Fachinformationen - Gift: Scombrotoxin


Scombrotoxin-Vergiftung

Bildquelle: Werner Schönherr

Allgemein
Bei Vergiftungen im Zusammenhang mit Fischmahlzeiten unterscheidet man vor allem die folgenden drei Ursachen:

Die Scombrotoxin-Vergiftungen werden besonders nach dem Verzehr von Fischen mit dunklem Muskelfleisch, zum Beispiel bei Thunfisch, beobachtet.

Pathophysiologie
Fische wie Makrelen, Thunfisch, Heringe, Sardinen, Sardellen enthalten einen hohen Anteil an der Aminosäure Histidin.
Bei falscher Lagerung kommt es zu Zersetzungsprozessen durch eigene Enzyme und vor allem durch Bakterien. Hierbei entstehen biogene Amine wie Histamin, Cadaverin, Putrescin, Methylamine, Phenylethylamin. Bei Bakterien unterscheidet man starke Histaminbildner wie Klebsiella pneumoniae, Proteus morganii, Escherichia aerogenes von schwachen Histaminbildnern wie Escherichia coli. Meist ist die Anwesenheit von Histamin in der Nahrung jedoch ohne große Bedeutung. Vermutlich sind weitere begünstigende Faktoren erforderlich, damit Histamin die Darmbarriere durchbrechen und in größerer Menge in die Blutbahn gelangen kann. Solche Faktoren könnte die Hemmung von histaminmetabolisierenden Enzymen durch andere in Fischen enthaltene biogene Amine sein. Auch eine Beeinträchtigung der schützenden Muzinschicht kann den Übertritt des Histamins in die Blutbahn begünstigen. Bestimmte Medikamente wie das Tuberkulostatikum Isoniazid können den Abbau von Histamin durch eine Hemmung der Histaminase im Magen-Darm-Trakt verzögern.

Klinik und Diagnostik
Manchen Autoren berichten über einen auffällig scharfen („pfeffrigen“) Geschmack von Fischen mit hohem Scombrotoxingehalt. Meist treten innerhalb von weniger als einer Stunde (wenige Minuten bis max. 3 Stunden) nach dem Verzehr des histaminhaltigen Fleisches Beschwerden auf. Im Vordergrund der Symptomatik stehen Brennen im Bereich von Mund und Rachen, Flush (im Sinne einer rötlich-fleckigen Verfärbung der Haut), Hitzewallungen, Juckreiz, Kopfschmerz und Schwindel. Gelegentlich finden sich Urtikaria und generalisierter Hautausschlag. Auch schwere anaphylaktoide Krankheitsverläufe mit Bronchospasmen und Blutdruckabfall können auftreten. Auch Fieber, Schüttelfrost und Zyanose sind möglich. Die Reste verdächtiger Fischgerichte sollten asserviert werden. Eine Untersuchung auf Histamin ist möglich. Einen Anhalt auf eine Histaminvergiftung liefern oft bereits die klinischen Symptome in zeitlichem Zusammenhang mit dem Verzehr von histidinreichen Fischen. Differenzialdiagnostisch muss stets auch an eine bakterielle Lebensmittelvergiftung gedacht werden. Als weitere wichtige Differenzialdiagnose ist die Nahrungsmittelallergie zu nennen. Für eine Scombrotoxin-Vergiftung sprechen die folgenden Punkte:

Ähnliche Symptome wie die Scombrotoxin-Vergiftung finden sich bei Ciguatera, einer Vergiftung durch in Fischen angereichertes Mikroalgen-Toxin. Bei Ciguatera finden sich ebenfalls Übelkeit, Kreislaufbeschwerden und neurologische Symptome, z.B. Parästhesien im Mundbereich. Anders als bei Scombrotoxin-Vergiftungen bleiben bei Ciguatera Antihistaminika ohne Wirkung. Stets ist auch an eine bakterielle Lebensmittelvergiftung zu denken.

Bildquelle: Karoline Bloch


Therapie

Die Erkrankung zeigt im Allgemeinen einen selbstlimitierenden Verlauf. Unbehandelt verschwinden die Beschwerden meist innerhalb von 8 bis 10 Stunden, unter Behandlung mit Antihistaminika nach 2-3 Stunden. Ein besonders rascher Effekt lässt sich durch die intravenöse Gabe von 300 mg Cimetidin erzielen. Einige Stunden nach der Infusion können weitere 300 mg Cimetidin p.o. gegeben werden. Bei Schocksymptomatik sind entsprechende intensivmedizinische Maßnahmen erforderlich. Kommt es andererseits zu deutlich erhöhten Blutdruckwerten, so kann u.a. Nitrolingual®Spray eingesetzt werden.


Prophylaxe
Durch einfache Maßnahmen lässt sich eine übermäßige Histaminbildung verhindern. Zunächst sollte das Blut der frisch gefangenen Fische sorgfältig entfernt werden. In der Verarbeitung der Tiere muss auf gute hygienische Bedingungen geachtet werden. Schließlich ist eine rasche Kühlung (< 7°C), bzw. Eineisung eine wirksame Maßnahme. Beim Kauf von Fischen ist vor allem die Farbe und Beschaffenheit der Kiemen ein guter Indikator für Frische und korrekte Lagerung. Probleme können auftreten, wenn Fische in wärmeren Gewässern gefangen werden und noch längere Zeit im Wasser aufbewahrt werden.

Quellen

Maßnahmen bei Verletzungen durch Gifttiere

Mehr zu Gifttieren

MG, 18.12.2012



Drucken

Zur Website www.gesundes-reisen.de