Reiseinformationen - Herpes zoster Impfung


Herpes zoster Impfung


Einleitung
Auch, wenn der lästig juckende Hautausschlag längst verschwunden ist, hinterlassen die Windpocken ein lebenslanges Andenken. Die Viren, die die Erkrankung auslösen, ziehen sich in das Innere der Nervenwurzeln des Rückenmarks und der Hirnnerven zurück. Innerhalb der Nervenzellen hält sich der Erreger vor dem Immunsystem verborgen.

Nach einer durchgemachten Infektion bleibt man lebenslang vor Windpocken geschützt. Kommt es jedoch zu einem dauerhaften oder vorübergehenden Nachlassen der Immunabwehr, dann kann sich das Varizella-Zoster-Virus (VZV) in Form einer anderen Erkrankung manifestieren. Durch eine Reaktivierung können sich die Viren in den Ganglien vermehren und schließlich entlang den Nerven wandern. Im Bereich von Hautarealen, die von diesen Nerven versorgt werden, findet sich ein blässchenförmiger, rötlicher und sehr schmerzhafter Hautausschlag.

Gürtelrose
Der durch eine Reaktivierung des VZV entstehende Hautausschlag zeigt sich überwiegend im Bereich des Brustkorbs. Aufgrund dieser typischen Lokalisation spricht man von Gürtelrose oder Zoster (griechisches Wort für Gürtel). Der Zoster kann auch streifenförmig im Bereich der Arme oder Beine auftreten. Ein Befall der verschiedenen Hirnnerven kann zum Teil heftigste Beschwerden hervorrufen. Beim Zoster ophthalmicus können Gesicht und Augen betroffen sein. Bei rund einem Fünftel der von einem Zoster Betroffenen können unangenehme Begleiterscheinungen auftreten. Eine recht häufige Komplikation ist die Postzoster-Neuralgie mit zum Teil langjährig anhaltenden brennenden Schmerzen der betroffenen Hautpartie. Statistisch betrachtet findet sich der Zoster vor allem im höheren Lebensalter. Zwei Drittel der Fälle betreffen Personen im Alter über 50 Jahre und jeder Zweite im Alter über 85 Jahre hat bereits einmal in seinem Leben eine Gürtelrose durchgemacht. Ist das Immunsystem aufgrund bestimmter Erkrankungen oder wegen einer immunsuppressiven Therapie (z.B. bei Rheumapatienten oder Organtransplantierten) unterdrückt, so ist die Gürtelrose auch in jüngeren Jahren nicht ungewöhnlich. 

Impfstoff
Inzwischen existiert erstmals ein Impfstoff (Zostavax®, Sanofi Pasteur MSD), der das Auftreten des Zosters bei älteren Personen vermeiden soll. Auch die Häufigkeit der Postzoster-Neuralgie soll gesenkt werden. Es handelt sich hierbei nicht um den konventionellen, inzwischen auch bei Kindern empfohlenen “Windpocken (=Varizellen)-Impfstoff“, sondern um ein wesentlich höher (14 mal stärker) dosiertes Präparat. Bei dem Impfstoff handelt es sich um ein Pulver, dass in Wasser für Injektionszwecke aufgelöst wird. Nach Auflösung des Pulvers sollte der Impfstoff innerhalb von 30 Minuten verabreicht werden. Eine Impfstoffdosis (0,65 ml) wird in das Unterhautfettgewebe (subkutan) im Bereich der Schulter gegeben. Zostavax® ist indiziert für die Anwendung bei Personen ab 50 Jahre. Unterschieden wird zwischen einer tiefgefrorenen Version des Impfstoffes und einer Variante des Impfstoffes, die auch bei normaler Kühlschranktemperatur stabil bleibt. Ob und wann eine Wiederimpfung mit Zostavax® erforderlich ist, lässt sich derzeit noch nicht absehen. Bisher ist der Impfstoff  kaum verfügbar.

