Fachinformationen - Blei


Blei

Blei ist ein kohlenstoff-ähnliches Schwermetall, das in Körperzellen eingebaut werden kann und dabei schadet.

In den letzten 3.000 Jahren wurden etwa 300 Millionen Tonnen Blei gefördert. Fünf Millionen Tonnen oder mehr wurden über Autoabgase verteilt. Blei-Staub findet sich deshalb selbst auf Bergspitzen und im Gletschereis.

In Industrieländern wird der Bleiverbrauch eingedämmt. Der wesentliche Verwendungszweck hier sind weiterhin Akkus. In vielen Entwicklungsländern können dagegen Industrie- und Autoabgase, Farben in Geschirr oder Gläsern, Haarfärbemittel und Wasserrohre hohe Konzentrationen von Blei enthalten.

Eine weitere Quelle von Blei sind Medikamente, deren Herstellung nicht kontrolliert wird: dazu gehören Arzneimittelfälschungen, z.B. in Südost-Asien und viele im Ausland hergestellte Pflanzenmedizin- und Ayurveda-Produkte.

Eine chronische Bleivergiftung schädigt alle Organe des Körpers, besonders aber das Nerven- und blutbildende System und den Verdauungstrakt. Blässe (Anämie), Stimmungsschwankungen, metallischer Geschmack, Verdauungsstörungen, Krämpfe ("Bleikolik"), Schmerzen und Lähmungen können in der Folge auftreten.

Schwangere und Kinder sind besonders gefährdet. Beschrieben wurden bei Kindern Entwicklungsverzögerung, Verhaltensstörungen, Blind- und Taubheit, Erkrankungen des blutbildenden Systems und Störungen des Knochenwachstums.

Gefahrenquellen für Kinder sind abblätternde Farben, z.B. an Hauswänden, da Blei süß schmeckt, und belastete Böden (z.B. Sandkästen).

Blei in Industrie- und Entwicklungsländern
Der Grenzwert im Trinkwasser (40 µg/L) wird in vielen Ländern überschritten. Insbesondere in städtischen Bereichen sind die Böden (besonders in der Nähe von Straßen oder Industrieanlagen) bleibelastet. Studien mit exakten Messungen fehlen in vielen Entwicklungsländern, es ist jedoch realistisch, dass die Belastungswerte in vielen Megastädten um den Faktor 10 höher sind als in Deutschland.

Beispiel Indien:

Beispiel Nigeria:

Bleibelastungen bei Schwangeren in den USA

Auch in Industrieländern bleibt Blei ein, allerdings besser untersuchtes, Gesundheitsproblem. Die Gesundheitsbehörde der USA nannte Bleivergiftungen eine "stille Epidemie" und "eines der häufigsten Gesundheitsprobleme bei Kindern".

Im Zeitraum von 2011-2012 brachte das New York City Department of Health and Mental Hygiene (DOHMH) sechs Fälle von Bleivergiftung mit der oralen Einnahme von zehn ayurvedischen Medikamenten aus Indien in Verbindung.

Bei den Betroffenen handelte es sich ausschließlich um im Ausland geborene schwangere Frauen, bei denen im Rahmen einer routinemäßigen Schwangerschaftsvorsorge erhöhte Bleikonzentrationen festgestellt wurden. Die Einnahme solcher durch Schwermetalle belasteter Mittel gefährdet das ungeborene Kind und die Mutter in hohem Maße. Folgen können zum Beispiel bei der Mutter ein erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt und beim Kind Entwicklungsstörungen sowie geringes Geburtsgewicht sein.

Geschichte von "Bauchgrimmen"
Seit der Antike bis ins 18. Jahrhundert wurde Blei zum Konservieren und Süßen von Wein verwendet, was häufig zu Epidemien von so genanntem "Bauchgrimmen" führte. Der Untergang Roms wird von einigen Historikern auch mit einer Bleivergiftung der Aristokratie, durch Trinkgefäße, Rohre und Wein, in Verbindung gebracht. Avicenna (um 1.000) und Paracelsus (um 1.500) beschäftigten sich intensiv mit Bauchgrimmen und schlugen zur Behandlung Quecksilber, Aderlass, Brechmittel (Antimon) und Klistiere vor. Erst ein Stadtmediziner von Ulm, Eberhard Gockel, entdeckte 1669 die Ursache von Bauchgrimmen. Ihm fiel auf, dass die Epidemien in Zeiten hoher Weinpreise auftraten, wenn es wenig guten Wein gab, und dass Mönche, die keinen Wein tranken, nicht erkrankten. Seine Schrift "Über das Süßen von saurem Wein mit Bleiweiß und den großen Schaden für die, die ihn trinken" führte zur ersten wirksamen Hygieneverordnung in Europa.

Vorbeugung vor Bleivergiftungen
Um Bleivergiftungen vorzubeugen, müssen Umweltstandards eingehalten werden. Benzin sollte bleifrei sein, Geschirr und Gläser kein Blei enthalten, Bleirohre sollten entfernt werden und die Böden nahe Hauptverkehrsstraßen und Industrieanlagen kontrolliert werden.

Hinweise für Reisende

Länderspezifische Hinweise

Quellen:

Weitere Artikel

 

HEF, SH, 04.10.2012



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