Reiseinformationen - Masern, Mumps, Röteln, Windpocken (Reisen)


Masern, Mumps, Röteln, Windpocken und Reisen

Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sind Viruserkrankungen, die für Reisende aus folgenden Gründen von Bedeutung sein können:


Masern
Das Masern-(RNA)-Virus ist weltweit verbreitet und besonders stark in Entwicklungsländern. Mangelernährung, niedriger sozioökonomischer Status, Immundefekte und enges Zusammenleben begünstigen die ohnehin sehr leichte Übertragung der Infektion über die Luft und bewirken eine Zunahme des Risikos schwerer Verläufe. Außerhalb eines Wirtes ist das Virus für mehrere Stunden stabil und infektionstüchtig. Zu einer Erkrankung kommt es nach neun bis zwölf Tagen, beginnend mit einem unregelmäßig begrenzten Hautausschlag (vom Gesicht ausgehend), Augenentzündung, Flecken der Wangenschleimhaut, Husten und Fieber. Nach ein bis zwei Wochen klingen die Krankheitszeichen ab. Jedes Organ kann von Komplikationen betroffen sein. Gefährlich ist vor allem die Hirn- und die Lungenentzündung. Die Sterblichkeitsrate bei Masern beträgt in Industrienationen ca. 0,1% und in einigen Entwicklungsländern bis zu 25%. Das Überstehen der Masern hinterlässt eine lebenslange Immunität.

Röteln
Das Röteln-(RNA)-Virus kommt ebenfalls weltweit vor, ist aber nicht so leicht übertragbar, wie das Masernvirus. Die Erkrankung verläuft bei Kindern und gesunden Erwachsenen oft mild oder unbemerkt. Etwa vierzehn bis zwanzig Tage nach Infektion zeigt sich eine Rötung an der Haut der Ohren, Augenregion und Stirn begleitet von leichterem Fieber. Anschließend kommt es zu einem Ausschlag im Gesicht und Nacken. Bei Erwachsenen können Gliederschmerzen auftreten. Komplikationen sind relativ selten (1:6.000). Gefürchtet ist die Rötelninfektion in der Schwangerschaft, die zu Fehlgeburten oder kindlichen Missbildungen führen kann, wenn die Infektion in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen erfolgt. Fehlbildungen an Augen, Innenohr, Herz, Hirn u.a. können dann die Folge sein. Diese Erkrankungen sind durch rechtzeitige Impfung vor der Schwangerschaft, d.h. bei jungen Mädchen, 100% vermeidbar. Das Überstehen der Röteln hinterlässt eine lebenslange Immunität.

Mumps
Auch das Mumps-(RNA)-Virus ist weltweit verbreitet. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfchen und weniger leicht als bei Röteln. Etwa eine Woche nach der Infektion entwickelt sich bei zwei Drittel der Infizierten eine zunächst einseitige, später beidseitige Entzündung der Speicherdrüsen im Rachenraum (insbesondere der großen Halsdrüse Parotis). Komplikationen entstehen bei Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder der Hoden. Das Überstehen der Mumps hinterlässt meist eine lebenslange Immunität, Zweiterkrankungen sind möglich, aber selten.

Windpocken (Varizellen)
Varizellen sind weltweit verbreitet. Es handelt sich um eine Viruskrankheit, die durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht wird. Eine Reaktivierung des Erregers nach durchgemachter Infektion im späteren Lebensalter ist möglich und verläuft dann unter dem Bild einer Gürtelrose (Zoster). Das VZV ist sehr infektiös und wird meist durch direkten Kontakt mit Erkrankten oder durch Tröpfchen (Atemluft, Annießen, Anhusten) übertragen. Die Windpocken gehen bei Jugendlichen und Erwachsenen mit einer erhöhten Komplikationsrate einher. Es können beispielsweise Lungen- oder Gehirnentzündungen auftreten. Besonders gefährdet sind Personen mit ausgeprägter Immunschwäche (z.B. Leukämiepatienten). Windpocken in der Schwangerschaft können je nach Zeitpunkt der Infektion zu Fehlbildungen oder lebensbedrohlicher Erkrankung des Kindes führen.

Impfschutz
Masern, Mumps, Röteln und Windpocken kommen nur beim Menschen vor. Da ein sehr wirksamer Impfstoff gegen diese Infektionen zur Verfügung steht, können diese Infektionen in einem Land dann vollständig verdrängt werden, wenn die Durchimpfungsrate 95-98% beträgt. Dies ist z.B. in Finnland, aber noch nicht in Deutschland der Fall, so dass hier jährlich noch über hundert Fälle gemeldet werden.

Der Impfstoff besteht aus abgeschwächten (attenuierten) lebenden Viren, die bei 95% der geimpften Personen eine schützende Antikörperreaktion nach einer einmaligen Gabe erzeugt, die sehr lange, vermutlich lebenslang, anhält. Kinder können nach dem zwölften Lebensmonat geimpft werden. Es existiert ein kombinierter Impfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (MMRV). Die Schutzwirkung wird verstärkt durch eine zweite MMRV-Impfung, die bis zum zweiten Lebensjahr erfolgt sein sollte. Die Gabe des Impfstoffes ist in der Schwangerschaft untersagt.

Die 1998 vorübergehend gestellte Frage, ob der Impfstoff mit Darmentzündungen und mit Autismus in Zusammenhang stehen könne, kann eindeutig verneint werden (Uchiyama T et al. MMR-Vaccine and Regression in Autism Spectrum Disorders: Negative Results Presented from Japan, Journal of Autism and Develop Disorders. 2007 37:210-217 sowie Hornig et al. Lack of association between measles virus vaccine and autism with enteropathy: a case-control study. PLoS One 2008; 3: e3140)

Das australische Institut für Immunisierung entwarf eine Entscheidungshilfe für Eltern, in der die Vor- und Nachteile der Impfung auf der Basis z.Z. verfügbarer medizinischer Evidenz abgewogen wurden (MMR Decision Aid). Diese Web-Site wurde im Britisch Medical Journal positiv evaluiert (Wallace C, BMJ 332: 146 - 149, 2006)

Hinweise zum Impfschutz für Reisende
In vielen Reiseländern besteht ein erhöhtes Masern-, Mumps- und Röteln-(MMR)-Infektionsrisiko, insbesondere in Entwicklungsländern. Kinder sollten daher vor der Reise zwei MMRV-Impfdosen erhalten haben. Erwachsene sind meist durch Impfung oder durch eine durchgemachte Infektion geschützt. Wenn dies nicht der Fall ist, kann spätestens zehn Tage vor Abreise eine MMRV-Impfung nachgeholt werden. Bei anderen Lebendimpfungen (z.B. Gelbfieber) kann die MMRV-Impfung entweder gleichzeitig oder im Abstand von mindestens vier Wochen erfolgen.


Weiterführende Informationen:

 

 

MG, 17.01.2012



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