Reiseinformationen - Quecksilber


Quecksilber in Reiseländern

Quecksilber ist ein bei Zimmertemperatur flüssiges Metall, in dem sich andere Metalle leicht lösen. Dabei entstehen sogenannte Amalgame.

Im Rahmen industrieller Verschmutzung kommt es immer wieder zu großflächigen Vergiftungen von Böden und Wasser mit Quecksilberverbindungen, die dann in der Nahrungskette angereichert und von Menschen aufgenommen werden.

Quecksilber und Quecksilberverbindungen werden industriell genutzt für die Herstellung von Thermometern, Barometern, Knopfzellen, Hg-Lampen, Energiesparlampen, Konservierungs- und Pflanzenschutzmitteln. Es wird eingesetzt bei der Elektrolyse, der Goldgewinnung und hat auch eine medizinische Bedeutung:

Zu Risiken und Nutzen von Quecksilber in der medizinischen Anwendung bestehen unterschiedliche Auffassungen. Das Paul Ehrlich Institut verfasste deshalb am 06.12.2004 eine Stellungnahme zu Thiomersal. Informative Übersichten zu Amalgam-Zahnfüllungen finden sich u.a. bei www.Bayern.de und www.medizinfo.de. Aussagekräftig ist auch die Stellungnahme der Europäischen Union zu Quecksilbernutzung.

Früher galten Arbeiter, die intensiv mit Quecksilber umgehen mussten, oft als "verrückt", z.B. der "Mad Hatter" in "Alice in Wonderland", der mit quecksilbergebeizten Fellen und Filz hantierte. Das ist nicht verwunderlich, denn chronische Vergiftungen mit Quecksilber schädigen das Zentralnervensystem, besonders das Kurzzeitgedächtnis und die Koordinationsfähigkeit. Ferner wird das Farbensehen gestört, es kommt zu Gesichtsfeldeinschränkungen, Hörverlust und Nachlassen des Tastsinns. Nieren und Haut erkranken und bei Frauen wird die Fruchtbarkeit beeinträchtigt.

Schwangere Frauen, ungeborene, frühgeborene und sehr kleine Kinder sind besonders gefährdet. Bei Kindern stehen Störungen der Gehirnentwicklung und, bei leichten Vergiftungen, Entwicklungsverzögerungen im Vordergrund.

Massenhafte Methyl-Quecksilber-Vergiftungen wurden erstmals in den sechziger Jahren in Süd-Japan beschrieben. In der Bucht von Minamata (nahe Hiroshima) leitete ein dort angesiedelter Hersteller von Düngemittel und Plastik innerhalb von zehn Jahren 27 Tonnen Quecksilberverbindungen in das Meerwasser. Der Genuss von Fischen führte zuerst bei Fischern und deren Familien zur Degeneration von Nerven, Sensibilitätsstörungen an Armen, Beinen und Lippen, zu Sprachstörungen, Missbildungen und Gehirnschäden. Noch heute leiden etwa 3.000 Personen an der sogenannten Minamata-Krankheit. Im Irak wurde 1972 quecksilber-gebeiztes Saatgut an Bäcker ausgeliefert und führte zu einer Massenvergiftung. Immer wieder wird seither über kleinere oder größere Katastrophen der Quecksilberverseuchung berichtet.

Zahlreiche Regionen der Welt sind nach industriellem Quecksilbereinsatz bleibend verseucht. Dazu zählen Gebiete um Aktash in Sibirien, der Carson River in Nevada (USA), Gebiete in Kalifornien und aktive Goldschürfstellen u.a. in Kanada, Alaska, Peru, Kolumbien, Venezuela, Guayana, Französisch Guayana, Brasilien (Regenwald u.a. Rio Xingu, Tapajos, Madeira), Peru (Cajamarca), Guayana, Ghana (Dumasi), Süd-Tansania, Kongo, Angola, Namibia, Südafrika, China, Usbekistan, Indonesien, Philippinen u.v.a.


Goldausbeute nach Quecksilberanwendung (Peru):

Die Goldsuchenden selbst leiden an akuten Quecksilbervergiftungen, z.B. in der Folge des Einatmens von Quecksilberdämpfen beim Verbrennen von Gold-Quecksilberamalgam. Hochgefährdet ist auch die Bevölkerung direkt an den Flussläufen, in die Abwässer eingeleitet werden (in Brasilien z.B. traditionell lebende Indianer).

Hinweise für Reisende

Konsumenten von Fischen, die aus verseuchten Flüssen, Buchten oder Seen stammen, nehmen ggf. auch Quecksilber auf.

In der Regel reicht eine kurzfistige Quecksilberbelastung in Nahrungsmitteln nicht für akute Krankheitserscheinungen aus. Das Quecksilber wird dann ohne Beschwerden ausgeschieden.

Wenn allerdings Zweifel an der Belastung von Nahrungsmitteln, insbesondere von Fischen besteht, z.B. in der Nähe von Flüssen, an denen Gold gesucht wird oder in der Nähe von großen küstennahen Industriestandorten in Entwicklungsländern, ist es gut, auf diese Gerichte zu verzichten. Diese Vorsichtsmaßnahme gilt besonders für Kinder.

Bilder und Literatur zu Goldsuche und Quecksilber

RMZ, 08.08.2012



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