Gegenanzeigen
Gemeinsam ist dem Varizellenimpfstoff (wird im Kindesalter gegeben) und dem Zosterimpfstoff, dass es sich um Lebendimpfstoffe handelt. Daher kommt eine Anwendung des Zosterimpfstoffes bei der Gruppe der Immunsupprimierten (Patienten mit Kortison-Therapie, Transplantierte, Aids-Patienten, Personen mit Tumorleiden - besonders Leukämien, - Patienten während einer Chemotherapie etc.) nicht in Betracht. Der Grund für diese Einschränkung ist die theoretische Überlegung, dass bei vorhandener Abwehrschwäche sich die verimpften Viren unkontrolliert vermehren könnten. Eine äußerliche oder inhalative Anwendung von Kortisonpräparaten stellt keinen Grund dar, auf die Zoster-Impfung zu verzichten, auch bei einer bekannten Überempfindlichkeit gegenüber dem Impfstoff oder gegen  Impfstoffbestandteile (z.B. Neomycin). Liegt eine Neomycin-Kontaktallergie vor, dann gilt dies nicht als Kontraindikation. In Zweifelsfällen ist die Rücksprache mit einem Allergologen sinnvoll. Bei Frauen im gebärfähigen Alter muss vor der Impfung eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Nach verabreichter Impfung muss eine Schwangerschaft über einen Zeitraum von 3 Monaten verhindert werden.

Nebenwirkungen
Das Nebenwirkungsprofil von Zostavax® wurde in klinischen Studien mit insgesamt etwa 20.000 Erwachsenen untersucht. Als sehr häufige Nebenwirkungen (1/10) wurden lokale Beschwerden (Rötung, Schwellung, Schmerzhaftigkeit an der Impfstelle) beobachtet. In der Altersgruppe zwischen 50 und 59 Jahre fanden sich ausgeprägtere lokale Beschwerden als bei den über 60-Jährigen. Häufig (> 1/100) wurde über Blutergüsse und Juckreiz sowie über Kopfschmerz geklagt. Bei 59 mit Zostavax® geimpften Studienteilnehmern trat innerhalb von 42 Tagen nach Impfung ein Windpocken-ähnlicher Hautausschlag auf. Nur bei zehn dieser Personen wurde auf das Vorliegen von VZV getestet; bei zwei dieser Patienten konnte das Impfvirus (Oka/Merck-Virusstamm) in den Hautläsionen nachgewiesen werden. Die kühlschrankstabile Formulierung und die tiefgefrorene Variante des Impfstoffes zeigten ein vergleichbares Nebenwirkungsprofil. 

Wirksamkeit
Der Impfstoff bewirkt, dass die bei Älteren (durch Windpockeninfektion in der Kindheit) vorhandene Immunität verstärkt („aufgefrischt“) wird. Bei mit Zostavax® Geimpften lag die Häufigkeit der Gürtelrose um 51% niedriger als in der Vergleichsgruppe, die nur ein Scheinpräparat (Placebo) erhalten hatte. Bei den Personen, die trotz Impfung einen Zoster entwickelten, lag die Rate an Post-Zoster-Neuralgie um 67% niedriger als bei Zoster-Patienten in der ungeimpften Vergleichsgruppe. Die Schmerzbelastung der Patienten mit Post-Zoster-Neuralgie (bewertet nach einer Schmerzskala) lag in der Gruppe der Geimpfen um 61% niedriger. Besonders schwere Verlaufsformen der Zoster-Erkrankung ließen sich in 73% (verglichen mit der Kontrollgruppe) verhindern.

Fazit
Die Stärken des Impfstoffes liegen nach bisherigem Kenntnisstand vor allem in der verringerten Häufigkeit derjenigen Zoster-Erkrankungen, die mit schweren und lang anhaltenden Schmerzen einhergehen. Einschränkungen für die Anwendung ergeben sich vor allem daraus, dass diejenigen, die am meisten von einer Zoster-Impfung profitieren könnten (z.B. schwer immungeschwächte Personen, Tumorpatienten etc.), keine Lebendimpfstoffe erhalten dürfen. Auch ist derzeit nicht geklärt, wie lange die positiven gemessenen Effekte anhalten. Da der Impfstoff noch nicht lange auf dem Markt ist, bzw. nicht in großem Umfang angewendet wird, kann noch keine Aussage über äußerst seltene aber schwerwiegende Nebenwirkungen gemacht werden.

Links

MG, 31.07.2012



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