Fachinformationen - Tollwutimpfung


Tollwutimpfung: Langzeitimmunität

Die Tollwut ist in weiten Teilen Mittel- und Westeuropas erfolgreich eingedämmt worden.
Einige Länder wie Großbritannien, Australien und Neuseeland gelten sogar als völlig frei von Landtiertollwut. Weltweit ist die Erkrankung jedoch noch weit verbreitet und eine der wenigen Infektionskrankheiten deren Sterblichkeitsrate bei praktisch 100 Prozent liegt. In den vergangenen Jahren sind auch wiederholt Touristen, zum Beispiel nach Tierkontakten in Indien oder Marokko, der Tollwut zum Opfer gefallen. Treten erste Symptome der Erkrankung in Erscheinung, ist eine Rettung des Patienten auch mit modernsten Methoden der Intensivmedizin nicht mehr möglich. Klassische Symptome der Tollwut sind Muskel- und Schlundkrämpfe beim bloßen Anblick von Wasser (Hydrophobie), ausgeprägte Lichtscheu und Krämpfe bei Luftzug (Aerophobie).

Impfung

Durch vorbeugende Impfung mit modernen Zellkulturimpfstoffen (an den Tagen 0, 7, 21) wird eine Erkrankung nach Biss sicher verhindert. Auch eine rasche nachträgliche Versorgung Ungeimpfter mit Zellkulturimpfstoffen und Tollwuthyperimmunglobulin (hochkonzentrierte menschliche Antikörper gegen das Tollwutvirus) bietet noch einen guten Schutz vor Erkrankung. Diese nachträgliche Tollwutimmunisierung beinhaltet die Gabe von fünf einzelnen Impfungen mit Gewebekulturimpfstoff an den Tagen 0, 3, 7, 14, 28. Nach dem verdächtigen Tierkontakt sollte so bald wie möglich mit der nachträglichen (postexpositionellen) Immunisierung begonnen werden. Am Tag der ersten aktiven Impfung (Tag 0) wird zusätzlich Tollwuthyperimmunglobulin (Serum) verabreicht. Diese Serumgabe erfolgt u.a. direkt hinein in die Bissstelle.

Dilemma
Neben dem Status „geimpft“ oder „ungeimpft“ findet sich in den Industrieländern eine zunehmende Zahl von Personen, die vor längerer Zeit, zum Beispiel in Vorbereitung auf eine Indienreise, eine vollständige Tollwutgrundimmunisierung mit modernem Impfstoff erhalten haben. Wird dann vor einer weiteren Fernreise in späteren Jahren auf die Durchführung einer Auffrischimpfung verzichtet, kann nach Verletzung durch verdächtige Tiere der behandelnde Arzt leicht vor einem Dilemma stehen:

Ob für Personen mit sehr lange zurückliegender Grundimmunisierung im Falle einer Bissverletzung die üblicherweise empfohlene aktive Auffrischimpfung (Tag 0 und 3) (ohne zusätzliche Serumgabe) ausreicht, wurde inzwischen neu untersucht.

Neue Daten
In einer aktuellen Studie wurden Tollwutantikörper im Blut einer kleinen Gruppe von Tierärzten untersucht, deren letzte Tollwutimpfung bereits 14 Jahre zurücklag. Die üblichen Abstände für Auffrischimpfungen liegen je nach verwendetem Impfstoff bei 2 bis 5 Jahren. Bei allen untersuchten Personen fand sich ein Antikörperspiegel, der deutlich im protektiven (schützenden) Bereich lag. Nach Gabe einer einzelnen nachträglichen Tollwutimpfung ließ sich dieser Ausgangswert noch einmal (durchschnittlich) um das Zehnfache steigern. Untersuchungen anderer Arbeitsgruppen zeigten ähnliche Ergebnisse. Zu beachten ist jedoch, dass bei einigen Impfstoffen, die Grundimmunisierung erst mit einer 4. Impfung, ein Jahr nach der 3. Impfung, abgeschlossen ist. Hier kann ein deutlicher Abfall der Antikörperkonzentrationen zwischen 3. und 4. Impfung nicht ausgeschlossen werden. Die Gabe der 4. Impfung führt dann jedoch wieder zu einem schnellen Anstieg der Antikörperkonzentrationen und im Allgemeinen zu einem längerfristigen Impfschutz von >= 5 Jahren.

Fazit

Die gängige Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation zum Vorgehen bei Personen mit vollständiger Grundimmunisierung dürfte nach bisherigem Kenntnisstand auch für Personen mit länger zurückliegenden Impfungen geeignet sein. Trotzdem sollte am besten bereits die Zeit vor Antritt einer Fernreise genutzt werden, um Tollwutauffrischimpfungen nachzuholen.

Quellen:

 Weitere Artikel

 

MG, SH, 11.04.2013



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