Reiseinformationen - Therapie: Organentnahme im Ausland


Organentnahme im Ausland

Organentnahmen sind bei deutschen Bundesbürgern im Ausland im Prinzip ohne Zustimmung möglich.
 
Im Gegensatz zum Deutschen Transplantationsgesetz (TPG), bei dem die Zustimmungslösung gilt, d.h. der Organspender zu Lebzeiten sein Einverständnis zu einer Organentnahme bekundet haben muss, gilt in den meisten Ländern die Widerspruchslösung. Bei dieser muss ein, von den dortigen Ärzten lesbarer, Widerspruch zur Verhinderung einer Organentnahme vorliegen, möglichst in Englisch oder in der Landesprache.
 
In einem Widerspruchsregister kann jeder seinen Widerspruch zur Verhinderung einer ungewollten Organentnahme im Ausland eintragen lassen. Dieses liegt beim Verfügungszentralregister, der führenden deutschen Online-Datenbank zur Registrierung von Vorsorgeverfügungen, u.a. auch Organspendeverfügungen.
Zur zusätzlichen Absicherung erhält jeder, der seinen Widerspruch in das Widerspruchsregister eintragen lässt, einen mehrsprachigen Widerspruchsausweis, auf dem vermerkt ist, dass der Betreffende kein Organspender ist und dass diese Erklärung unter www.dvzag.de online abgefragt werden kann.

 
Internationaler Organhandel
Organtransplantationen sind wirksame Methoden zu Behandlung von Krankheiten, die mit einem nahezu vollständigen Organversagen einhergehen. Krankenhäuser in 91 Ländern führen Transplantationen durch, in weiteren Ländern, in denen nicht transplantiert wird, werden Organe entnommen und versandt. Wesentliche Empfängerländer für Organhandel sind Kanada, USA, Israel, Japan, Oman, Saudi Arabien. 
 
Die Entnahme von Organen bei verstorben Personen ist in vielen Ländern durch ethische und kulturelle Einstellungen erschwert. In Japan gilt z. B. traditionell ein Mensch dann als verstorben, wenn lange nach dem Hirntod alle Organe zu verwesen beginnen. In diesem Zustand ist eine Transplantation nicht mehr möglich. Das entscheidende Todeskriterium in Europa ist die Funktionsbeendigung des Großhirns, wobei aber noch wesentliche Teile des Nervensystems intakt sind: Stammhirn, Rückenmark und das Nervensystem des Darmes. Die Entnahme von Organen bei einem lebenden Spender ist in unseren Breiten gerechtfertigt, wenn dieser es ohne ökonomische Gegenleistung tut, weil ihm das Leben des Empfängers wertvoll ist. In zahlreichen Schwellenländern hat sich dagegen ein kommerzieller Organhandel mit Nieren und Teilen der Leber von lebenden Spendern entwickelt, die meist aus sozial sehr schwierigen Verhältnissen stammen, mit der Spende vorübergehende Notsituationen beheben wollen, aber keine Nachsorge oder Nachbetreuung erhalten.
 
In China waren „Spender“ häufig Strafgefangene, die so exekutiert werden, dass die Organe keinen Schaden erleiden. Diese Politik soll sich nach einer Ankündigung des chinesischen Gesundheitsministerium vom August 2009 durch neue legale Verordnungen ändern. Ob Änderungen gesetzlicher Regelungen zu einer Änderung der Entnahmepraxis führen werden, wird von vielen internationalen Experten bezweifelt. Gerade in letzter Zeit gelangten Berichte über Folterungen und unmenschliches Verhalten in Militärkrankenhäusern besonders gegenüber politischen Gefangenen an die Öffentlichkeit. In den westlichen Ländern sind Transplantationsmediziner und -ambulanzen zunehmen mit Patienten konfrontiert, die ihr Transplantat im Ausland erhalten haben. Mit einer erhöhten Organabstoßungsrate und vermehrten transplantationsbedingten Gesundheitsproblemen muss innerhalb dieser Patientengruppe gerechnet werden.
 
Die Nachfrage nach Transplantationen im Ausland steigt, da die Wartezeiten auf ein Organ in Nordamerika und Europa mehrere Jahre betragen können und in nach internationalem Recht halb-legalen Institutionen nur wenige Wochen. Ein Transplantations-Paket kostet in Indien, Pakistan, Korea, Oman, Malaysia, den Philippinnen und eventuell auch weiterhin in China etwa zwischen 70-160.000 US$.
 
 
Konsequenzen:
Literatur:

 

HEF, MG, 15.08.2013



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