Fachinformationen - Kultur


Anpassung an die Kultur des Gastlandes
 

 Bildquelle: Melanie Kiel

 

Wer es in Vietnam eilig hat und ständig auf die Uhr schaut, wird nur milde belächelt: Hektik zu zeigen, gilt bei Vietnamesen als unhöflich und Gesichtsverlust. In Irland ist deutsche Pünktlichkeit nicht angesagt: Zu Verabredungen kommt man in der Regel eine halbe Stunde zu spät. Auch der solide deutsche Handschlag trifft nicht weltweit auf Gegenliebe: Japaner reichen zwar der Höflichkeit halber die rechte Hand, doch der Handschlag ist eher lasch und kraftlos. In Japan verbeugt man sich zur Begrüßung.
Andere Länder, andere Sitten, und viele Touristen und Geschäftsreisende erleben Kulturschocks, wenn sie ein fremdes Land besuchen. Schon ein beruflicher Wechsel von Hamburg nach München verlangt eine kulturelle Anpassung. Dabei gilt die Faustregel: Je mehr Flugstunden, desto tiefgreifender kann die Veränderung sein. Vor allem ostasiatische und afrikanische Länder sind für Westeuropäer durchweg gewöhnungsbedürftig.
 
Die Spielregeln im menschlichen Umgang sind oft sehr unterschiedlich. Verständigung erfolgt nicht nur durch Worte. Haltung, Gesten, Körperausdruck (insbesondere Handzeichen) können in unterschiedlichen Kulturen Unterschiedliches bedeuten. Ohne es zu wollen, verletzen wir im Ausland die Gefühle anderer durch zu viel nackte Haut, zu "persönliches" Fotografieren, zu "kämpferisches" Auftreten.
 
Anpassung an eine neue Kultur kann Wochen, aber auch Monate andauern, je nachdem, wie lange der Auslandsaufenthalt andauert und wie anpassungsfähig und willig der Reisende oder Länger-im-Ausland-Lebende ist. Dabei unterscheidet man unterschiedliche Phasen: Der ersten Phase des Reisefiebers, der Neugier, der oft Begeisterung über das so Andere, folgt häufig die zweite Phase: Gefühle von Angst, Hilflosigkeit, latente oder offene Aggression, Frustration. Die dritte Phase ist gekennzeichnet durch gelungene Anpassung oder auch Flucht oder zynisch verbittertes Ausharren.

Als Alternative zur Ablehnung der anderen Kultur und der in ihr agierenden Menschen gibt es immer auch die geduldige Prüfung, ob es Verhaltensweisen, Einstellungen gibt, die sinnvoll sind, die eventuell sogar übernommen werden können.
Bei positiver Verarbeitung des "Kontextwechsels" (wertfreies Fachwort für "Kulturschock") lernt der Betroffene, in der fremden Kultur zu leben, er passt sich an, ohne seine eigene Identität zu verlieren. In der nachfolgenden Phase der Stabilisierung hat er sinnvoll erscheinende Verhaltensweisen und Einstellungen der fremden Kultur übernommen und bewegt sich dort mehr oder weniger angenehm "wie ein Fisch im Wasser".
 
Die meisten Unternehmen setzen eine positive Persönlichkeitsentwicklung der "Auslandsexperten" voraus. Es zeigt sich, dass Mitarbeiter umso effektiver im Ausland tätig werden, je besser sie vorbereitet sind und bei Problemen begleitet werden. Deswegen werden in zahlreichen Schulen, Instituten und Universitäten bundesweit Schulungstrainings für Geschäftsleute angeboten.
 
Zur Abmilderung von Kulturschocks für privat und geschäftlich Reisende haben sich folgende Faktoren bewährt:
Bei folgende Persönlichkeitsmerkmalen tritt ein Kulturschock seltener auf:
Einfache Regeln für den Einstieg:
Respektvolles Verhalten gegenüber anderen kulturellen Werten, Lebensanschauungen oder Religionen erspart nicht nur unnötigen Ärger, sondern ebnet vor allem den Weg zu neuen Begegnungen, die die Reise wertvoll machen.
 
Alle "Fettnäpfchen" können nicht umgangen werden und manche Einheimischen reagieren auch bei einfühlsamsten Verhalten aggressiv oder ausnutzend. Konflikte sind unvermeidbar, aber sie müssen nicht ausufern und eskalieren. Mit freundlicher und sachlicher Wortwahl und Gestik lässt sich ein Streit leicht begrenzen: In der Form nachgiebig sein und doch bestimmt bleiben, wenn es sein muss. Wichtig ist, zu versuchen, den Gegenüber zu verstehen und Herabsetzungen zu vermeiden. Falls ein Teil des entstandenen Problems durch eigenes Verhalten bedingt war, darf der Mut zu einer Entschuldigung nicht fehlen!
 
Literatur:
 Weitere Artikel

 

RMZ, 17.09.2012



Drucken

Zur Website www.gesundes-reisen.de