Fachinformationen - Hepatitis B


Hepatitis B

Erreger:
Hepatitis B-Virus (HBV), Familie der Hepadnaviridae, DNA-Virus. Der Erreger besitzt eine Größe von 41 nm und weist bestimmte Antigene auf, die ihm Rahmen der Diagnostik von Bedeutung sind. Man unterscheidet: das Surfaceantigen (HBsAg), das Coreantigen (HBcAg) sowie das Envelope-Antigen (HBeAg).


Verbreitung:
Weltweite Verbreitung mit mehr als 1 Mio. Todesfälle pro Jahr. In Regionen mit hyperendemischen Auftreten der Hepatitis B (China, Zentralafrika) kann der Anteil der Virusträger in der Bevölkerung 8% überschreiten. In weiten Teilen der Tropen, in Nordafrika sowie dem mittleren Osten muss mit einer überdurchschnittlichen Häufigkeit von Virusträgern gerechnet werden. In Deutschland liegt der Anteil der potenziellen Überträger bei etwa 0.6%. Ein erhöhtes Expositionsrisiko besteht zum Beispiel bei  i.v. Drogenabhängigen, Personal im Gesundheitswesen und bei Personen mit Langzeitaufenthalten in Ländern mit überdurchschnittlicher Durchseuchungsrate. Besonders medizinische Eingriffe in Entwicklungs- und Schwellenländern sind riskant. Hier treffen Defizite im Gesundheitssystem (z.T. unsterile Arbeitsweise) auf eine hohe Rate an Virusträgern. 


Infektionsweg:
Im Vordergrund steht die Übertragung durch Sexualkontakte und die parenterale Übertragung durch den Kontakt mit Blut und Blutprodukten. Auch im Rahmen enger familiärer Kontakte ist eine Übertragung möglich. In Ländern mit hoher Rate an Virusträgern ist die vertikale Übertragung des Erregers von der Mutter auf das Kind unter der Geburt von Bedeutung. Etwa 90% der über diesen Weg infizierten Kinder bleiben HBsAg positiv.


Inkubationszeit:
Durchschnittlich 10 Wochen; 6 Wochen bis 6 Monate.


Symptomatik:
Die akute Erkrankung beginnt mit allgemeinem Krankheitsgefühl, Fieber, Übelkeit, Erbrechen, später Ikterus.  Zusätzlich können Myalgien, Arthralgien und urtikarielle Hautveränderungen auftreten. Mitunter entwickelt sich eine Glomerulonephrits. Bei etwa 5-10% der infizierten Erwachsenen kommt es zur Persistenz von HBsAg. Etwa 30% dieser Patienten entwickelt eine chronische Hepatitis B. Aus der chronischen Erkrankung kann sich eine Leberzirrhose entwickeln; dies geschieht innerhalb von 10 Jahren bei etwa 20% der Patienten. Eine Leberzirrhose stellt wiederum einen bedeutsamen Risikofaktor für die Entwicklung eines hepatozellulären Karzinoms dar. Etwa alle 5 Jahre sind etwa 15% der Zirrhose-Patienten hiervon betroffen. Gelegentlich tritt das Leberzellkarzinom auch bei ansonsten gesunden Virusträgern auf. 


Diagnostik:
Mit Beginn der akuten Erkrankung können gegen das Coreantigen gerichtete anti-HBc-Antikörper im Serum nachgewiesen werden. Anti-HBc-Antikörper (IgG) bleiben lebenslang nachweisbar und sind Ausdruck eines stattgehabten Kontaktes mit dem Erreger.  Im Falle einer persistierenden Infektion bleibt das HBs-Antigen weiterhin nachweisbar, während keine schützenden Antikörper von Typ IgG gebildet werden. Eine Infektion mit aktiver Vermehrung der Erreger im Blut zeigt sich in positiven Werten für HBsAg, HBeAg , HBV-DNA und virusspezifischer Polymerase. Bei einer ausgeheilten Infektion finden sich Antikörper gegen HBsAg und HBcAg.


Differentialdiagnose:
Andere Formen der Virushepatitis (Hepatitis A-E). Chronische Leberschädigung durch Alkohol, Medikamente oder Schadstoffe. Primär biliäre Zirrhose, angeborene Stoffwechselerkrankungen (M. Wilson u.a.).


Therapie:
Neben allgemeinen Maßnahmen wie körperlicher Schonung und Karenz gegenüber möglichen Noxen besteht im Falle einer chronischen Hepatitis mit Erhöhung der Transaminasen die Möglichkeit einer Therapie mit  Interferon-alpha und Peginterferon. Bei fehlendem oder fraglichem Ansprechen ist eine Behandlung mit Lamivudin, Adefovir, Entecavir, Tenofovir u.a. möglich. Als Therapieerfolg kann eine Serokonversion mit Bilung von anti-HBe-Antikörpern oder eine Senkung der Viruslast um mehrere Log-Stufen angesehen werden.


Prophylaxe/Immunität:
Mit dem Hepatitis B-Impfstoff steht ein effektiver und gut verträglicher Schutz vor der Erkrankung zur Verfügung. Grundsätzlich wird die Impfindikation heute großzügig gestellt. Die Impfung von Neugeborenen HBsAg positiver Mütter ist von erheblicher Bedeutung in Ländern mit starker HBV-Durchseuchung. Bei Patienten mit bestehenden Leberschäden geht eine HBV-Infektion mit schwereren Krankheitsverläufen und erhöhter Sterblichkeit einher. Diese Patientengruppe kann erheblich von einem Impfschutz profitieren.
 

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MG, 06.03.2013



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