Fachinformationen - Therapie: Wilderness Medicine


Wilderness Medicine

Bildquelle: Irina Klein

Aktivitäten in der Wildnis und in abgelegenen Regionen sind einer der am schnellsten wachsenden Trends in der Tourismusbrache. Bereits seit 1985 werden jährliche Wachstumsraten von 10% registriert. Reisen in die Wildnis üben vor allem in Verbindung mit Trendsportarten wie Mountain Biking, Snowboarding oder Hochsee-Kajakfahren einen starken Reiz auf viele Reisende aus. Neben den sportbedingten Risiken kommen Gefahren durch den Kontakt von Krankheitserregern, Tieren und Pflanzen sowie Probleme mit den mangelnden Möglichkeiten einer medizinischen Versorgung vor Ort hinzu.


Im Zusammenhang mit einer Vielzahl an spezifischen Gesundheitsrisiken und dem daraus resultierenden Beratungsbedarf erlebt der Begriff der „Wilderness Medicine“ in der Reisemedizin derzeit eine Renaissance.

Die Wilderness Medicine hat ihre Ursprünge in der Expeditions- und Militärmedizin. Erfahrungen im Sanitätswesen während der zahlreichen großen Kriege im Zwanzigsten Jahrhundert (vor allem dem Korea und Vietnam Krieg) fließen inzwischen auch vermehrt in die zivile Medizin ein. Vor allem wurden zahlreiche Protokolle und Praktiken inzwischen in die Katastrophenmedizin übernommen. Die Wilderness Medicine definiert sich vor allem über die folgenden drei Punkte:

Südafrika, Bildquelle: Irina Klein


Gesundheitsprobleme in der Wildnis

Statistische Erhebungen bei Besuchern großer Nationalparks in den Vereinigten Staaten (vor allem im Bundesstaat Kalifornien) zeigten:

Anders als in den US-amerikanischen Nationalparks besteht in anderen Wildnis-Regionen der Erde auch ein vergleichsweise höheres Risiko für Infektionskrankheiten (Malaria, Denguefieber u.v.a.). Da es sich um gut dokumentierte Fälle handelt wird im Zusammenhang mit Infektionsrisiken bei Abenteuerreisen oft auf die Ereignisse der „Eco-Challenge“ 2000 verwiesen.

Zahlreiche Personen erkrankten während der Teilnahme an dieser Sport-Veranstaltung an Leptospirose.

Bildquelle: Irina Klein


Neben Infektionskrankheiten ist auch die Gefahr einer Gewalttat zum Opfer zu fallen ist an vielen Punkten (vor allem in Krisenregionen, Bürgerkriegsgebieten etc.) der Erde höher als in den Nationalparks in Kalifornien. Das Risiko mit Gifttieren konfrontiert zu werden, gilt jedoch - entsprechende Vorsicht vorausgesetzt - auch im tropischen Afrika und Südostasien als gering. Selbst in Australien, dem Land mit der größten Zahl an Gifttieren finden sich jährlich insgesamt nur etwa 300 Schlangenbisse, die mit Antiserum behandelt werden müssen.
Eine Mitnahme von Serumpräparaten auf eine Reise macht jedoch keinen Sinn, da das Produkt während einer Exkursion in der Regel nicht adäquat (bei Kühlschranktemperaturen) gelagert werden kann und für eine Vielzahl von Schlangen zahlreiche unterschiedliche Seren infrage kommen. Daher ist die Anwendung von Schlangenseren auf die klinische Versorgung beschränkt und sollte ausschließlich unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt werden. Die Zahl der jährlichen Todesopfer durch Schlangenbisse in Australien liegt meist zwischen 1 und 4 (Stewart 2003). Allein im Freistaat Bayern sind im Jahr 2009 768 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen und in Berlin kommt durchschnittliche jede Woche ein Mensch im Straßenverkehr ums Leben.

Planung

Ein Schlüsselelement in der Wilderness Medicine ist die Planungsphase. Die Planung von Expeditionen und Abenteuerreisen beinhaltet aus medizinischer Sicht nicht nur Maßnahmen zur Vermeidung von Unfällen, sondern auch Überlegungen zur Optimierung der Therapie/des Verhaltens falls doch einmal etwas passiert. Hierzu gehört zunächst eine Abschätzung des Gesundheitszustands und der Kondition der Teilnehmer. Hierzu sollte eine Liste aller Teilnehmer mit deren Vorerkrankungen, aktuellen Gesundheitsproblemen und aktueller Medikamenteneinnahme erstellt werden. Ebenso wichtig sind sorgfältige Überlegungen zur optimalen Kleidung und Ausrüstung. Bei Medikamenten und medizinischem Equipment sollte die praktische Relevanz und Anwendbarkeit im Vordergrund stehen.

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Die medizinische Ausrüstung/Vorbereitung sollte die folgenden Punkte berücksichtigen

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Prävention
Überlegungen zur Vermeidung von Gesundheitsproblemen sollten die folgenden Punkte umfassen:

Fazit
Bei adäquater Planung können Exkursionen in die Wildnis zu einer besonderen Erfahrung und einem intensiven Naturerlebnis werden. Einer Ausübung von Risikosportarten sehr unzugänglichem Gelände, vor allem in Ländern mit einer unzureichenden Gesundheitsversorung und Infrastruktur ist jedoch eher kritisch zu beurteilen.

Literatur

Link

MG, 13.11.2012



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