom-auslösende Viren oder Substanzen wirken mit einer langen zeitlichen Verzögerung.


Als Ursachen der Krebsentstehung werden diskutiert:

Veränderungen von Zellgruppen entwickeln sich unterschiedlich rasch. Meist entstehen zunächst Vorstufen einer bösartigen Entwicklung, die sich noch spontan zurückbilden können. Daraus können lokal begrenzte Veränderungen entstehen (Carcinoma in situ), deren Entfernung zu einer vollständigen Heilung führt oder am Ende des Krankheitsprozesses zu einer Fernabsiedlung aggressiv wachsender Zellen, die schwieriger zu behandeln ist.

Zellveränderungen können ausgelöst werden durch:

Nicht funktionstüchtige Zellen werden normalerweise rasch von den Zellen des Immunsystems beseitigt. Schädigungen des Immunsystems, z.B. durch eine Infektion mit HIV/AIDS u.a., begünstigen daher das Entstehen von Krebserkrankungen.

 

Reisen bei bestehender Krebserkrankung

Reisen wirken sich günstig auf die Gesundheit aus, wenn sie planvoll, geruhsam und mit Genuss erfolgen. Das gilt auch für Patienten mit Grunderkrankungen, die das Leben erheblich beeinträchtigen. Hier ist jedoch eine sorgfältige Reiseplanung erforderlich, zu der die Besprechung der Reisepläne mit den behandelnden Ärzten gehört:

Die Mehrzahl der Standard- und Reiseimpfungen wird mit inaktivierten Impfstoffen durchgeführt. Hier besteht keine Infektionsgefahr durch verimpfte, lebensfähige Erreger. Es muss jedoch damit gerechnet werden, dass Impfungen bei Patienten mit eingeschränkter Immunabwehr weniger gut anschlagen, also der Impferfolg weniger ausgeprägt ist und auch weniger lange anhält. An diesem Punkt ist es oft sinnvoll, eine Auswahl Ihrer bevorzugten Wunschziele mit einem Tropen- bzw. Reisemediziner durchzusprechen. Auf Reisen in Regionen mit Gelbfieber- oder Malariarisiko sollte verzichtet werden, wie auch auf Reiseziele mit aktuellen Krankheitsausbrüchen oder Umwelt- oder Sicherheitsereignissen, die die Gesundheitsversorgung beeinträchtigen können.

Bildquelle: Werner Schönherr

Reisefähigkeit
Die wesentliche Einschätzung, ob Sie sich eine Reise zutrauen können oder nicht, kommt von Ihnen selbst. Häufig ist nach schweren Krankheitsereignissen das Selbstvertrauen stark beeinträchtigt. Eine Reise bietet dann die Chance, wieder mehr zu sich zu kommen und langsam Dinge auszuprobieren, die zu neuer Energie führen. Insbesondere Kreuzfahrten oder Reisen in Kurstätten sind für solche Situationen sehr geeignet, weil ärztlicher Rat jederzeit Verfügbar wäre und dies ein Gefühl der Sicherheit vermittelt. Damit es nicht zu Über- oder Fehleinschätzung der Leistungsfähigkeit kommt, ist es günstig, sich etwas genauer zu beobachten: "Welche Wegstrecken kann ich gehen, welche Wanderungen  genießen,  wie viele Meter schwimmen ...?".

Wichtig für die Einschätzung der Reisefähigkeit sind ferner Untersuchungsergebnisse beim Arzt, insbesondere der Hämoglobinwert. Hämoglobin (Hb) ist der rote Blutfarbstoff, der die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff vermittelt. Er sollte bei mindestens 9-10 g/dl liegen, bei Werten darunter ist große Vorsicht geboten. Sehr schnell können in solchen Fällen Bluttransfusionen im Reiseland erforderlich werden und die sind nicht in allen Ländern sicher, sondern bergen oft Risiken (wie u.a. Infektionskrankheiten).
Neben dem Hb-Wert ist die Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) von Bedeutung. Bei verringerten Leukozytenwerten steigt das Risiko für Infektionen durch Bakterien und Pilze. Bei mäßig verringerten Leukozytenwerten (zwischen 500 – 1500 /µl) sind Reisen prinzipiell möglich. Bei sehr niedrigen Leukozytenwerten (< 500/ µl) ist die Reisefähigkeit kritisch zu sehen, besonders bei geplanten Fernreisen. Etwa 20% der Weißen Blutkörperchen sind so genannte Lymphozyten. Das sind Zellen, die vor allem bei der Abwehr von Viren eine Rolle spielen. Verminderte Lymphozyten können selbst bei normaler Gesamtleukozytenzahl auf eine Abwehrschwäche hinweisen.
Auch Thrombozytenzahlen (Blutplättchen) sind bei der Beurteilung der Reisefähigkeit relevant. Bei Werten über 40.000/µl sind selbst Fernreisen möglich; dies gilt unter der Voraussetzung stabiler Werte und sofern die Thrombozyten nicht in ihrer Funktion gestört sind.

