Fachinformationen - Hepatitis C


Hepatitis C

Einführung
Die Leber schlüsselt die Nahrungsbestandteile auf, die ihr aus dem Darm angeliefert werden, und sie sorgt dafür, dass Giftiges den Körper rasch wieder verlässt. Diese lebensnotwendige Funktion kann durch sehr verschiedene Viren gestört werden. Das Hepatitis C Virus (HCV) ist eines dieser Gruppe von Viren, die nach dem Organ benannt sind, das sie schädigen, aber untereinander kaum verwandt sind. Bei mehr als 70% der frisch mit Hepatitis C infizierten Personen finden sich keine Krankheitserscheinungen. Trotzdem verläuft die Infektion bei 70-80% der Infizierten chronisch und führt zu einer bleibenden Leberschädigung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit 170 Mio. Menschen betroffen sind. In Deutschland sind etwa 500.000 Menschen chronisch infiziert. Die Hepatitis C ist die Ursache für etwa ein Viertel aller in Europa erforderlichen Lebertransplantationen.

Erreger:
Hepatitis C-Virus (HCV), Familie der Flaviviridae, RNA-Virus mit 6 Genotypen und etwa 100 Subtypen. Eine Mehrfachinfektion durch unterschiedliche HCV-Virustypen ist möglich.


Verbreitung:
Weltweites Vorkommen, wahrscheinlich etwa 1-3% der Weltbevölkerung mit geschätzten 130 Mio. Infizierten. In Europa existiert ein Nord-Süd-Gefälle mit höheren Prävalenzen im Süden. Die höchsten Infektionsraten finden sich jedoch in  Russland und den Entwicklungsländern. Ein gehäuftes Vorkommen der Erkrankung findet sich innerhalb der Risikogruppen, beispielsweise i.v.-Drogenabhängige, Dialysepatienten, Personen mit zahlreichen Piercings und Tätowierungen, Personal im Gesundheitswesen. Etwa 70% der viral bedingten chronischen Hepatitiden sind durch HCV bedingt.


Infektionsweg:
Die Übertragung erfolgt vor allem durch parenteralen Kontakt mit Blut. Erreger konnte auch in anderen Körperflüssigkeiten (Speichel und Sperma). Der i.v. Drogenkonsum stellt den wichtigsten Ansteckungsweg dar. In den Entwicklungsländern stellen mehrfach verwendete Injektionsnadeln die bedeutendste Ansteckungsquelle dar. Nach Verletzung mit einer mit HCV kontaminierten Kanüle liegt das mittlere Infektionrisiko bei etwa 3%. Die perinatale Übertragung spielt demgegenüber eine deutlich geringere Rolle. Obwohl der Stellenwert der sexuellen Übertragung unklar ist, finden sich in der Gruppe sexuell promiskuitiver Personen Seroprävalenzen von bis zu 12%. Knapp ein Drittel der Patienten mit chronischer Hepatitis C lässt sich keiner bekannten Risikogruppe zuordnen.


Inkubationszeit:
Zwei Wochen bis sechs Monate.


Symptomatik:
Etwa 85% der akuten Infektionen verlaufen ohne Symptome. Symptomatische Verläufe der akuten Erkrankung sind meist milde, die Patienten zeigen diffuse abdominelle Beschwerden, Schwäche und Transaminasenerhöhung. Bei den eher seltenen schweren Verläufen der akuten Hepatitis C können aplastische Anämien und Agranulozytose auftreten. Gerade die asymptomatischen Infektionen chronifizieren häufig. Bei etwa 20% der chronisch Infizierten entwickelt sich eine Leberzirrhose. Eine Leberzirrhose wiederum stellt einen relevanten Risikofaktor für die Entwicklung eines hepatozellulären Karzinoms dar. Extrahepatische Manifestationen der chronischen Hepatitis C sind Kryoglobulinämie, Vaskulitis, Porphyria cutanea tarda,  membranoproliferative und membranöse Glomerulonephritis, autoimmune Thyreoiditis, Sjögren Syndrom.


Diagnostik:
Im Rahmen einer akuten Hepatitis C finden sich Erhöhungen der leberspezifischen Enzyme. Der Nachweis von anti-HCV-Antikörpern ist nur von beschränktem Wert.  Es besteht eine diagnostische Lücke, da Anti-HCV-Antikörper sich erst etwa 4 Wochen nach Infektion nachweisen lassen. Daher hat der Nachweis der zirkulierenden Virus-RNA mittels PCR einen hohen Stellenwert zur Überprüfung der Verdachtsdiagnose. Auch der Therapieerfolg lässt sich mittels molekularbiologischer Diagnostik überprüfen. Bleibt die HCV-RNA über einen Zeitraum von 6 Monaten nach erfolgreicher Therapie weiterhin nicht nachweisbar, so kann von einem dauerhaften Therapieerfolg ausgegangen werden.


Differentialdiagnose:
Andere Formen der Virushepatitis (Hepatitis A-E). Chronische Leberschädigung durch Alkohol, Medikamente oder Schadstoffe. Primär biliäre Zirrhose, angeborene Stoffwechselerkrankungen (M. Wilson u.a.).


Therapie:
Die Anwendung von pegyliertem alpha-Interferon über 24 Wochen führt bei der Mehrzahl der Patienten (> 95%) zu einer Ausheilung der akuten Erkrankung . Bei der chronischen Hepatitis C wird PEG-alpha-Interferon mit Ribavirin kombiniert.


Prophylaxe, Immunität:
Impfstoffe oder Immunglobuline stehen nicht zur Verfügung. Die wichtigste Maßnahme ist daher die Expositionsprophylaxe. Bei  Exposition mit HCV-kontaminiertem Blut sollten über 6 Monate regelmäßig HCV-RNA-Tests durchgeführt werden. Im Falle eines positiven Tests wird eine Interferonmonotherapie begonnen. Eine Postexpositionsprophylaxe mit antiviralen Wirkstoffen ohne Nachweis von HCV-RNA ist nicht indiziert. 

 

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MG, 29.08.2012



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