Reiseinformationen - Malaria knowlesi


Neuer Malariaerreger in Südostasien

Malaria wird in feuchtwarmen Gebieten durch Mücken (Anopheles) übertragen. Anopheles leben in Bäumen, fliegen in der Dunkelheit, nehmen den Erreger bei einer Blutmahlzeit bei einem Infizierten auf und geben ihn dann weiter, nachdem er in der Mücke einen Entwicklungszyklus durchlaufen hat. Malariaerreger (Plasmodien) gehören zu den Einzellern. Infektionen mit Plasmodium falciparum können schwere Krankheitsverläufe verursachen (Malaria tropica). Infektionen mit anderen Plasmodienarten (P. vivax, P. ovale und P. malariae) sind weniger gefährlich. Alle Malariainfektionen sind behandelbar und die Gefahr ist relativ gering, wenn eine Therapie rechtzeitig und mit geeigneten Wirkstoffen erfolgt.

Malaria bei Affen
Die vier Erreger der Malaria beim Menschen sind nur ein Teil des gesamten Spektrums von etwa 170 Plasmodienarten. Bei Tieren werden immer wieder neue Malariaerreger beschrieben. Bei hochentwickelten Affenarten (Primaten) kommen 25 Arten von Plasmodien vor. Plasmodium knowlesi beispielsweise kann, aufgrund unserer großen biologischen Ähnlichkeit mit den Primaten, auch auf den Menschen übertragen werden.

Plasmodium knowlesi
Der Erreger befällt u.a. Makaken, eine in Asien verbreitete, pavianähnliche Affenart.

Infektionen des Menschen mit diesem Erreger wurden bislang als Rarität betrachtet. Eine in Ostmalaysia durchgeführte Studie, in der 960 Proben von Malariapatienten untersucht wurden, zeigte einen überraschend hohen Prozentsatz (knapp 28%) von P. knowlesi-Infektionen. Bei 85% war eine Infektion mit einem anderen Erreger (Plasmodium malariae) vermutet worden. Vier im Rahmen der Studie beschriebene Todesfälle waren zunächst irrtümlich einer Infektion mit Plasmodium malariae zugeschrieben worden.

Seit der ersten Beschreibung einer Übertragung auf den Menschen im Jahr 1965 werden u.a. in Malaysia (Halbinsel, Sarawak, Sabah), Indonesien (Borneo), Philippinen, Myanmar und Thailand immer wieder Infektionen mit Plasmodium knowlesi beobachtet. Insgesamt wurden weltweit über 150 Fälle beschrieben; einer davon zum Beispiel 2008 in Singapur, einer Stadt, die als malariafrei gilt, in der aber wild lebende Affen vorkommen.

Vorgehen bei Krankheitsverdacht

Jedes Fieber während oder nach Aufenthalt in Gebieten mit Malariavorkommen ist verdächtig auf Malaria, auch wenn es andere Ursachen (Viren u.a.) haben könnte. Eine Infektion mit Malaria muss rasch bestätigt oder sicher ausgeschlossen werden. Nur mit einer rechtzeitigen und konsequenten Behandlung werden komplikationsreiche Verläufe vermieden. Die Malariadiagnostik gehört in die Hand eines tropenmedizinisch erfahrenen Arztes. Nur, wenn kein qualitativ geeigneter Arzt innerhalb weniger Stunden erreicht werden kann, muss eine Behandlung mit einem Notfallmedikament durchgeführt werden (Riamet®, Malarone® u.a.).

Die Dringlichkeit der Untersuchung bei Malariaverdacht erlaubt keine Terminvereinbarungen oder Versenden von Blutproben an ein Labor. Die Diagnostik und die Befundbesprechung mit dem Patienten erfolgen unmittelbar an Ort und Stelle. Findet sich bei Asienreisenden eine mikroskopisch diagnostizierte Infektion mit Plasmodium malariae, kann sich dahinter auch der neue Erreger verbergen. Dieser Verdacht liegt besonders dann nahe, wenn die Untersuchung ergibt, dass die roten Blutkörperchen stark befallen sind (hohe Parasitendichte!).

Behandlung
Plasmodium knowlesi vermehrt sich schnell im Blut. Daher ist es so wichtig, frühzeitig zu behandeln. Auch in den Gegenden Asiens, in denen die meisten Malariaerreger gegen das Medikament Chloroquin resistent sind, ist dieser Wirkstoff in der frühen (!) Phase einer P. knowlesi-Infektion gut wirksam. Vorzugsweise wird jedoch mit einem Artemisininpräparat behandelt. Eine Nachbehandlung mit Primaquin ist nicht erforderlich.

Literatur, Links

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MG, HEF, 12.06.2013



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