Bei der Beurteilung der Reisefähigkeit spielt auch die Herz- und Lungenfunktion eine wesentliche Rolle. Bei stark verminderter Lungenfunktion kommt die Versorgung mit Sauerstoff während des Fluges in Betracht. In solchen Fällen sollte frühzeitig Kontakt mit der entsprechenden Fluggesellschaft aufgenommen werden. Fluggesellschaften können Sauerstoffgeräte zur Verfügung stellen, gegebenenfalls wird jedoch die Reisefähigkeit zuvor durch den Medizinischen Dienst der Fluggesellschaft überprüft. Auch sollte die Fluggesellschaft frühzeitig über die Mitnahme von größeren Hilfsmitteln (z.B. Rollstuhl) informiert werden.
Bei körperlichen Behinderungen und häufiger Reiseaktivität kann ein FREMEC-Ausweis erstellt werden; besitzt der Reisende einen solchen Ausweis, entfällt das Ausfüllen umfangreicher Formulare.
Die Mitnahme von Schmerzmedikamenten, die in Deutschland oder dem Reiseland als Betäubungsmittel gelten, unterliegt besonderen Vorschriften und sollte rechtzeitig im Vorfeld der Reise geplant werden. U.a. eine Rücksprache mit der Botschaft des Reiselandes, Vorlege entsprechender Gutachten über die medizinische Notwendigkeit der Einnahme und Beantragung einer Einfuhrerlaubnis sind in der Regel unumgänglich.

Das Immunsystem arbeitet in einem Rhythmus, so dass es bei Flügen über mehrere Zeitzonen aus dem Takt geraten kann. Schwierigkeiten mit der Umstellung auf die neue Ortszeit (Jetlag) stellen eine Stressbelastung des Körpers dar, die u.a. auch zu einer Verschlechterung der Abwehrlage führt.

Bildquelle: Werner Schönherr
 
Immunisierungen
Reisen sind eine gute Gelegenheit, das Impfbuch auf mögliche Lücken hinsichtlich der Standardimpfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten durchzusehen. Für Aufenthalte in Asien, Afrika und m.E.  Lateinamerika kann je nach Reiseland auch eine Polioimpfung nötig sein.

Lebendimpfstoffe gegen Masern-Mumps-Röteln-Windpocken oder Gelbfieber dürfen Immungeschwächten nicht gegeben werden. Ob eine Schwächung Ihrer Abwehrkraft vorliegt, sollte jedoch Ihr behandelnder Hämatologe/Onkologe entscheiden, während der Tropen- und Reisemediziner Ihnen schwerpunktmäßig erläutert, welche Impfungen für welche Reise erforderlich sind, und welche Impfungen trotz Abwehrschwäche gegeben werden können.
Bei der Impfung gegen Poliomyelitis (Kinderlähmung) handelt es sich (bei den in Deutschland verwendeten Impfstoffen) nicht mehr wie früher um einen Lebendimpfstoff (Schluckimpfung), sondern ein Impfstoff mit inaktivierten Erregern.

Bei Patienten mit Zustand nach Chemotherapie – besonders in Fällen von Knochenmark- bzw. Stammzelltransplantation – sollten unabhängig von der Reise die folgenden Impfungen berücksichtigt werden: Grippe (Influenza), Pneumokokken (u.a. Erreger der bakteriellen Lungenentzündung), Haemophilus influenzae (Hib; in Deutschland kein Hib-Einzelimpfstoff verfügbar, ggf. aus anderen europäischen Ländern importieren), Meningokokken (u.a. Erreger der bakteriellen Hirnhautentzündungen).
Bei Patienten, die häufig Einrichtungen des Gesundheitswesens in Anspruch nehmen müssen, kommt auch eine Hepatitis B-Impfung in Betracht; dies gilt umso mehr, falls zu erwarten steht, dass medizinische Maßnahmen in Reiseländern außerhalb Europas notwendig werden.

