Fachinformationen - Hepatitis A


Hepatitis A

Hepatitis A-Virus (HAV), Familie der Picornaviridae, unbehülltes Partikel, Einzelstrang-RNA positiver Polarität. Verwandschaft zu Enteroviren. Mit 25 nm Größe ist HAV eines der kleinsten Viren.

Bildquelle: Werner Schönherr

Verbreitung
Weltweites Vorkommen ähnlich wie HEV. Die Durchseuchung ist in den Tropen und Subtropen- besonders im Falle schlechter hygienischer Rahmenbedingungen- höher als in den gemäßigten Breiten. In Süd- und Osteuropa findet sich eine höhere Antikörper-Prävalenz als in Mitteleuropa. Die Durchseuchung in Gruppen mit höherem Lebensalter liegt auch in Mitteleuropa z.T. deutlich über der von Jüngeren.

Infektionsweg
Vor allem fäkal-oral über kontaminierte Lebensmittel (z.B. Muscheln)  oder Getränke, aber auch durch Schmierinfektion oder (homo)sexuelle Kontakte. In seltenen Fällen erfolgt die Übertragung durch Blutprodukte.  Besonders dort, wo zahlreiche Menschen unter schlechten hygienischen Bedingungen auf engem Raum zusammenleben, findet sich ein erhöhtes Risiko.

Inkubationszeit
2-6 Wochen, bereits 1-2 Wochen vor Beginn der klinischen Symptomatik besteht Infektiosität.

Symptomatik
Ausschließlich akute Infektion. Symptomspektrum schwankt zwischen asymptomatischen Verläufen (vor allem bei Kleinkindern) und fulminanter Hepatitis (etwa 0,1-1%, häufiger bei Älteren oder Patienten mit vorgeschädigter Leber). Die Letalität kann bei Personen über 50 Jahre bis zu 3% betragen. Auch Schwangere sind stärker gefährdet, der Erreger wird diaplanzentar übertragen und bedingt eine erhöhte Früh- und Fehlgeburtlichkeit. Im Allgemeinen verläuft die klinisch auffällige Erkrankung unter dem Bild einer akuten Hepatitis mit abrupt einsetzendem Krankheitsgefühl. Es finden sich meist allgemeines Unwohlsein, Myalgien, Kopfschmerzen und Fieber. Später Übelkeit und Spannungsgefühl im rechten Oberbauch. Nach einigen Tagen (3-10) beginnt die ikterische Phase, die häufig 1-3 Wochen andauert. Während der ikterischen Phase findet sich meist bereits wieder eine Besserung der Symptome. Prolongierte Verläufe über mehrere Monate sind möglich. Gelegentlich wird eine "relapsing disease" beobachtet, hierbei findet sich nach Abklingen der Symptomatik ein Wiederanstieg der Transaminasen.

Bildquelle: Werner Schönherr

Diagnostik
Die klinische Symptomatik ist meist begleitet von einer Erhöhungen der Transaminasen  und bei ikterischen Verläufen einer Erhöhung des Bilirubins. Das Blutbild zeigt oft eine Leukopenie, gelegentlich in Verbindung mit einer Lymphozytose (atypische Lymphozytose). In der frühen Phase der Erkrankung ist es möglich, den Erreger elektronenmikroskopisch im Stuhl nachzuweisen. Üblicherweise beruht die Diagnose jedoch auf dem Nachweis von anti-HAV-Antikörper vom Typ  IgM, gefolgt von IgG.

Differentialdiagnose
Andere Formen der viralen Hepatitis (Hepatitis B- E) .

Therapie
Eine spezifische Therapie steht nicht zur Verfügung. Im Vordergrund stehen symptomatische Maßnahmen wie Bettruhe, diätetische und sonstige supportive Maßnahmen.

Prophylaxe, Immunität
In jedem Fall ist es Wasser- und Nahrungsmittelhygiene in warmen Klimazonen die wichtigste Vorbeúgungsmaßnahme gegen virale Leberentzündungen. Im Umgang mit Erkrankten sind besondere Hygienemaßnahmen nötig. Personen, die sich in der Ausscheidungsphase befinden, können besonders bei einer Tätigkeit in der Lebensmittel-verarbeitenden Industrie zum Ausgangspunkt für Erkrankungsausbrüche werden.

Mit den hochwirksamen inaktivierten Impfstoffen steht ein geeignetes Mittel zum Schutz  vor Erkrankung zur Verfügung:

Bei Patienten mit bestehenden Leberschäden geht eine Hepatitis A mit schwereren Krankheitsverläufen und erhöhter Sterblichkeit einher. Diese Patientengruppe kann erheblich von einem Impfschutz profitieren. Vor Beginn einer aktiven Immunisierung kann - vor allem bei vor 1950 Geborenen - eine Antikörperuntersuchung (anti-HAV-Antikörper, IgG) sinnvoll sein, da bei positivem Befund i.d.R. von einer stillen Feiung mit  lebenslangen Immunität auszugehen ist.

Die Gabe von Immunglobulinen bietet keinen Langzeitschutz und ist mit höheren Risiken als die Aktivimpfung verbunden. Eine passive Antiköpergabe würde in etwa drei Monate vor  einer infektion schützen und könnte bei hochgradiger Immunsuppression erwogen werden.

Weiter

Nicht fäkal-oral übertragene Leberentzündungen durch Viren

Literatur

 

MG, 03.09.2012



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