Fachinformationen - Hepatitis D


Hepatitis D

Erreger:

Hepatitis D-Virus (HDV), ein nicht intaktes RNA-Virus, das für die Replikation das Oberflächenantigen (HBsAg) des Hepatitis B-Virus´ benötigt. Drei Erregertypen sind bekannt. Den Typ I findet man vor allem in den westlichen Industrieländern, den Typ II in Ostasien und den Typ III in Südamerika.
Verbreitung:
Besonders im Mittelmeerraum, hier vor allem in Süditalien mit > 50% Prävalenz innerhalb der HBsAg-Träger. Außerhalb Europas findet sich ein endemisches Vorkommen vor allem in Zentralafrika, nördlichem Südamerika und Nordafrika. In Südostasien und China sind HDV-Infektionen seltener.
Infektionsweg:
Meist über Blut und Blutprodukte. Eine sexuelle Übertragung des Erregers ist von untergeordneter Bedeutung. Vertikale Übertragungen unter der Geburt finden sich nur selten. Eine Übertragung ist nur entweder auf dem Boden einer bestehenden Hepatitis B oder bei gleichzeitiger Infektion mit dem Hepatitis B-Virus möglich. Als Risikogruppen gelten i.v. -Drogenabhängige, Patienten mit gehäuften Transfusionsbehandlungen, Dialysepatienten,  Transplantierte.
Inkubationszeit:
Im Falle einer simultanen Infektion 3-5 Wochen, bei Superinfektion auf dem Boden einer bestehenden Hepatitis B im Schnitt 12-14 Wochen.
Klinik:
Bei simultaner HDV/HBV- Infektion steht oft das akute Krankheitsgeschehen im Vordergrund. Die akute Hepatitis verläuft in diesen Fällen oft schwer und komplikationsträchtig, mit deutlicher Erhöhung der leberspezifischen Laborwerte. Krankheitszeichen sind mit Auftreten von anti-HBs-Antikörpern rückläufig. Chronifizierungen sind bei gleichzeitiger HDV/HBV-Infektion mit 2%  jedoch eher selten. Erfolgt die HDV-Infektion auf dem Boden einer HBV-Infektion werden bei 70-90% aggressiv chronische Hepatitiden beobachtet. Auch Todesfälle sind möglich. Eine starke HDV-Replikation in Verbindung mit einer Unterdrückung der Hepatitis B-Virus-Vermehrung.
Diagnostik:
Bei Superinfektion dauerhaft hohe anti-HDV-IgG-Werte. Bei Simultaninfektion ist anti-HDV-IgG nur schwach und kurzzeitig vorhanden. Vor allem ein schnelles Verschwinden von IgM ist ein prognostisch günstiges Zeichen. Nachweis von HDV-RNA und HDV-Antigen, vor allem zur Kontrolle des Krankheitsverlaufes.
Differentialdiagnose:
Andere Formen der Virushepatitis (Hepatitis A-E). Chronische Leberschädigung durch Alkohol, Medikamente oder Schadstoffe. Primär biliäre Zirrhose, angeborene Stoffwechselerkrankungen (M. Wilson u.a.).
Therapie:
Eine spezifische Therapie steht nicht zur Verfügung. Behandlungsversuche können mit alpha-Interferon oder Ribavirin durchgeführt werden. Im Zuge einer fulminanten oder aggressiv chronischen Hepatitis kann eine Lebertransplantation notwendig werden.
Prophylaxe, Immunität:
Der effektivste Schutz vor einer HDV-Infektion besteht in der Impfung gegen Hepatitis B. Impfstoffe gegen HDV sind nicht verfügbar. Vermeidung von Kontakten mit infektiösen Körperflüssigkeiten.

 

MG, 21.08.2012



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