Ein belastbarer Impfschutz gegen Hepatitis A wäre bei allen Reisen in die Tropen, Subtropen, nach Südeuropa und Osteuropa anzustreben. Der Impferfolg lässt sich, besonders im Hinblick auf Tetanus/Diphtherie-Impfungen und bei Impfungen gegen Hepatitis A und B, gut mittels einer Antikörperuntersuchung feststellen.
In Fällen, in denen kein sicherer Impfschutz, z.B. gegen Hepatitis A, erzielt wird oder in Fällen, in denen das Blut insgesamt eine verminderte Menge schützender Antikörper enthält, kann eine passive Immunisierung vorgenommen werden. Hier werden Antikörperpräparate gespritzt, die aus menschlichem Blut gewonnene und konzentriert angereicherte Immunglobuline enthalten. Immunglobulinpräparate bieten jedoch keinen dauerhaften Schutz, meist nur über einige Wochen.

Impfungen gegen Typhus, Tollwut, Japanische Enzephalitis könnten nur im Einzelfall bei Trekking einmal zweckmäßig sein, aber für Tumorpatienten sind diese Impfungen in der Regel nicht erforderlich, vor allem deshalb, weil die Reise bereits im Vorfeld so geplant werden sollte, dass keine ungünstigen hygienischen Rahmenbedingungen (Typhus), Aufenthalte in der Nähe von Reisfeldern und Schweinefarmen in Südasien (Japanische Enzephalitis) oder unvermeidbare Tierkontakte (Tollwut) zu erwarten sind.


Während der Reise

Patienten mit künstlichem Darmausgang oder Urinkatheter sollten die Beutel noch am Reisetag entleeren.
Auch zu beachten ist das erhöhte Thromboserisiko im Falle von Tumorleiden. Dies ist vor allem bei langen Flug- oder Bussreisen unter beengten Sitzbedingungen relevant. Wichtig ist zunächst auf ausreichend Bewegung zu achten. Mindestens einmal pro Stunde aufstehen und auch während des Sitzens bewegen, z.B. Fußwippen, Wadenmuskeln abwechselnd anspannen und wieder entspannen.
Besonders wichtig ist das Trinken ausreichender Mengen von Wasser und Fruchtsäften. Ergänzend ist bei Tumorpatienten in der Regel auch eine “Blutverdünnung” mit Heparin sinnvoll. Die Einnahme von ASS (Aspririn(®) o.ä.) führt zwar zu einer leichten “Blutverdünnung", bietet aber keinen Schutz vor Thrombosen.

Patienten, bei denen Tumorabsiedelungen in den Knochen vorliegen, sollten während einer Reise vor allem Anstrengungen des Muskel-Skelett-Apparates, wie schweres Heben, vermeiden. Auch zu langes Stehen ist unvorteilhaft.
Wegen der Häufigkeit von Darminfektionen und der oft erhöhten Infektanfälligkeit von Patienten mit Blut- oder Tumorerkrankungen sollte praktisch der gesamte Flüssigkeitsbedarf – abgesehen von kochend heiß zubereiteten Getränken – über abgefülltes Mineralwasser in verschlossen Flaschen gedeckt werden. Auf den Genuss heimischer Spezialitäten und Getränke sollte sicherheitshalber komplett verzichtet werden.
Reisende mit verringerten Leukozytenwerten sollten besonders sorgfältig auf Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene achten. Auf Nüsse, rohes Obst, Salate, Wein oder nicht frisch-zubereitetes Essen sollte verzichtet werden. Ergänzend kann die Keimbelastung durch antiseptische Mundspülungen und bei kleineren Hautverletzungen durch Anwendung von Wunddesinfektionsmitteln verringert werden. Sollten während der Reise Diarrhöen auftreten, kann eine kalkulierte Behandlung mit einem Breitbandantibiotikum (z.B. Ciprofloxacin) in Kombination mit einem Pilzmedikament (z.B. Amphotericin B) begonnen werden. Sobald wie möglich sollte jedoch ein Arzt zur weiteren Untersuchung und ggf. Umstellung der Therapie aufgesucht werden.

Bildquelle: Werner Schönherr

Nach der Reise
Sollten während einer Reise länger anhaltende Durchfälle, grippeähnliche Beschwerden oder Hautveränderungen aufgetreten sein, so ist nach der Reise ein Gespräch mit einem Tropenmediziner sowie eine orientierende Untersuchung (u.a.) auf Infektionskrankheiten zu empfehlen. Auch der behandelnde Hämatologe/Onkologe sollte über Beschwerden während oder nach der Reise informiert werden.

Fazit
In der Regel braucht auch bei schweren Erkrankungen nicht auf das Reisen verzichtet werden. Eine sorgfältige Planung und Abstimmung mit dem Hausarzt, behandelndem Onkologen/Hämatologen sowie einem Reise-/Tropenmediziner ist sinnvoll. Auch nicht-tropische Reiseziele bieten hervorragende Entspannungs- und Erholungsmöglichkeiten.

 

Quellen

 Weitere Artikel

HEF, MG, 22.10.2012



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